Die 16. Internationalen Schillertage vom 2. bis 10. Juni 2011 sind ein Sprachen- und Spartengrenzen überschreitendes Festival im wahrsten Sinne.
Sie sind ein Fest der Begegnung und Auseinandersetzung, ein Raum des Feierns und des Austauschs zwischen Künstlern und Besuchern, Professionellen und Studierenden, Theoretikern und Praktikern, Mannheim und der Welt.
Das Motto der diesjährigen Schillertage lautet Macht Geschichte! Gedanklicher Ausgangspunkt des diesjährigen Festivals ist Schiller als Geschichtsschreiber und Geschichtsphilosoph.
Denn der Dramatiker Schiller war stets auch Historiker - immer wieder behandelte er das Verhältnis des Einzelnen zur Geschichte, die Freiheit des Subjekts und die Verantwortung gegenüber dem historischen Augenblick. Er erforschte Umbruchssituationen, historische Schwellen, an denen das handelnde Subjekt steht und taumelnd in einen Abgrund blickt.
Die 16. Internationalen Schillertage gehen mit Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland und der Welt auf die Suche nach der eigenen Geschichte, den großen historischen Linien, individuellen wie gemeinschaftlichen Handlungsspielräumen und dem Wie des Geschichtemachens.
Eröffnet werden die 16. Internationalen Schillertage am 2. Juni mit der Eigenproduktion Don Karlos in der Regie von Georg Schmiedleitner, der am Nationaltheater bereits Maria Stuart, Die Jungfrau von Orleans und zuletzt Ibsens Peer Gynt inszenierte.
Gastspiele renommierter Häuser wie dem Staatsschauspiel Dresden (Don Carlos), Maxim Gorki Theater Berlin (Der Geisterseher), Schauspiel Frankfurt (Maria Stuart), Ballhaus Naunystraße Berlin (Verrücktes Blut) und dem Düsseldorfer Schauspielhaus (Kabale und Liebe) sowie die internationalen Gastspiele Rainha[(s)] – Duas atrizes em busca de um coração (DSE) aus Brasilien, Die Räuber (Theater Basel) und das Schiller-Balladen-Projekt aus Österreich erwarten die Besucher während der neun Tage des Festivals, die jeden Abend mit den legendären Partys und Konzerten der Schill-Outs ausklingen.
Von Disco Polka Gypsy über Pop Rock Elektro, Punk, Indie, Chansons, Folk Rock und Ska sollte für jeden Geschmack etwas bei den Schill-Outs dabei sein.
Bereits zum dritten Mal sind die Internationalen Schillertage auch produzierendes Festival. So wird in diesem Jahr der flämische Theatermacher und bildende Künstler Jan Lauwers und sein Ensemble Needcompany im Auftrag der 16. Internationalen Schillertage mit The House of Our Fathers die Neuversion einer performativen Installation in der Kunsthalle Mannheim realisieren, in deren Zentrum die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und dem Museumsraum steht.
Der Schweizer Künstler Massimo Furlan, der mit seiner Performance Furlan/Numero 23 internationale Aufmerksamkeit erlangte und dessen Arbeiten auf Festivals wie Theater der Welt, Wiener Festwochen und Festival d´Avignon zu sehen waren, wird zusammen mit Claire de Ribaupierre die Uraufführung Schiller Thriller(UA) inszenieren.
Bei dem Projekt X-Wohnungen verlassen Künstler aus den Bereichen Theater, Performance, Bildender Kunst, Film, Architektur und Musik ihr gewohntes Terrain und begeben sich in Mannheimer Privatwohnungen in drei unterschiedlichen Mannheimer Stadtvierteln.
In enger Verbindung mit den Räumen und Alltagsstrukturen, mit den Bewohnern und ihren Geschichten entstehen drei verschiedene Parcours von Kurz-Inszenierungen und Rauminstallationen. Die Zuschauer entscheiden sich für ein Stadtviertel und begeben sich zu zweit auf den Weg.
Künstler, Mannheimer und Zuschauer bauen sich aus vielen einzelnen Geschichten ein Bild der Stadt und ihrer Bewohner zusammen, das auf spielerische Weise eintaucht in die kulturelle, soziale und religiöse Vielfalt Mannheims. X Wohnungen wurde bereits mit großem Erfolg durchgeführt in Städten wie Berlin, Istanbul, São Paulo, Wien, Warschau und Johannesburg.
Auch mit dem Projekt Ohne Anweisung. Ein Sprechstück mit Zuschauern(UA) begeben sich die Schillertage direkt in die Stadt Mannheim hinein: Seit 2010 sammelt das Nationaltheater Eindrücke und Erinnerungen seiner Besucher und hält diese auf Tonband fest.
Diese Recherche führen Julia Krause und Jens Heitjohann fort und fragen Besucher und Bürger sowie Mitarbeiter und Wegbegleiter des Mannheimer Nationaltheaters nach ihren Erinnerungen an und mit Friedrich Schiller
Das so gewonnene Material dient als Ausgangspunkt für eine szenische Befragung des Theaters, seiner Produzenten und Besucher, seiner zeitgenössischen Idee und seinem utopischen Moment.
Unter der Leitung von Lisa Massetti nimmt die Jugendtheatergruppe Creative Factory im Gemeinschaftszentrum Jungbusch erneut mit einer aktuellen Übertragung von klassischen Schillerwerken an den Schillertagen teil: mit Rumoren (UA) haben sie sich mit der Frage auseinandergesetzt, was Jugendliche von heute mit Schillers historischen Räuberfiguren zu tun hat.
Dabei werden Themen wie Freiheit, Gerechtigkeit, Recht, Unrecht, Macht, Liebe, Moral angesprochen und in hoch aktuelles Geschehen übersetzt.
Cupola Bobber sind die beiden Performer und bildenden Künstler Tyler Myers und Stephen Fiehn.
In ihrer Auftragsarbeit The Field, the Mantel (UA) stolpernzwei Männer blind durch ein unüberschaubares Archiv von Erinnerungsstücken und historischen Dokumenten. Sie entpacken und erträumen Geschichte, werden zu Buffalo Bill, dem ersten Menschen auf dem Mond, treffen Malcolm X und schreiben die universale Enzyklopädie.
Das Theater von Cupola Bobber ist eine traurig-schöne Mischung aus absurder Komik, exzessiven Bewegungsabläufen und einer fantastischen Bilderwelt, die mit ganz einfachen Mitteln auf der Bühne entfaltet wird.
Das SWR2-Forum, in diesem Jahr mit dem Thema Achtung Helden!, eröffnet am 3. Juni seine Reihe in der Kunsthalle Mannheim mit dem Thema: Auf ewig Johanna – Welche Rolle hat die Heldin.
Die Diskussionsreihe Utopie-Station, eine Veranstaltungsreihe des Nationaltheaters in Kooperation mit dem Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen und der Heinrich-Böll-Stiftung (Bundesstiftung und Landesstiftung Baden-Württemberg)widmet sich im Rahmen der Schillertage dem Thema Ästhetische Bildung: Erziehung zur Freiheit – Schiller, Bloch und der Traum vom selbstbestimmten Lernen.
Aus Anlass der 16. Internationalen Schillertage hat das Kurzfilmfestival Zum Goldenen Hirsch ein Programm zusammengestellt, das sich besonders schräg oder merkwürdig mit dem Thema Geschichte auseinandersetzt. Der Schiller Hirsch wird in der Alten Feuerwache zu sehen sein.
Und letztlich als traditionellen Teil der Schillertage gibt es wieder ein Stipendiatenprogramm, das dem Theaternachwuchs die Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit Schiller gibt.
Für Festivalbesucher, die während der ereignisreichen Tage und auch danach mobil bleiben wollen, gibt es 80 Fahrräder im Schiller-Outfit, die in Kooperation mit Biotopia gestaltet und am letzten Tag versteigert werden.
Die 16. Internationalen Schillertage werden ermöglicht und gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie die Stadt Mannheim.
Kontakt
Sandra Strahonja
Pressereferentin Oper und Schauspiel
Nationaltheater Mannheim
Mozartstr. 9
68161 Mannheim
Tel: 0621 - 16 80 444
Fax: 0621 - 16 80 443

