Eine Frau und ein Mann aus dem Kommunikationsbusiness schreiben sich verliebte E-Mails. Es geht um Geschäftliches und Geschlechtliches. Sie will mehr von ihm wissen. Er zögert. Sie drängt ihn. Als er das schockierende Geheimnis seines Lebens preisgibt, schreibt sie nie wieder zurück. Das Stück des hoch gelobten englischen Nachwuchsautors Dennis Kelly erzählt eine moderne Liebestragödie vor dem Horizont einer durch den Kapitalismus aus den Fugen geratenen, kalten Welt. Einer Welt, in der das Geld sich wie ein Geschwür in die Herzen der Menschen frisst und ihre Beziehungen vergiftet. In der Konkurrenz und Einsamkeit herrschen und die Panik vor dem sozialen Absturz. Die Figuren sind in ihrem Innersten verunsichert und getrieben von der Angst, wertlos, also nicht liebenswert zu sein. Der Gott, an den sie sich klammern, damit er ihnen Anerkennung verschaffe, ist das Geld.
Nur Jess will sich nicht damit abfinden, dass alles bloß Zufall wäre und Kampf um materielle Güter. Sie sucht nach Sinn, nach dem, was die Menschen ausmacht in ihrem Kern. Und sie glaubt an die Liebe, an ihre Liebe zu David. Eine Liebe, die so groß ist und so stark, dass nichts sie erschüttern könnte, meint Jess. Trotzdem endet ihre Ehe in der Katastrophe, das ist die traurige und berührende Geschichte des Stücks. Es geht also um die großen Fragen. Dennis Kelly nähert sich ihnen aber nicht moralisch schwerfällig, sondern entwirft ein oszillierendes Mosaik von Szenen: lebensnah, poetisch, mit überraschenden Wendungen und auch komischen Momenten.
„Mit einem glänzenden Ensemble und mit gepfeffertem Einsatz von Videos erzählt Hirn von einer alten Wahrheit: Geld korrumpiert! Stark sind die Figuren und die Dialoge, die dem Publikum sehr nahe kommen.“
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)
„Besonders eindringlich sind jedoch die Momente der Stille, der Nachdenklichkeit. Wenn die Protagonisten sich der Schuldfrage stellen oder das Ensemble an der Rampe - an einen griechischen Chor erinnernd - über die Möglichkeit des Überlebens in einer durchmaterialisierten Welt philosophiert.“
(Ruhr Nachrichten)
Infos unter: www.schauspielhausbochum.de am 20. und 25.3.2009

