Falstaff ist der gefallene Ritter, der sich plötzlich in der Rolle des Hofnarren eines Bürgertums findet, das aus seiner grotesken Verführungskraft und Potenz die eigene Lebensenergie saugt. Am Ende sind alle Genarrte, doch jeder auf andere Weise. Die Welt ist ein Tollhaus. Der Spaß geht immer auf Kosten der anderen und fällt doch jedes Mal auf den Spaßmacher zurück. Denn auch der Spaß hat seine bösen Seiten, wenn die Welt aus den Fugen ist und nur noch in der Fuge Halt findet: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“
Um den gravitätisch-komischen Sir John Falstaff kreist die menschliche Komödie. In seinen erotischen Obsessionen äußert sich der ungebrochene Wille, dem Leben aufden Grund zu gehen, auch um den Preis der eigenen Lächerlichkeit. Ohne den Mut zum Lächerlichen erstirbt das Leben. Der plump-elegante Falstaff steigt auch nach der verheerendsten Niederlage wie Phoenix aus der Asche und bewahrt seine Menschenwürde.
Mit seinem 1893 entstandenen letzten Bühnenwerk nach Shakespeare hat Verdi die musikalische Komödie geradezu noch einmal neu erfunden und dabei zu einem absoluten Höhepunkt geführt. Auf der Basis von Arrigo Boitos genialem Textbuch schrieb er eine Musik, die in ihrer Agilität eine Jugendlichkeit ausstrahlt, bei der man kaum auf das hohe Alter des Komponisten schließen würde. Überdies gelang Verdi mit falstaff ein Welttheater, bei dem die Grenzen zwischen Komödie und Tragödie aufgebrochen werden.
Besetzung
Musikalische Leitung: Jac van Steen
Inszenierung: Beverly Blankenship
Bühne: John Lloyd Davies
Kostüme: Susanne Hubrich
Choreinstudierung: Granville Walker
Aufführungen bis zum 18.6.2010
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