In einer einzigartigen Zusammenstellung hochkarätiger Gemälde und Arbeiten auf Papier zeigt das Sprengel Museum Hannover vom 29. März bis 19. Juli 2009 die Ausstellung „Marc, Macke und Delaunay. Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910 - 1914)“.
Die Ausstellung fokussiert eine kurze, aber intensive Lebensphase dreier Künstler im Vorfeld des Ersten Weltkrieges und zeichnet die verschiedenen Etappen der gegenseitigen künstlerischen Beeinflussung nach. In nur vier Jahren schufen Franz Marc (1880-1916) und August Macke (1887-1914), die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen, ihr künstlerisches Lebenswerk, Robert Delaunay (1885-1941) skizzierte in dieser Zeit die Hauptlinien seines weiteren Schaffens.
Franz Marc und August Macke begegneten sich erstmals 1910 in München. Macke sah einige Zeichnungen von Marc in der Galerie Brakl, war begeistert und besuchte ihn daraufhin in seinem Atelier. Diese erste Begegnung war der Beginn einer intensiven Künstlerfreundschaft. Im Oktober 1912 reisten sie zusammen nach Paris und trafen sich dort mit Delaunay, mit dessen Bildern die Freunde schon sehr vertraut waren. Die "Fensterbilder", die sie dort zum ersten Mal sahen, waren der Anstoß für eine rege Auseinandersetzung mit der Zersplitterung und Facettierung der Form sowie mit dem Simultankontrast.
Obwohl die persönlichen Beziehungen der drei Künstler unterschiedlich intensiv waren, da sie an wechselnden Orten lebten, Geldnöte die Reisemöglichkeiten beschränkten, Sprachbarrieren bestanden oder auch der Grad der gegenseitigen Sympathie schwankte, blieb das gemeinsame, verbindende Thema ihrer Kunst das Licht, seine Auffächerung und die damit verbundene Steigerung und Entfaltung der Farbenergie. Mit zunehmend differenzierteren, komplementären und simultanen Farbkontrasten erwirkten sie eine Vitalisierung des Bildes und eine Aktivierung des betrachtenden Auges, wobei jeder der drei Künstler trotz großer Sympathie für die Werke des jeweils anderen eine eigene Haltung und Handschrift entwickelte.
Robert Delaunay kann in der beschriebenen Konstellation als Vorbild und Impulsgeber gesehen werden. Er beschäftigte sich am nachhaltigsten und prägendsten mit dem Phänomen farbiger Facettierungen, für die Apollinaire die Bezeichnung `Orphismus´ einführte. Am Motiv der lichtbrechenden Fensterscheiben erprobte Delaunay die Spannung und Entspannung dissonanter und konsonanter, komplementärer und nichtkomplementärer Farben. In den "Fensterbildern", in denen Delaunay das simultane Sehen selbst zum Thema machte, verschwanden die realen Gegenstände fast gänzlich.
August Macke lernte Robert Delaunay 1912 in Paris kennen. Die Bewunderung für den Künstlerkollegen wurde jedoch schon viel früher durch ein Eiffelturm-Gemälde von 1910/11 geweckt, das im Almanach "Der Blaue Reiter" abgebildet war. Bereits aus der ersten Begegnung erwuchs nicht nur eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Männern und ihren Familien, sondern auch eine äußerst anregende und produktive Debatte über Kunstfragen, die sich in einem engagierten Briefwechsel niederschlug und gleich drei malerische Phasen bei Macke beeinflusste: die Schaufensterbilder, die abstrakten Bilder und die Farbkreise.
Zuvor hatte Macke seine Ansichten über die konstruktive und dynamische Wirkung der Farben vor allem in Gesprächen und Briefwechseln mit Franz Marc reflektiert. Aber auch Marc partizipierte an der neuen Freundschaft Mackes und entwickelte seinerseits in den berühmten Tierbildern die Farbakkorde, die als Zeichen für das Geistige der Dinge stehen.
Der Austausch der drei Protagonisten hätte kaum entstehen und auf solch produktive Weise verlaufen können ohne die Mitwirkung von zahlreichen Freunden, Bekannten, Kritikern und Sammlern - Mediatoren, die zwischen den Kunstrichtungen, aber auch den Nationen und Sprachen vermittelten. Zu nennen ist vor allem Sonia Delaunay, die durch ihre Herkunft die Sprach- und Kulturgrenze überwand, selbst vielfältige Kontakte pflegte und selbst eine anerkannte Künstlerin war. Aber auch Paul Klee, Wassily Kandinsky und die Mitglieder des Blauen Reiters; Frauen aus dem Umfeld der russischen Avantgarde wie Elisabeth Iwanowna Epstein, Alexandra Exter und Natalia Gontcharowa; Sammlerpersönlichkeiten wie Bernhard Koehler und Adolf Erbslöh. Diesen Vermittlern des Austauschs wird ein Teil der Ausstellung gewidmet sein, aber auch ausgewählten Vorläufern und Vorbildern wie etwa George Seurat, Pablo Picasso, Umberto Boccioni. Flankiert werden diese ausgesuchten Einzelwerke von richtungweisenden Frühwerken der drei Protagonisten aus den Jahren zwischen 1905 und 1910.
Die Ausstellung umfasst rund 90 Gemälde und rund 100 Aquarelle und Zeichnungen. Infos zur Ausstellung: www.marc-macke-delaunay.de
Ausstellungsort: Sprengelmuseum Hannover vom 29.3. bis 19.7.2009 www.sprengel-museum.de


Fanz Marc, Fuchs © Foto: Von der Heydt-Museum Wuppertal