Petra Luisa Meyer hat die Parabel (1947 - 1957) von Max Frisch "Biedermann und die Brandstifter" neu inszeniert somit und ein zeitloses Thema provokativ und dramatisch neu in Szene gesetzt.
Das Drama ist ein Paradebeispiel für die politische Dummheit des Bürgers. Biedermann ist zu bequem und zu ängstlich, um gegen die Mächtigeren anzutreten, weil er große Angst vor den möglichen Konsequenzen hat.
Aus diesem Grund hat Max Frisch dem Buch auch den Untertitel „Lehrstück ohne Lehre“ gegeben. Am Anfang will Biedermann dem Hausierer Schmitz kein Asyl gewähren, doch erliegt er einer Kombination aus subtiler Gewaltandrohung und Schmeicheleien, mit denen der arbeitslose Schwergewichtsringer Schmitz Biedermanns Egoismus, sein Misstrauen und sein schlechtes Gewissen gekonnt für sich benutzt. Als dieser dann erst einmal Asyl hat, gibt er auch ganz offen zu, was er vorhat, und er erklärt Biedermann präzise seinen Plan. Doch in scheinbar naivem Idealismus, hinter dem sich Biedermanns Angst verbirgt, deutet er alle Vorbereitungen zur Brandstiftung als Scherze oder Mutproben und duldet sie. Was nicht sein darf, das wird auch nicht sein, denn ihm würde das nie passieren, dass jemand, den er so aufopfernd aufgenommen hat, in seinem Hause Feuer legen wird. Er hat die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen und will das Schreckliche nicht wahrhaben.
Max Frisch bringt damit etwas auf die Bühne, das erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts in die öffentliche Diskussion kommt: Die Identifikation der Opfer mit den Tätern, durch die sie für sich Überlebensmöglichkeiten kalkulieren.
Max Frisch stellt einen durchschnittlichen Bürger dar, der ein schlechtes Gewissen hat. Er möchte jedoch ein gutes haben, ohne dabei irgendetwas zu verändern. In diesem Dilemma ist Biedermann die ganze Zeit gefangen. Max Frisch nennt sein Buch „Ein Lehrstück ohne Lehre“. Er deckt in ihm Missstände auf und weist auf die Notwendigkeit einer Änderung hin, zeigt aber nicht selbst eine konkrete Lösung auf. Er überlässt diese den Lesern und fordert sie somit zum Nachdenken auf.
Vorführung im Düsseldorfer Schauspielhaus: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

