Unsere Gegenwart gefällt sich darin, Zukunft als Katastrophe zu denken, in Kino, Wissenschaft und Literatur. Eva Horn geht der Geschichte und den Motiven dieses modernen Katastrophenbewusstseins nach. Herausgekommen ist ein aufregendes und lesenswertes Essay über das Thema "Weltuntergang".
Die studierte Germanistin Eva Horn legt dabei die biopolitischen Konflikte frei, die in den Untergangsszenarien – von der Verdunklung des Globus über den Atomtod bis zum Klimawandel – ausgetragen werden. Sie zeigt aber auch, wie in den Rufen nach Sicherheit und Prävention Fiktionen wirksam sind, die man als solche begreifen und analysieren muss. Die künftige Katastrophe zu entziffern bedeutet nämlich immer, eine Geschichte schon zu Ende zu erzählen, die sich erst noch ereignen soll.
Lesung von Eva Horn
"Man kann sich geradezu verlieren in der Vielfalt der Beispiele, die Zukunft als Katastrophe dem Leser vorführt. Sie alle eint ihr alarmistisches Potenzial, ihr pessimistischer Ausblick auf das Humane im Angesicht des Endes. Seien sie aus aufklärerischen Motiven entstanden oder schierer Ausdruck von Todessehnsucht. Natürlich steckt in jeder apokalyptischen Naherwartung der narzisstische Glaube, die eigene Epoche könnte die letzte sein. Doch ist der letzte Blick zurück auf den "Schrottwert der Zivilisation" auch der Blick des künftigen Melancholikers: Das wird es einmal alles gegeben haben. In der fernen, grammatischen Form des Futur II liegt noch immer der größte Trost." (David Hugendick, Zeit Online, 21. Juli 2014)
Eva Horn im Lenbachhaus München
Eva Horn, geboren 1965 in Frankfurt am Main, studierte Germanistik, Allgemeine Literaturwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Bielefeld, Konstanz und Paris. Nach der Promotion unterrichtete sie an den Universitäten Konstanz und Frankfurt/Oder sowie an der New York University. Nach der Habilitation war sie Professorin am Deutschen Seminar der Universität Basel und ist gegenwärtig Professorin am Institut für Germanistik der Universität Wien. Im S.Fischer Verlag sind zuletzt erschienen ›Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion‹ (2007) sowie ›zukunft als Katastrophe‹ (2014).
Di, 7. Juli, 19 Uhr >> EVA HORN: ZUKUNFT ALS KATASTROPHE, Lesung mit anschließendem Gespräch
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33, 80333 München


Im Rahmen der Ausstellung im Rahmen von FACTS & FICTION. Katastrophenbilder und Zukunftsszenarien findet am 7. Juli eine Lesung von Eva Horn im im Lenbachhaus statt. Bild: Gabriel S Moses, WAVE STUDY no.11, 2013/ Lenbachhaus