Das erste Literaturfest Salzburg 2008 hat bewiesen, dass die Literatur vielleicht zwar die stillste der Künste ist, nicht aber die unbeachtetste: Das haben mehr als 3.000 Besucherinnen und Besucher an fünf Programmtagen bei 32 Programmpunkten bewiesen.„Nach dem eindrucksvollen Erfolg im vergangenen Jahr, bei dem die Literaturfreunde aus Salzburg und Umgebung in ebenso heiterer wie nachdenklicher Stimmung und in großer Zahl die Literatur zu einem Ereignis haben werden lassen, wird es auch heuer Anfang Juni eine bunte Vielfalt glanzvoller Namen geben, mit der sich das ganze Spektrum der unterschiedlichsten Möglichkeiten der zeitgenössischen Literatur erkunden lässt“, so Jochen Jung, Veranstalter des Literaturfest Salzburg.„2009 wird in Salzburg ein Jahr der Literatur. Das ab nun jährliche, von Stadt und Land unterstützte Literaturfest ist ein integraler Bestandteil dessen und wird mit Sicherheit dazu beitragen, Salzburg als Stadt der Literatur noch stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern“, meint LHStv. David Brenner. „Das Literaturfest ist eine Salzburger Neuheit, die sich durch ihren letztjährigen Erfolg einen ‚erlesenen’ Platz im Kulturleben der Stadt verdient hat. Durch dieses Fest wird Literatur von allen Beteiligten als spannend inszenierte Erfahrung erlebt, indem die Schreibenden den Zuhörenden in interessanter Umgebung vorlesen“, betont Bürgermeister Heinz Schaden.Auch Inga Horny, Geschäftsführerin der Altstadt Salzburg Marketing GmbH und engagierte Unterstützerin des Festivals von Anfang an freut sich, dass die Altstadt wieder Hauptschauplatz des Festivals ist. „Das Literaturfest ist eine schöne und interessante Ergänzung des Salzburger Festivalreigens, das den Frühsommer in Salzburg kulturell bereichert. Nebenbei ist es eine Stütze, ein Impulsgeber und Nährboden für viele themenverwandte Branchen wie Theater, Medien, Bibliotheken oder Buchhändler.“Die thematischen Titel wie Sprach:Spiel, Sprach:Leben oder Sprach:Musik fungieren auch im heurigen Festival als Klammer für ein Tagesthema. Der Eröffnungsabend am 3. Juni unter dem Titel SPRACH:SPIEL präsentiert fünf Autorinnen und Autoren, die es verstehen, aus einer Lesung ein inspirierendes Bühnenereignis zu machen: Nora Gomringer, Thomas Kapielski, Pedro Lenz, Christine Nöstlinger und Margit Schreiner. Der Donnerstag, 4. Juni, bringt die erste Neuerung: nach dem vormittäglichen Kinder- und Jugendprogramm mit Christine Nöstlinger, die nach längerer Abwesenheit wieder nach Salzburg kommt und aus ihrem neuen Kinderbuch „Pudding Pauli rührt um“ lesen wird, eröffnet die Schiene SPRACH:GENUSS: Die Mittagsstunde wird an drei Tagen Gelegenheit geben, jeweils zwei AutorInnen aus der Salzburger Literaturszene kennenzulernen und dabei einen kleinen Imbiss zu genießen. Die Orte sind dabei ebenso originell wie die Texte: eine Kaffeerösterei, die Grafische Werkstatt Traklhaus und der Terrassensalon der Residenzgalerie laden ein u. a. Fritz Egger, Christoph Janacs und Rosa Pock zu genießen. Am Nachmittag des 4. Juni wird Daniel Glattauer, einer der erfolgreichsten österreichischen Autoren seine beiden e-mail-Romane vorführen und zeigen, wie aus einem neuen Kommunikationsmittel überraschende Möglichkeiten für die Literatur zu gewinnen sind. Glattauer wird zweimal im DAS KINO lesen: Um 16 Uhr aus „Gut gegen Nordwind“ und um 17 Uhr aus „Alle sieben Wellen“ – dafür gibt es erstmals ein Kombiticket.Das Jahr 1989 war für ganz Europa nicht nur eine politische, sondern auch eine kulturelle Wende. Eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Jens Jessen (DIE ZEIT) bringt Adolf Endler, Peter Nádas und Sibylle Lewitscharoff in ein Gespräch über Ursachen und Konsequenzen. Zuvor wird Sibylle Lewitscharoff aus ihrem Erfolgsroman „Apostoloff“ lesen, der soeben mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde.Mit SPRACH:LEBEN ist der Freitagnachmittag übertitelt und gilt zwei überraschenden Debuts: Cecilia Maria Barbetta und Verena Roßbacher werden aus ihren Romanen lesen und zeigen, mit wie viel Frische und Phantasie gerade die jungen Autorinnen für neuen Wind in der Literatur sorgen. Dieser Debütantinnen-Nachmittag findet in Kooperation mit dem Bibliothekarsverband Salzburg und der Salzburger Erwachsenenbildung statt.
Zwei große Abendveranstaltungen zeigen, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise, wie sich Literatur auf höchst inspirierende Weise mit Musik verbindet: Wolfram Berger wird am Freitag zusammen mit Toni Burger eine Tour de Force bieten, in der das Komische und der bittere Ernst sich als die beiden Seiten der Gründungsurkunde der österreichischen Literatur erweisen. Das Spektrum reicht dabei von Grillparzer bis zu Artmann, Qualtinger und Jelinek.
Alfred Brendel, pensionierter Klaviermeister und höchst lebendiger Lyriker, wird Samstag Abend in der Universitäts-Aula zusammen mit drei Musikern – darunter sein Sohn Adrian Brendel – auf seine Art zeigen, dass ein langes Leben mit der Musik einem nicht die Sprache verschlägt, sondern Witz und Einsicht aufs Heiterste zusammenbringen kann.
Die ehemalige Produktionshalle der Salzburger Druckerei in der Bergstraße 12 wird Samstag Nachmittag ab 15 Uhr Schauplatz der „Ilias“. Raoul Schrott hat die „Ilias“ neu und erfrischend übersetzt und wird das Drama um Troja lesend und erzählend noch einmal Wirklichkeit werden lassen.
Eine Ausstellung mit Dokumenten und Fotos zum Werk und zur Person Ilse Aichingers, von der auch die Texte für die Schaufensterbeklebungen „SPRACH:ZEICHEN“ stammen, wird von 18. Mai bis 11. Juli in der Universitätsbibliothek zu sehen sein; in der Bibliotheksaula wird es dazu eine Lesung ihrer Texte durch sechs Autoren geben, und in der Altstadt wird man ihre Stimme sowie die von Artmann, Bachmann, Bernhard, Handke uns Stefan Zweig im Festspielbezirk als O-Ton hören können.
Den Abschluss wird auch heuer SPRACH:MUSIK, eine Matinee mit drei Lyrikerinnen, machen: Ann Cotten, Uljana Wolf und Nico Bleutge werden Gedichte lesen, mit denen die Sprache zeigt, was sie drauf hat und was in ihr drin steckt. David Frühwirth wird dazu die musikalische Umrahmung und Durchdringung bieten.
Veranstalter ist der Verein Literaturfest Salzburg. Für die Programmgestaltung zeichnen Jochen Jung, Christa Gürtler, und Klaus Seufer-Wasserthal verantwortlich, für die organisatorische Umsetzung wieder Susanne Tiefenbacher.
Die Hauptfinanzierung des Festes erfolgt von Stadt und Land Salzburg, dem Bund und dem Tourismusverband Salzburger Altstadt/Altstadt Verband. Einen einmaligen Sonderzuschuss leistet der Tourismus Förderungs Fonds von LHStv. Wilfrid Haslauer. Die Kooperationspartner erleichtern die Abwicklung durch Unterstützung mit kostenlosen Sachleistungen, für Sponsoren war und ist es heuer etwas spärlicher.
Die Eintritte zu den Veranstaltungen bewegen sich wieder im sehr moderaten Rahmen. Die Eröffnungsveranstaltung „SPRACH:SPIEL“, das Kinder- und Jugendprogramm und viele kleinere Veranstaltungen sind kostenlos. Der Festivalpass für sechs Veranstaltungen wird ebenfalls wieder aufgelegt.
Infos zum Programm unter: www.literaturfest-salzburg.at


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