„Der Holzfäller und der Kirschbaum, Kindern erzählt man Märchen, damit sie einschlafen. Erwachsenen erzählt man Märchen, damit sie aufwachen“. Ein Märchenspiel für Jugendliche und junge Erwachsene. ISBN: 9 783842365186 Aufführungsrecht: „mein-theaterverlag“, D-41849 Wassenberg.
Der Autor und Dramatiker Avramidis hat ein Märchenspiel mit kindlichen Bildern geschaffen, das von der inhaltlichen Handlung sowie textlich für junge Erwachsene geschrieben wurde. Es handelt sich bei diesem Werk um ein Kunstmärchen, welches auf dem mythischen Stoff der Volksmärchen aufbaut.
Es reflektiert in kindlicher Darstellung die Probleme einer modernen Konsumgesellschaft. Die zentrale Botschaft des Werkes heißt: weniger Gier, ein nachhaltiger Umgang mit der Natur und ein tolerantes Miteinander unter den Menschen! „Teilen“ bedeutet nicht sein letztes Hemd geben, sondern seiner Verantwortung in der Gesellschaft gerecht werden!
Aus dem Autorenvorwort:
Die Psychologie der Märchen, die Dramen im Inneren der Seelen.
Das archetypische Material von Märchen, Mythen und von Träumen sind stets Abbilder des menschlichen, unbewussten Seelenlebens.
Daher können Märchen für uns trotz ihrer zweckdienlichen Abwandlung des mythischen Urstoffs hilfreich sein, ein archetypisches Wissen zu erschließen, sofern man sich auf den ihnen innewohnenden Mythos besinnt und sich seine funktionalen Eigenheiten ins Bewusstsein ruft.
Das Märchen steht dabei im Dienste des Menschen, indem es dessen Wünsche und Ängste sowie ihre imaginäre Erfüllung und Problemlösung zum Ausdruck bringt. Es dient dazu, mit seinen stets befriedigenden Lösungen die Unzulänglichkeiten des Alltags zu kompensieren.
Dieses Märchenspiel reflektiert auf märchenhafte Art und Weise, die gesellschaftlichen sowie sozialen Probleme mit denen junge Menschen konfrontiert werden.
Hierzu zählen in erster Linie die Umweltzerstörungen, ob durch Unfälle in Atom-kraftwerken, wie in Tschernobyl oder jüngst in Japan, oder der Klimawandel und die daraus resultierenden globalen ökonomischen oder politischen Konflikte.
Ebenso werden Jugendliche durch die Nachrichten mit der nicht endenwollenden Gier von Börsenspekulanten konfrontiert bei der sich ganz wenige auf Kosten vieler in egoistischer Manier bereichern und somit einen kollektiven Egoismus fördern. Diese Probleme belasten heranwachsende auf einer unbewussten Ebene, ohne dafür in sich selbst eine Lösung zu finden.
Durch die Massenmedien werden Jugendlichen suggeriert, dass das Leben nur dann lebenswert ist, wenn man reich und schön ist, einfacher ausgedrückt, wenn man nur auf materieller Ebene erfolgreich ist.
Was ist Liebe? Ist es das Vorleben der Medienstars, die sich heute verheiraten und Morgen wieder scheiden lassen? Tritt hier nicht ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit ein?
Zerrüttelte Familienverhältnisse, übermäßiger Alkoholkonsum und zunehmende Depressionen sind dafür der äußere Ausdruck. Völlig übersehen wird dabei, das Heranwachsende sich mit dieser vorgegebenen Fassade verwechseln, viele jung Menschen identifizieren sich dabei mit ihren aufgesetzten Masken.
Sehr deutlich wird dies mit der zunehmenden plastischen Chirurgie im Dienste der kosmetischen Verschönerung. Wer viele Helden und Idole hat, projiziert deren Eigenschaften auf sich selbst und muss letztlich aussehen wie jene.
Vielwichtiger als ander Menschen zu kopieren und sich dabei selbst zu verlieren, ist es, ein Vorbild zu finden, das einem den eigenen Weg eröffnet, indem man diese Qualitäten in sich selbst entwickelt.
Die Reflexion der Wirklichkeit im Märchen: Wenn alle Figuren des Märchens in sich selbst zu finden sind, handelt es sich um Selbsterkenntnis, die zur Selbst- oder Eigenliebe führt (keine narzisstische Selbstverliebtheit) und somit zur eigenen Schöpfung der Lösung von Problemen.
Dazu gehört, den Mut zu haben, zu sich zu stehen und authentisch zu werden. In diesem Märchen wird von der „wahren Liebe“ gesprochen. Diese Liebe macht schön und erlaubt erst die Liebe zu anderen sowie zur gesamten Schöpfung.
Die Liebe ist ein kreativer Akt der Seele, was also bedeutet, kreativ die Liebe aus dem Inneren schöpfen, anstatt sie allein im Äußeren zu suchen.
Die Protagonisten in diesem Märchenspiel bestehen aus einem sprechenden Baum und dessen menschlichem Pendant dem Holzfäller, einen Fürsten und dessen Diener, einem Dichter, einem Kesselflicker, einem Kindermädchen, dem sprechenden Mond und dem sprechenden Wind. Die Handlung spielt überwiegend in einem Wald.
Der Baum ist ein tiefenpsychologisches, uraltes archetypisches Symbol des Lebens. Bei fast allen Völkern hat der Baum im kollektiven Unterbewusstsein die Bedeutung des Lebensbaumes. Noch heute ist es vielen Orts üblich, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen, da das Leben aus der Mutter hervorgeht.
Der Wald an sich ist tiefenpsychologisch das Symbol des eigenen Unbewussten. In Märchen hat er noch den Charakter des geheimnisvollen aber auch der Ängste und dennoch liegen viele Lösungen von Problemen im dunklen des Unterbewusstseins.
In diesem Märchenspiel symbolisiert der sprechende Baum, die Lebensgrundlage im kollektiven Sinn, unsere Umwelt. Ihm gegenüber steht der Holzfäller. In dieser Figur soll keineswegs eine Wertung des Berufes liegen, sondern vielmehr das Verkörpern, was über das Streben der natürlichen Bedürfnisse des Menschen hinaus ragt und sich in der Gier manifestiert.
Wie so oft in der Wirklichkeit steht die Gier des Menschen in einem konträren Verhältnis zum Wachstum des Lebens. Durch die täglichen Hiobsbotschaften in den Massenmedien werden Kinder und Jugendliche mit dem Raubbau an unserer gemeinsamen Lebensgrundlage, der Umwelt und die daraus resultierenden Naturkatastrophen konfrontiert, deren Ursachen in kapitalen Gewinnmaximierungen liegen.
Auch in diesem Märchen hat der Holzfäller (die Gier) einen Herren, den Fürsten (der Schein). Aus der analytischen Psychologie nach C.G. Jung kennen wir den Begriff der „Persona“, die Maske, die unser wahres Selbst verbirgt, um uns so erscheinen zu lassen, wie wir oder unseres soziales Umfeld uns gerne sehen möchte.
Auch in der Wirklichkeit ist diese Maske des Seinwollens oft der Herr der menschlichen Gier und der damit verbundene Rücksichtslosigkeit. So wie jeder Herr auch im Besitz eines Dieners ist, tritt auch in diesem Märchenspiel ein Diener auf, der das Opportune in einem jeden Menschen symbolisiert.
Es ist das „Ja-Sagen“ zum Eigennutz, das zerstörerisch auf die zwischenmenschliche Kommunikation wirkt und zum „Aneinander vorbei reden“ führt. Das verträumte Element in uns, das von Gerechtigkeit träumt, tritt in diesem Märchenspiel als Dichter auf, die schöpferische Kraft. Es ist das moralische Gewissen.
Klara das Kindermädchen, die naive kindliche Seite in uns, deren bestreben es ist nach Glückseligkeit zu suchen und dennoch im Zwiespalt, dessen ist, ob das Glück im Materiellen, symbolisiert durch einen in goldgekleideten Märchenprinzen oder in der immateriellen wahren Liebe zu finden ist.
Das Einfache, die Bescheidenheit des Menschen, die dem materiellen Erfolg in der Wirklichkeit im Weg steht, kommt hier durch einen einfachen, schmutzigen Handwerksberuf, durch den Kesselflicker zum Ausdruck.
Das Bescheidene in uns wird durch die „Persona, der Maske“ des Sein-wollens und dem Erscheinen bekämpft sowie entwertet. Dennoch findet das naive nach Glück-strebende in uns (Klara das Kindermädchen) über das Einfache der Bescheidenheit in uns (Felix der Kesselflicker) die Vollendung des Glückes auf nicht materieller Ebene, der wahren Liebe.
Die wahre Liebe, die sich durch keine Gewinnmaximierungen, äußerem Schein sowie Zerstörungskraft erkaufen lässt.
Die Zusammenführung dieser beiden Seelenanteile (die Polarität zwischen Mann und Frau) übernimmt der weise Mond.
In der Tiefenpsychologie wie auch in der Philosophie begegnet uns der Mond schon bei dem antiken Philosphen Platon, der in seinem Werk „Das Gastmahl“ von drei Geschlechtern redet.
Dem Männlichen, das der Sonne zugerechnet wird, das Weibliche das der Erde zugerechnet wird sowie dem dritten Geschlecht, dem androgynen (Zweigeschlechtlichen) das dem Mond, dem Sitz der Seelen und der damit verbundenen Einheit zugerechnet wird.
Die Bedeutungslosigkeit des menschlichen Macht- und Besitzstrebens wird in diesem Märchenspiel durch die Urgewalt des sprechenden Windes, der höheren moralischen Instanz, des höheren Selbst symbolisiert, die mahnend und bereinigend Auftritt, damit der Mensch wieder alle Seelenanteile in sich friedlich vereint, damit ein tolerantes Zusammenleben in gegenseitigem Wohlwollen stattfinden kann.
Mehr:
Michalis Avramidis - Eine Exkursion durch die Philosophiegeschichte
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A.Geisel
Michalis Avramidis
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