Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Minna von Barnhelm, ein sächsisches Edelfräulein, sieht ihr Glück in Gefahr

MINNA VON BARNHELM ODER DAS SOLDATENGLÜCK bis zum 2.5.2010 in E.T.A.-Hoffmann-Theater

Mit MINNA VON BARNHELM hat Lessing im Jahr 1767 eines der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Lustspiele geschaffen und damit ein klassisches Stück Theaterkunst. Alles ist eine Frage der Ehre: Major von Tellheim wurde am Ende des Krieges der Korruption beschuldigt. Arm, verwundet und seiner Ehre beraubt, logiert er in einem Gasthof. Um das Zimmer bezahlen zu können, versetzt er seinen Verlobungsring. Seine Braut Minna ist soeben mit ihrer Zofe Franziska in selbigem Gasthof abgestiegen – auf der Suche nach ihrem geliebten Tellheim.

Die Wiederbegegnung wird zu einem Wechselspiel der Gefühle. Tellheim liebt Minna zwar, doch als abgedankter Offizier, als Bettler und Krüppel fühlt er sich dem reichen, wohlanständigen Fräulein nicht mehr würdig. Minna will ihn noch immer. Statt dem erhofften Glück beginnt der Kampf der Geschlechter. Die energische junge „Liebhaberin der Vernunft“ versucht vergeblich, den niedergeschlagenen Offizier zurückzugewinnen – und nutzt dafür eine scharfsinnige List. Zuletzt dreht sich alles um den Ring – und die Frage, wie sich Liebe mit Ehre verrechnen lässt.

Gotthold Ephraim Lessings Komödie handelt von Frauenliebe und Männerehre, von Liebe und ihrer Gefährdung in einer vom Krieg zerstörten, vom Geld regierten Welt, mit einer erstaunlich selbstbewussten Frau im Mittelpunkt. Die Komödie zeigt den Weg eines preußischen Soldaten von Stolz und Pflichtbewusstsein hin zum Menschen. Lessing thematisierte eine damals aktuelle Situation: das Elend und die wirtschaftliche Misere der Soldaten nach dem Siebenjährigen Krieg. Aufgrund seiner Tätigkeit als Sekretär bei General Tauentzien von 1760 bis 1765 war Lessing selbst mit dem Militärwesen vertraut.

Moral und Tugend sind Begriffe, die typisch für das 18. Jahrhundert sind. Für Offiziere und Adelige kam der Ehrverlust einer gesellschaftlichen Ächtung gleich. Im Major von Tellheim ironisiert Lessing ein übertriebenes Ehrgefühl. Nicht der Abschied aus dem Offiziersdienst ist die Ursache für Tellheims Ehrverletzung, sondern der Verdacht auf Bestechlichkeit, der er bezichtigt wird. Außerdem spielen Geld und Geldgeschäfte eine große Rolle in seinem Denken. Von nun an definiert er sich nur noch über seine gekränkte Ehre und isoliert sich von seiner Umgebung – und von Minna.

Tellheim ist ein Mann mit höchster Tugendhaftigkeit. Auch wenn diese sittliche Größe überzogen wirkt, so ist er doch ein Sympathieträger, der sich edel und großzügig seinem Diener Just, seinem Freund Werner oder der Witwe Marloff gegenüber zeigt. Minna will ihm jedoch mit ihrer List lehren, dass sein Ehrempfinden dort absurd wird, wo die Ehre nur noch um der Ehre willen existiert und dem Dienst am Menschen entgegen steht. Am Ende scheint sich ihr Scherz gegen sie zu wenden …

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) ist in Kamenz/Oberlausitz geboren und studierte Theologie und Medizin in Leipzig. Er war mit der Theatergruppe von Caroline Neuber bekannt und mit den Aufklärern Moses Mendelssohn und Friedrich Nicolai befreundet. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er ganz im Sinne der Epoche der Aufklärung nach Johann Christoph Gottscheds Vorbild. Doch schon bald empfand er Gottscheds Forderungen nach der Ständeklausel und den drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung als zu starr.

Er begann, die sozialen Verhältnisse zu hinterfragen, orientierte sich an Shakespeares Werk und formulierte in seiner „Hamburgischen Dramaturgie“ das Wesen des Dramas neu. Lessing brach die Regeln auf: Mit „Miss Sara Sampson“ begründete er das erste bürgerliche Trauerspiel, in dem er den bürgerlichen Helden in die „hohe Handlung“ der Tragödie einführt. Zur Komödie schrieb er, dass sie durch das Lachen bessern will, nicht aber durch Verlachen. Sein wirkungsästhetisch ausgerichtetes Komödienmodell sieht zeitgeschichtliche Bezüge und gemischte Charaktere vor.

Er plädiert für die Regeln des Kontrasts, also einer Vermischung von guten und schlechten Eigenschaften: „Ja, ich getraue mir zu behaupten, das nur dieses allein wahre Komödien sind, welche sowohl Tugend als auch Laster, sowohl Anständigkeit als Ungereimtheit schildern, weil sie durch diese Vermischung ihrem Originale, dem menschlichen Leben am nächsten kommen.“ (Gotthold Ephraim Lessing).

Regie führt Heidemarie Gohde. Seit der Spielzeit 1998/1999 ist sie regelmäßig zu Gast am E.T.A.-Hoffmann-Theater. Ihre Inszenierungen für unser Theater wurden mehrfach bei den Bayerischen Theatertagen ausgezeichnet: DIE LEIDEN DER JUNGEN WÄRTERIN (2005/2006), DAS MASS DER DINGE (2004/2005) und FEUERGESICHT (1999/2000). Nach DER GEIZIGE, CLAVIGO und ROMEO UND JULIA widmet sie sich mit MINNA VON BARNHELM erneut einem Klassiker der Theatergeschichte.

Bestzung

Inszenierung: Heidemarie Gohde | Ausstattung: Uwe Oelkers

mit: Olivia Sue Dornemann, Meike Hess, Aline Joers; Jürgen Brunner, Eckhart Neuberg, Felix Pielmeier, Stephan von Soden, Florian Walter; Statisten: Gert Papke, Marc Papke Chica

Kontakt

E.T.A.-Hoffmann-Theater
E.T.A.-Hoffmann-Platz 1
96047 Bamberg

Telefon (0951) 87 30 25
Fax (0951) 87 30 29

Presse

Susanne Wengrzik

presse.theater@stadt.bamberg.de

Links

http://www.theater-bamberg.de/index.phtml?La=1&sNavID=1681.201&mNavID=1681.80&object=tx|1681.446.1&sub=0