Die traditionsreiche Brockhaus-Enzyklopädie erscheint künftig bei Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann. Die Bertelsmann-Dienstleistungstochter Avato übernimmt vorrausichtlich ab dem 1. Februar die Rechte an der Marke Brockhaus einschließlich der Inhalte und Bestände des Bibliographischen Instituts Mannheim & F.A. Brockhaus AG. Damit reagiert das Unternehmen auf den wachsenden Erfolg des freien Lexikons Wikipedia im Internet und die Suche nach Informationen mit Google.
Die Nachricht vom Verkauf der legendären Lexikonreihe Brockhaus kam angesichts der großen Umsatzeinbußen von rund 6,5 Millionen Euro allein im Jahr 2007 kaum überraschend. Demnach trage die Mannheimer Verlagsgruppe laut eigenen Angaben den Entwicklungen der vergangenen Jahre Rechnung und reagiere außerdem auf den starken Rückgang des Lexikongeschäftes im Buchhandel. Nicht zuletzt hat das kostenlose Angebot von Suchmaschinen wie Wikipedia und Google dazu beigetragen, dass klassischen Buchreihen weniger vertrieben werden. Dennoch hatte das 200-jährige Traditionsunternehmen im vergangenen Jahr häufig mit Ankündigungen eines kostenlosen Internetauftritts Schlagzeilen gemacht. Der geplante Start wurde allerdings wegen Partnerverhandlungen immer wieder verschoben.
Seit über 50 Jahren gehörte Bertelsmann bereits zu den größten Konkurrenten der Brockhaus AG. Die Traditionsmarke musste sich mit ihrer teils 30 Bände umfassenden Enzyklopädie gegen die Lexika behaupten, die der Konzern Bertelsmann unter Anderem über die Wissenmedia GmbH vertreibt. Mit dem geplanten Onlineauftritt von Brockhaus hätte sich noch ein weiteres Konkurrenzfeld aufgetan. Wissenmedia hat somit durch die Übernahme nun ein Problem weniger. Immerhin: Plänen zufolge solle zukünftig sowohl der Vertrieb von gedruckten Lexika als auch Online-Nachschlagwerken fortgesetzt werden. Das Bibliographische Institut Mannheim möchte sich zukünftig mehr auf die Marke Duden mit Schwerpunkten wie Korrektursoftware und Rechtschreibprüfung konzentrieren.
Für Bertelsmann ist es jetzt ein leichtes Spiel, sich als Retter des sinkenden Brockhaus Schiffes zu präsentieren. Es stellt sich jedoch zu Recht die Frage, was das für die Benutzer und seine zukünftige Möglichkeit auf ein breites Informationsangebot bedeutet, wenn nun noch eine Quelle mehr vom Medienmulti verschluckt wird. Bereits jetzt hat das Unternehmen bereits die Marken Wahrig, Chronik, Atlantica und Bertelsmannlexikon einverleibt. Derzeit ist der Verkauf noch unter Vorbehalt zustande gekommen, da das Vorhaben zunächst vom Kartellamt überprüft werden muss. Schließlich ist der Einwand berechtigt, dass der Bertelsmann Konzern nun eine Monopolstellung auf dem Markt der Lexikonliteratur erhalten könne.
Die Mitarbeiter von Brockhaus müssen sich außerdem auf Personalabbau einstellen. So wird der Standort Leipzig mit seiner dortigen Online- Redaktion aufgegeben. Betroffen sind davon 60 Arbeitsplätze, darunter 48 Festangestellte. Auch auf Mannheim werde der Verkauf Auswirkungen haben, Einzelheiten dazu sind jedoch bislang noch nicht bekannt. Mit diesem Vorhaben stößt Bertelsmann besonders bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf harte Kritik.


(c)BRockhaus