Der schottische General Macbeth kehrt siegreich aus einer Schlacht zurück – ein loyaler, aufrechter Diener des Königs und ein Held in der Schlacht. Das Blut an seinem Schwert ist noch nicht trocken, als ihm verkündet wird, dass er dereinst König werden soll. Ein Wink des Schicksals? Angetrieben von seiner ehrgeizigen Frau und den Verheißungen von Macht nimmt Macbeth seine Zukunft in die eigene Hand: Er ermordet den regierenden König Duncan.
Zunächst scheint sich der Schicksalsspruch zu bewahrheiten: Macbeth wird König, aber immer neue Morde sind vonnöten, um seine Stellung zu sichern. Er bezahlt schließlich mit seinem Untergang. Sein Gewissen lässt ihm keine Ruhe: er stürzt in Wahnvorstellungen, die Geister der Vergangenheit verfolgen ihn Tag und Nacht.
Seine Frau, innerlich zerrissen, wird in den Selbstmord getrieben. Der Strudel aus Gewalt und Schuld reißt ihn mit sich und überrollt ihn schließlich.
Gier nach Macht, Verrat und Heimtücke sind die Themen dieser düsteren und bis zuletzt spannenden Shakespeare-Tragödie über den blutigen Aufstieg und Fall eines Mannes, dessen Gewalttaten immer weitere Gewalttaten hervorrufen.
David Mouchtar-Samorai ist sowohl als Schauspiel- als auch als Opernregisseur tätig. Er inszenierte u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Nationaltheater Mannheim, an der Oper Frankfurt, der Staatsoper Hannover, der Semperoper Dresden, am Theater Bonn und am Theater Bremen.
Seine Inszenierungen wurden mehrfach ausgezeichnet und zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden führte er u.a. bei ‚Nora‘ von Henrik Ibsen, ‚Antonius und Cleopatra‘ von William Shakespeare, Ulrich Hubs Uraufführung ‚Remind me to forget‘, ‚Der einsame Weg‘ von Arthur Schnitzler, Christoph Willibald Glucks ‚Orpheus und Eurydike‘, der Uraufführung ‚Purcells Traum von König Arthus‘ von Henry Purcell/Tankred Dorst und Robert Schumanns ‚Das Paradies und die Peri‘ Regie.
Von William Shakespeare
Deutsch von Dorothea Tieck
David Mouchta-Samorai durfte den leider selten für Schauspielabende freigemachten Haupt- und Staatstempel des Großen Hauses zur Spielzeit eröffnen. Er hat da schon Tankred Dorst uraufgeführt, nun macht er Shakespeare und versucht, eben nicht die Psycho-, Politik- oder Erotik-Karte zu ziehen.
Kein Blut, keine Requisiten, dezente Bühnenmusik (Ernst August Klötzke). Man hätte es sich denken können, denn wenn das Publikum den Saal betritt, sind nur die Linien eines offen Gevierts als Bühnenbild (Christoph Rasche) zu sehen: Alles ist offen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2010
Regisseur David Mouchtar-Samorai beginnt seine Inszenierung des gleichnamigen Shakespeare-Dramas in Wiesbadens Großem Haus im Stile eines Kammerspiels. (…) Das funktioniert und fokussiert das Geschehen auf Macbeth: (…) die Hauptsache spielt sich im Kopf ab. Das vermag auch Macbeth-Darsteller Michael Günther zu transportieren.
Wiesbadener Kurier/Tagblatt, 20.09.2010
Ein Würfel aus leeren Rahmen in der Bühnenmitte, offen nach allen Seiten. Mehr Kulisse gibt Christoph Rasche dem ersten Teil der Shakespeare-Tragödie ‚Macbeth‘ im Staatstheater Wiesbaden nicht. Später, nachdem Macbeth um der Macht Willen König Duncan und Banquo meuchelte, verengen bühnenhohe Quader den Raum.
Ein kalter Ort nirgendwo und überall, in dem die Trennung zwischen Außenwelt und Innenleben aufgehoben ist. Hier kann jeder alles sein. Eben dieser Mensch, gleich ein anderer, gar Hexe oder vom schlechten Gewissen heraufbeschworener Albtraum.
Die Rollenwechsel sind fließend in David Mouchtar-Samorais stark reduzierter Inszenierung des Klassikers von 1606. Das kann nicht anders sein bei nur sieben Mitspielern auf die rund 30 Figuren entfallen. Doch Sparsamkeit ist kaum der Grund fürs schmale Personaltableau. Die Regie baut vielmehr auf die Durchlässigkeit der Figuren und Sinnesebenen.
Dem Machtgierigen Königswürde und Unbesiegbarkeit weissagende Hexen sind gruselige Mär und zugleich Metapher auf die Verblendung realen Ehrgeizes. Geister, die in vieler Leute Köpfe rumoren. Dass Mouchtar-Samorai mit der spartanischen Besetzung Shakespeares eigener Theaterpraxis folgt, sei nur am Rande vermerkt.
Reduktion ist ein Wesensmerkmal der Inszenierung, dazu passt Konzentration auf Sprache. Benutzt wird die Tieck-Übersetzung von 1833, und zwar getreulich, ohne aktualisierende Eingriffe in Wortwahl oder Sprachgestus. Allerdings kommen Körpermikrofone zum Einsatz, die es selbst im riesigen Saal des großen Wiesbadener Hauses erlauben, die altertümliche Sprechweise von deklamatorischem Druck freizuhalten.
Der technische Einfluss bleibt aber so dezent wie die ganze Inszenierung bei den äußeren Mitteln zurückhaltend – ausgenommen die Fülle der Kostümwechsel. Jede Rolle notwendig anders ausstaffiert, die Hauptfiguren obendrein gemäß ihrer Entwicklung im Stück je neu eingekleidet.
Macbeth etwa erst in der Uniform des Obristen, dann im Politikeranzug, schließlich im Smoking des Herrschenden. Urte Eicker ließ schneidern, was zu Adenauers Zeit üblich war. Das Stück wird so aus der fernen Vergangenheit näher herangeholt, ohne jedoch seinen schon bei Shakespeare rückblickenden Charakter aufzugeben.
Nebenfiguren lässt Mouchtar-Samorai nach Shakespear'scher Manier teils deftig und skurril aufspielen. Im Zentrum fein gearbeitet sind Michael Günthers Macbeth und die zur schändlichen Mordtat anstachelnde Lady von Verena Güntner.
Sie tut das fast nach Art eines hingebungsvoll den schwächlichen Gatten umsorgenden Eheweibes, das die eigene Machtlust zu verbergen weiß. Passend dazu lässt Günther seinen Macbeth zwischen schier kindlichem Habenwollen der Herrschaft und der Ängstlichkeit eines verschreckten Gemütsmenschen in den Wahnsinn treiben. ‚Macbeth‘ in Wiesbaden:
Ein sehenswerter Abend, der Shakespeare ernst nimmt und als unprätentiöses kleines Bühnenspiel eine große Parabel skizziert – vom Unglück, das der durch Selbstsucht, Verblendete über die Welt und das eigene Dasein bringt.
Rhein Zeitung Koblenz, 21.09.2010
| Inszenierung | David Mouchtar-Samorai |
| Bühne | Christoph Rasche |
| Kostüme | Urte Eicker |
| Musik | Ernst August Klötzke |
| Dramaturgie | Dagmar Borrmann |
| Mit: | |
| Macbeth / 2. Mörder Lady Macduffs | Michael Günther |
| Lady Macbeth / Donalbain / Lady Macduff | Verena Güntner |
| Duncan / 2. Hexe / Lenox / Alter A / Arzt / Alter Siward / Bote bei Lady Macduff | Franz Nagler |
| Banquo / 1. Mörder Lady Macduffs / Alter (2. Teil) / Kammerfrau / 1. Hexe (5. Akt) / Bote (5. Akt) | Uwe Kraus |
| Rosse / 3. Hexe / Pförtner / Alber B / Seyton | Rainer Kühn |
| Malcolm / Angus / 1. Bote / 2. Mörder Banquos / Diener (5. Akt) / Junger Siward | Florian Thunemann |
| Macduff / 1. Hexe / 1. Mörder Banquos / Diener (5. Akt) | Michael Birnbaum |
Großes Haus
Freitag, den 26.11.2010, 19.30 UhrMittwoch, den 08.12.2010, 19.30 UhrDonnerstag, den 16.12.2010, 19.30 Uhr
Aufführungsdauer: 2 Stunden 40 Minuten. Eine Pause.
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