Pyramiden, Kolosse, Türme und Tempel: Noch nach Jahrtausenden künden sie vom Reichtum und technischen Können ihrer Erbauer. Auch wenn (fast alle) Monumente längst Geschichte sind.
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Männlich, muskulös, monumental: Direkt über der Hafeneinfahrt erhebt er sich in all seiner Pracht. In den Händen hält der Koloss hoch aufloderndes Feuer – und weit darunter segeln Schiffe zwischen seinen Beinen hindurch ... Stopp! Stellen Sie sich das Weltwunder so vor?
Hat man Ihnen bei einem Rhodos-Urlaub erzählt, dass die Statue genau dort stand, wo sich heute die Einfahrt zum malerischen Mandraki-Hafen befindet? Nun, diese Theorie hat einen Schönheitsfehler: Sie stimmt nicht.
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Der Eindruck ist beachtlich. Vor den Besucheraugen steht, neben den nicht minder beeindruckenden Pyramiden seiner Nachfolger Chephren (um 2570–2530 v. Chr.) und Mykerinos (um 2530– 2510 v. Chr.), das einzige noch erhaltene antike Weltwunder: circa 138 Meter hoch, 230 Meter lang und 4500 Jahre alt. Ein technischer Geniestreich aus 2,5 Millionen aufeinandergeschichteten Kalksteinblöcken, von denen jeder einzelne im Durchschnitt 2,5 Tonnen auf die Waage bringt.
Und noch immer, trotz Jahrtausende währenden Steinraubs, trotz fehlender Spitze und obwohl das Monument nicht mehr wie ursprünglich einsam über die Wüste strahlt – trotzdem verschlägt es einem beim Anblick dieses Steinkolosses den Atem.
Doch die Stimmung schlägt um, als man das Plateau erreicht: Lärmend überfallen Souvenirhändler, Kameltreiber und Pferdevermieter mit ihren Angeboten die Touristen, während ägyptische Schulkinder ihre Englischkenntnisse an den Mann bringen, und zwar alle gleichzeitig. Erschreckt suchen sie Zuflucht im Innern der Pyramide, doch dort ist es noch schlimmer: Mindestens 50 Menschen drängen sich schwitzend und schwatzend durch den niedrigen Gang hinauf in die Grabkammer.
Das kann sich der alte Cheops so nicht gedacht haben, schießt es einem durch den Kopf. Und gleich darauf wird man von entgegenkommenden Besuchern unsanft gegen den hölzernen Handlauf gedrückt, der den Aufstieg zur Grabkammer erleichtern soll.
Als um 2600 v. Chr. die Bauleute des Pharaos an diesem Ort den ersten Stein verlegten, war die Gegend noch unbewohnt. 45 Kilometer südlich der Baustelle standen einsam die Pyramiden der Vorväter in den Wüsten von Saqqara und Dahschur. Hier gab es nichts, außer einem gigantischen, natürlich gewachsenen Felsplateau, das sich majestätisch aus dem Wüstensand erhob. Ein stiller, erhabener Ort.
Wie geschaffen für ein Monument, das eindrucksvoller werden sollte als alle Bauwerke vor und nach ihm: ein über mehrere Kilometer weit sichtbares Symbol der königlichen Macht, das selbst dem Tod noch zu trotzen schien.
(andersseitig.de)
Johannes Krüger
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