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der künstlerische Einfluss des Orients in düsseldorf

Manufaktur Zsolnay: Ungarische Seele, orientalischer Glanz - Hetjens-Museum schlägt Brücke zwischen den europäischen Kulturhauptstädten

"Zsolnay - Ungarische Seele, orientalischer Glanz" - so lautet der Titel einer Ausstellung, die vom 27. Juni bis 12. September im Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, präsentiert wird.

Die Ausstellung zeigt die facettenreiche Blütezeit der berühmten ungarischen Keramikfabrik Zsolnay während des Historismus und Jugendstils. Das besondere Augenmerk liegt auf dem künstlerischen Einfluss des Orients, der den Nationalstil Ungarns entscheidend prägte.

Gezeigt wird ein breites Spektrum keramischer Erzeugnisse mit einer überraschenden Vielfalt an dekorativen Formen und Glasuren. Neben der Gefäßkeramik sind - erstmals in Deutschland - auch Beispiele baugebundener Keramik aus dem Kunstgewerbemuseum in Budapest zu sehen. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem Janus Pannonius Museum in Pécs.

Auszeichnung auf der Pariser Weltausstellung

Im Jahr 1865 übernahm Vilmos Zsolnay (1818-1900) die zwölf Jahre zuvor von seinem Vater Miklós (1800-1880) gegründete Keramikmanufaktur in Pécs (Fünfkirchen). Ungarn profitierte zu dieser Zeit von der politischen Zusammenführung mit Österreich.

Der allgemeine wirtschaftliche Erfolg und die damit einhergehende rasche industrielle Entwicklung begünstigten die ehrgeizigen Ziele des neuen Inhabers, der sogleich in die betriebswirtschaftliche wie technologische Entwicklung der Manufaktur investierte.

Die europäische Begeisterung für die mittel- und fernöstlichen Kulturen, die unter dem Begriff "Orientalismus" eine der wichtigsten Strömungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt, führte zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit dem Kunstgewerbe Persiens und der Türkei.

Nach der 150-jährigen Besetzung des Landes durch die Osmanen fanden sich in der ungarischen Volkskunst zahlreiche türkische und persische Motive, die vielerorts die Theorie untermauerten, die Ungarn seien vom Osten her in das Land eingewandert.

Ein besonderes Interesse zeigten die Töchter Teréz und Júlia Zsolnay, die bei dem Direktor des Wiener Museums für Kunst und Industrie, Jakob Falke, die vorderasiatische Sammlung studierten.

Formen und Motive verarbeiteten sie in Entwürfen, die in einer repräsentativen Auswahl in Düsseldorf zu sehen sind. Die nach diesen Vorlagen gefertigte Keramik zeigten sie mit großem Beifall und der Auszeichnung Grand Prix d'Or auf der Pariser Weltausstellung von 1878.

Das Studium des orientalischen Kunstgewerbes führte ihr Bruder Miklós Zsolnay fort, der auf seiner Nahost-Reise von 1887 bis 1888 Gefäße und Fliesen als Vorbilder sammelte. Seine Briefe und Aufzeichnungen sind ebenfalls im Hetjens-Museum ausgestellt.

1895 glückte der Manufaktur Pécs sogar die Erfindung einer Lüstertechnik, der so genannten Eosin-Glasur, mit der man den irisierenden Glanz orientalischer Keramik nachahmte.

Größte Keramikmanufaktur der k.u.k.-Monarchie

Die Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris bildete die internationale Bühne, auf der die Keramikfabrik aus Pécs als größte Keramikmanufaktur der k.u.k.-Monarchie mit ihren künstlerischen Erzeugnissen großen Zuspruch erhielt. Das Warenangebot umfasste Baukeramik, Haushaltskeramik, technische und dekorative Keramik.

Die Suche nach einem nationalen Stil Ungarns spiegelte sich auch in der Baukeramik wider, die bereits 1895 den Hauptanteil der Produktion der Keramikfabrik Zsolnay bildete.

In Kooperation mit dem Architekten Ödön Lechner, dem Gründer der nationalen Schule der Jugendstil-Architektur, entwickelte die Manufaktur keramische Bauelemente, die auch orientalische Motive aufnahmen.

Eines der bekanntesten und richtungweisenden Beispiele für diese Art der Architektur stellt das reich verzierte Gebäude des Kunstgewerbemuseums in Budapest dar. Das international bekannte Museum stellt zu diesem Thema ausgewählte Leihgaben für die Düsseldorfer Schau zur Verfügung.

Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum der Landeshauptstadt NRW schlägt mit der Präsentation von rund 150 Zsolnay-Keramiken aus Pécs und Budapest sowie einer Auswahl an islamischer Keramik aus eigenem Bestand thematisch eine prachtvolle Brücke zwischen den europäischen Kulturhauptstädten Pécs und Istanbul.

Einen Höhepunkt der Ausstellung bilden zudem die weltweit von Kennern geschätzten Jugendstilgefäße der Manufaktur Zsolnay, wie beispielsweise die charakteristischen roten Tulpengefäße oder ein prächtiger Granatapfelpokal.

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