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noch bis 11. April im Düsseldorfer Theatermuseum

Marianne Hoppe - Eine deutsche Theaterlegende - "Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz"

"Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz" - so lautet der Titel einer Ausstellung, die der Schauspielerin Marianne Hoppe (1909-2002) gewidmet ist und noch bis 11. April im Düsseldorfer Theatermuseum gezeigt wird.

Marianne Hoppe stand über sieben Jahrzehnte auf allen namhaften deutschsprachigen Bühnen ihrer Zeit und prägte das deutsche Theater entscheidend mit.

Seit 1935 bestand die Arbeits- und später auch Lebensgemeinschaft mit dem aus Düsseldorf stammenden Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Gustaf Gründgens; sie gehörte von 1947 bis 1955 zu Gründgens' Düsseldorfer Ensemble und kehrte 1970 noch einmal für eine Hamlet-Produktion nach Düsseldorf zurück.

Im Jahr 1941 erhält die Schauspielerin Marianne Hoppe von ihrem Ehemann Gustaf Gründgens vor einer Premiere folgendes Telegramm: "Es ist wie beim Skat Stop Immer Trumpf spielen Stop Erst Schönheit dann Klugheit und dann das helle saubere Herz.

" Diese Worte benennen rückblickend die Etappen der persönlichen Entwicklung sowie die Steigerung der künstlerischen Ausdrucksfähigkeit von Marianne Hoppe.

"Erst Schönheit..."

Blutjung findet die theaterbegeisterte Gutsbesitzerstochter, die am 26. April 1909 im brandenburgischen Felsenhagen geboren wird, 1927 Aufnahme am Deutschen Theater in Berlin, wo sie in kleinen Rollen auftritt und den letzten Glanz des Regisseurs Max Reinhardt erlebt.

1930 wechselt sie an das Neue Theater in Frankfurt am Main, um alles spielen zu können, "was gut und teuer" ist, bis Otto Falckenberg das Talent 1932 an die Münchner Kammerspiele holt. Ihren ersten größeren Bühnenerfolg hat sie hier - neben Therese Giehse - als Piperkarcka in Hauptmanns "Ratten".

Innerhalb kurzer Zeit erobert sie auch das deutsche Filmpublikum in Filmen wie "Der Schimmelreiter" (1934), "Eine Frau ohne Bedeutung" (1936), "Der Schritt vom Wege" (1939) oder "Romanze in Moll" (1943). Parallel dazu ist sie von 1935 bis zur kriegsbedingten Schließung des Hauses im Jahr 1944 an den Preußischen Staatstheatern am Berliner Gendarmenmarkt engagiert, der ersten Bühne des Reichs.

Ihre Regisseure sind Lothar Müthel, Jürgen Fehling, Karl-Heinz Stroux - und Gustaf Gründgens, seit Februar 1934 Intendant des Theaters. Gründgens, den sie 1936 heiratet, hat als Regisseur den prägendsten Einfluss auf ihre künstlerische Entwicklung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es Marianne Hoppe erneut, sich in die erste Riege des deutschen Theaters zu spielen. Gründgens holt sie für die Rolle der Elektra in Sartres "Fliegen" 1947 nach Düsseldorf.

Sowohl während seiner Intendanz in Düsseldorf (1947-1955) als auch anschließend in Hamburg stehen die beiden in Stücken, die Gründgens inszeniert, gemeinsam auf der Bühne wie etwa in Goethes "Torquato Tasso" oder in T.S. Eliots "Die Cocktail Party". Die enge persönliche und berufliche Beziehung hat trotz der Scheidung des Paares im Mai 1946 bis zu Gründgens' Tod 1963 Bestand.

"...dann Klugheit..."

Seit Ende der 1940er-Jahre wendet sich Marianne Hoppe immer mehr den Dramen des psychologischen Realismus zu. Besonders in Stücken amerikanischer Autoren wie Tennessee Williams, Eugene O´Neill oder William Faulkner findet sie ein reiches Angebot an reiferen Charakterrollen.

Zu dem ungewöhnlich breiten Rollenspektrum der Schauspielerin zählen neben klassischen Rollen auch solche in den Dramen von Ionesco, Zuckmayer, Billetdoux, Genet, Anouilh, Dürrenmatt und Beckett.

Eine neue künstlerische Herausforderung bieten ihr im Alter die Stücke von Thomas Bernhard, dessen prägnante Sprache sie besonders fasziniert. Durch ihre Interpretation seiner gebrochenen Frauen in "Jagdgesellschaft" (1974), "Am Ziel" (1981) und "Heldenplatz" (1988) wird sie für Bernhard, mit dem sie bis zu seinem Tod auch freundschaftlich verbunden ist, das weibliche Pendant zu seiner "Altersmuse" Bernhard Minetti.

Und dass sie noch als 81-Jährige im Mai 1990 den Shakespeareschen Lear in der Inszenierung von Bob Wilson spielt, ist ebenfalls ein Zeichen ihrer nie versiegenden künstlerischen Experimentierlust.

"...und dann das helle saubere Herz."

Bis kurz vor ihrem Tod spielt Marianne Hoppe Theater: in Hamburg, München, Wien, Salzburg, Zürich, Frankfurt - und immer wieder in Berlin, wo sie hochbetagt am Berliner Ensemble noch in den 90er-Jahren in Stücken und unter der Regie von Heiner Müller und Werner Schroeter auf der Bühne steht.

Die Ausstellung des Deutschen Theatermuseums München, die 2009 anlässlich Hoppes 100. Geburtstags entstand und nun im Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf zu sehen ist, zeigt bisher unveröffentlichte Dokumente, Fotos, Korrespondenzen und Tagebuch-Aufzeichnungen, aber auch persönliche Dinge aus dem Nachlass der Künstlerin.

Ausschnitte aus filmischen Aufzeichnungen von Theaterinszenierungen, aus Spielfilmen und Interviews von und über Marianne Hoppe vermitteln einen faszinierenden Eindruck vom breiten künstlerischen Spektrum dieser Schauspielerin.

Die Hörstation "Porträt einer Stimme" macht anhand von Ausschnitten aus Lesungen nachvollziehbar, warum sie auch als eine der besten deutschen Vorleserinnen galt.

Das Begleitbuch zur Ausstellung - Marianne Hoppe: "Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz" (240 Seiten mit 183 Abb., Henschel Verlag, Euro 26,90) - ist an der Museumskasse erhältlich. Die Black Box des Filmmuseums präsentiert zur Ausstellung eine Reihe von Filmen mit der Schauspielerin.

Das Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, ist dienstags bis sonntags von 13 bis 20.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

www.duesseldorf.de