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Mehr Besucher in Museen – stimmt das?

Aktuellen Zeitungsberichten zufolge hat sich der Aufwärtstrend der Besucherzahlen in Deutschen Museen im Jahr 2008 bestätigt. Nachdem 2005 ein leichter Rückgang der Museumsbesuche vermerkt wurde, steigen die Zahlen jährlich um einige Prozentpunkte. Beispiele für diese Entwicklung werden reichlich gegeben und scheinen vielfältig, einige seien hier genannt: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) meldet 120 000 Besucher mehr als im Vorjahr 2007. 1,1 Millionen Menschen besuchten demnach die Museen des LVR. So hat der Archäologische Park Xanten mit 418 000 Menschen seine beste Quote seit 2001 erreicht. Auch zwei Nordrhein-Westfälische Freilichtmuseen und das Industriemuseum des Verbandes begrüßten deutlich mehr Gäste als noch im Jahr zuvor

In Frankfurt meldet Max Hollein, der Direktor der Kunsthalle "Schirn", das "dritterfolgreichste Jahr" in der über 20-jährigen Existenz des Ausstellungshauses. Das Städl Museum und die zugehörige Skulpturensammlung im Liebighaus verzeichnen ebenso einen klaren Anstieg der Besuche in ihren Räumen. In Mannheim konnte die Ausstellung "Homer – Der Mythos von Troja in Dichtung und Kunst" nach vier Monaten mit einem Besucherrekord aufwarten.

Die Meldungen vermitteln den Eindruck, dass das Bildungsangebot „Museum“ tatsächlich wieder in Mode kommt und dass das Interesse der Museumsgäste breit gefächert ist.

Alles Schein und provoziert durch die fehlerhafte Darstellung des Präsidenten des Deutschen Museumsbundes Michael Eissenhauer, meint Jörn Borchert, Betreiber der privaten Website „Kulturelle Welten“. Es seien vor allem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Themen, Blockbuster-Ausstellungen und Science Center, die ein größeres Interesse zu verzeichnen hätten. Zahlen der klassischen Museen, der „Museen für Kunst, Kultur, Stadtgeschichte, Volkskunde, Technikgeschichte und zu anderen kulturgeschichtlichen Themen“ bestätigten den Anstieg der Besucherzahlen aber nicht.

Eine Schimäre also, der Museumsboom in Deutschland? Eine europäische Vergleichstudie der Unternehmensberatung Arthur D. Little bestätigt die These. Die deutschen Ausstellungshäuser warten mit deutlich geringeren Besucherzahlen auf, als vergleichbare europäische Konkurrenz. Zurückzuführen sei das auf die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen. In einem Interview mit der „Welt“ sagt der Österreich-Chef von Arthur D. Little, Stefan Höffinger: "In allen von uns untersuchten Ländern haben die Kulturstätten damit zu kämpfen, dass die öffentlichen Gelder knapper werden. Doch gerade in Deutschland schöpfen viele Museen noch zu zaghaft ihr Potenzial aus, um sich größeren unternehmerischen Spielraum zu verschaffen." Mit „Potenzial“ sind zum Beispiel die Ansiedlung von Freizeiteinrichtungen in der Nähe von Museen gemeint, oder die Vermietung von Räumlichkeiten. In Wien wurde so das „Museumsquartier“ mit wechselndem Kulturangebot, Cafés und Restaurants, zu einem attraktiven und lebhaften Viertel.

Trotzdem malen die Zahlen der im Jahr 2008 veröffentlichten Studie des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin bezüglich der „Besuchszahlen an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für 2007“ ein anderes Bild. Hier heißt es: „Im Vergleich zu 2006 ist die Besuchszahl um 4.658.868 Besuche (4,5 %) gestiegen (2006: 102.645.078 Besuche).“ Wenn man die Binsenweisheit „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ außer Acht lässt, muss man doch annehmen, dass den deutschen Museen ein tendenziell steigendes Interesse zuteil wird. Welchen Einrichtungen genau, ob nur den eventträchtigen, wie Jörn Borchert einwendet, oder auch den der klassischen Bildung verpflichteten Einrichtungen, wird auch in der Pressenmitteilung des Deutschen Museumsbundes nicht klar.

Ob ein Ausspruch, wie der von Michael Eissenhauer, dass nämlich die „Erhebung des Instituts für Museumsforschung belegt, dass Museen die meistbesuchten Kultureinrichtungen Deutschlands sind“ gerechtfertigt ist, dass sei weiter dahingestellt.