Gesellschaft Freunde der Künste

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Andreas Kowalewitz leitet ein Faschingskonzert

München - Der Februar 2010 im Gärtnerplatztheater

Johanna Schall inszeniert Orpheus in der Unterwelt. Der Kinderchor des Gärtnerplatztheaters führt die Kinderoper Brundibár aus Theresienstadt auf. Andreas Kowalewitz leitet am Rosenmontag ein Faschingskonzert voller Überraschungen und der Gärtnerplatz-Klassiker My Fair Lady kommt in neuer Besetzung wieder.

Die klassischste aller Operetten hat am Gärtnerplatz passend zum Fasching (Freitag, 12. Februar) Premiere und stellt termingerecht alles auf dem Kopf: In Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt ist der Titelheld ganz froh, als seine Frau Eurydike endlich von Pluto entführt wird.

Götteroberhaupt Jupiter hat einige Mühe seine Unschuld in der Entführungsangelegenheit vor seinen Göttern - und vor allem vor seiner Frau Juno - zu bezeugen. Er bricht schließlich mit den Seinen in den Hades auf, um von Pluto die Rückgabe Eurydikes an Orpheus zu fordern. Nach einigem Hin und Her erklärt sich Pluto bereit, Eurydike freizugeben – unter der allseits bekannten Bedingung, dass Orpheus sich auf dem Weg nach oben nicht nach ihr umdrehen darf …

Was heute so selbstverständlich erscheint, markierte im Jahr 1858 den beispiellosen Durchbruch zu einer neuen Form des Musiktheaters: Die Orpheus-Premiere wurde zur Geburtsstunde der Operette. Mitreißende, tänzerisch wirbelnde Melodien – darunter der unsterbliche Cancan – und ein feines Gespür für das Burlesk-Komische, für pikante Situationen und zeitgenössische Satire bildeten die Grundlage des Erfolgs.

Am Gärtnerplatz nimmt sich jetzt Brecht-Enkelin Johanna Schall der Aufgabe an, das allzu Menschliche in den Göttergestalten hervor zu kehren. Ihre Inszenierung wird nicht nur im Hades sondern auch im Olymp absurden Machtstrukturen, zwielichtigen Machenschaften und allzu unverbindlichem Liebesgeplänkel nachspüren.

Eine  wunderbare Gelegenheit, für das Ensemble seine große Spielfreude auszuleben. Das Publikum darf sich u.a. auf Sibylla Duffe als Eurydike, Cornel Frey als Orpheus und Marianne Larsen als Öffentliche Meinung freuen.

Den Faschingshöhepunkt feiert das Gärtnerplatztheater drei Tage später (Rosenmontag, 15. Februar) in mittlerweile vielgeliebter Tradition mit einer närrischen Huldigung an die schönste Nebensache der Welt, an die Musik.

Beim großen Faschingskonzert warten Kapellmeister Andreas Kowalewitz und das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit einem schwungvollen und vergnüglichen Programm auf. Musiker, Solisten und einige Überraschungsgäste sorgen mit vielen ausgefallenen Ideen für einige Überraschungen.

Mit der Nachmittagspremiere am Sonntag, 21. Februar wechselt der bislang vergnügliche Ton. Erstmals steht dann der Kinderchor unter Leitung von Verena Sarré in einer eigenen Produktion auf der Vorbühne des Gärtnerplatztheaters. 

Von den Kindern wird für Kinder die kleine Oper Brundibár von Hans Krása gespielt, die 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt uraufgeführt wurde. Achtung: Nur zwei Vorstellungen!

1938 schrieb Hans Krása  Brundibár  zu einem Text von Adolf Hoffmeister für einen Wettbewerb des Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung, der wegen des Polenfeldzugs jedoch ohne Ergebnis blieb. Nachdem alle öffentlichen Aktivitäten für Juden verboten worden waren, wurde eine erste Fassung der Kinderoper über zwei Geschwister, die mithilfe der Tiere und ihres Gesangs ihre kranke Mutter retten, heimlich im jüdischen Waisenhaus in Prag uraufgeführt. 

Im KZ Theresienstadt (Terezín) schrieb Krása 1942 die Partitur erneut nieder. Als er dort die meisten Darsteller und Musiker aus dem Waisenhaus wieder traf, wurde Brundibár in Theresienstadt über 50 mal offiziell gespielt und unzählige Male inoffiziell - auf den Gängen der Wohnbaracken und in Hofecken.

Nach der Monooper Das Tagebuch der Anne Frank, (Oktober 2009 im Marstall) nimmt das Gärtnerplatztheater mit der von Kindern gespielten Kinderoper Brundibár ein weiteres Werk auf den Spielplan, das Kindern und Jugendlichen die schwer fassbare Geschichte der Nazi-Schreckensherrschaft näher bringen will.

Schon über ein Viertel Jahrhundert alt ist ein Juwel des Gärtnerplatztheaters, das August Everding einst für dieses Haus geschaffen hat und das heute aus dem Spielplan nicht mehr weg zu denken ist. Frisch poliert und in neuer Besetzung kommt My Fair Lady am Freitag, 26. Februar wieder auf die Bühne. Milica Jovanovic und Hardy Rudolzsorgen als „neues altes Paar der Gegensätze“ mit viel Esprit für die nächsten Jahre Sprachübungen mit Eliza und Henry Higgins.  

Mit den beiden Premieren stehen im Februar 2010 insgesamt 13 verschiedene Inszenierungen im Repertoire. Einige interessante Extras ergänzen das Programm:

Wie jeden ersten Samstag im Monat findet auch am 6. Februar, 15.00 Uhr wieder eine öffentliche Führung durch das Gärtnerplatztheater statt, die vor und hinter die Kulissen blicken lässt.

In den ersten Opern auf Bayrisch des Jahres beschäftigen sich Conny Glogger, Michael Lerchenberg und Werner Hofmeister am 10. Februar mit Aida, Rigoletto und Lohengrin.

Das 4. Kammerkonzert am Sonntag, 21. Januar beschäftigt sich mit Streicherwerken der beiden Reisegefährten Bela Bartók und Zoltán Kodaly. Gemeinsam mit einer Mazurka Bohuslav Martinus entsteht ein farbiges Kaleidoskop Osteuropäischer Kammermusiken. 

Im Anhang finden Sie alle Informationen zu Terminen und Besetzung der einzelnen Vorstellungen und Programme.

Staatstheater am Gärtnerplatz
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