Im Zentrum vom JazzFest Berlin 2011 – veranstaltet von den Berliner Festspielen vom 2. bis 6. November – steht dieses Jahr Jazz aus Polen. Bereits im Vorfeld des Festivals spielten am 15. und 21. Oktober jeweils um 18.00 Uhr die polnischen Formationen IRCHA Mikołaj Trzaska Clarinet Quartet und das Atom String Quartet im Martin-Gropius-Bau, passend zur Ausstellung „Tür an Tür.
Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“.
IRCHA ist ein Ensemble von vier Klarinettisten, deren musikalische Vorlieben und Erfahrungen von freier Improvisation über Rock- und Avantgarde-Jazz bis zu klassischer Kammermusik reichen.
Mikołaj Trzaska, Wacław Zimpel, Michał Górczyński und Paweł Szmburski lassen ihre Instrumente – Klarinette, Bassklarinette und ungarisches Tárogató – in einer Vielzahl von Klangfarben und Dichtegraden erklingen und erreichen eine pulsierende Intensität, die jede Rhythmusgruppe überflüssig macht.
Das Warschauer Atom String Quartet musiziert mit einer derartigen Power, dass es eine Rockband an die Wand spielen könnte. Das Repertoire besteht hauptsächlich aus eigenen Kompositionen mit einem sehr modernen und originellen Sound, der nicht nur nach Saiteninstrumenten, sondern auch nach Blas-, Tasten- und Schlaginstrumenten klingt – Spielkultur auf allerhöchstem Niveau.
Beim JazzFest Berlin im November sind dann insgesamt 6 Konzertereignisse polnischer Jazzmusiker zu erleben, an der Spitze Tomasz Stańko mit einer Litania-Neuauflage. Seit den 70er Jahren gehört der Trompeter zu den herausragenden Persönlichkeiten des polnischen Jazz.
In der Band von Krzysztof Komeda begann er 1963, eleganten, filmgetränkten Postbop zu spielen. Als Ende der achtziger Jahre viele Musiker Polen den Rücken kehrten, blieb er im Land und wurde zum Botschafter des polnischen
Jazz schlechthin.
Seine Erfahrung an der Seite Komedas blieb über all die Jahre ein immanenter
Bestandteil seiner Musik, der sich auf höchst unterschiedliche Weise manifestierte.
1996 spielte Stańko für ECM das Album Litania ein – ein ganz skandinavisch besetzter Komeda-Tribut, von dem der Schwede Joakim Milder in die aktualisierte JazzFest Berlin 2011-Version mit den Mitgliedern des
Wasilewski Trios sowie dem amerikanischen Saxofonisten Mark Turner übernommen wurde.
Ebenfalls dem kompositorischen Nachlass von Pianist und Filmkomponist Krzysztof Komeda widmet sich der Pianist Leszek MoŜdŜer. Sein dazu aktuell erschienenes Solo-Album Komeda landete bei den polnischen Charts sofort auf Platz 1.
Auch auf die Spur von Komeda begibt sich der Saxofonist Adam
Pierończyk aus Krakau mit dem Saxofonisten Gary Thomas aus den USA und präsentiert beim JazzFest Berlin 2011 seine ganz eigene Interpretation: Komeda – The Innocent Sorcerer.
Die Oleś Brothers sind Zwillinge im wirklichen und im musikalischen Leben – bis nach New York reicht bereits der Ruf ihres symbiotischen Zusammenspiels aus Bass und Drums. Beim JazzFest Berlin 2011 gesellt sich Christopher Dell mit seinem Vibraphon dazu und auch dieses Trio kommt an der Musik Komedas
nicht ganz vorbei.
Zur Einstimmung auf den Komeda-Schwerpunkt des Festivals wird am 2. November der Film Komeda – A Soundtrack for a Life im Haus der Berliner Festspiele gezeigt. Ein weiterer polnischer Act ist der Auftritt von Vladiyslav Sendecki im Hotel Savoy.
In seinem Programm Ein Polnischer Traum verbindet er Lyrik polnischer Dichter und Jazz. Außerdem ist das Nonet der jungen Komponistin und Arrangeurin Ola Tomaszewska im Georg-Neumann-Saal zu erleben.
Bild 1 Adam Baldych (c) Alina Prokopiuk
Bild 2 Tomasz Stanko (c) Andrzej Tyszko
Bild 3 Michael Wollny's (c) Joerg Grosse-Geldermann
Bild 4 Nils Landgren (c) Sebastian Schmidt
Bild 5 Carla Bley (c) Klaus Muempfer
Informationen und Tickets unter: www.jazzfest-berlin.de oder 030 – 254 89 100
Selina Russo
Selina.Russo@berlinerfestspiele.de

