Müßiggang ist aller Laster Anfang. – Was die Leute nicht Alles ausLangeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten ausLangeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich ausLangeweile und sterben endlich an der Langeweile und– und das ist derHumor davon – Alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merkenwarum, und meinen Gott weiß was dabei. Alle diese Helden, diese Genies,diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder, diese Familienvätersind im Grunde nichts als raffinierte Müßiggänger.
Müßiggang grassiert im Königreich Popo. Leonce, Kronprinz von Popo, zählt Sandkörner und übt, auf Steine zu spucken, während sein Vater, König Peter von Popo, über dem Philosophieren die Staatsgeschäfte vergisst. Erst die angeordnete Hochzeit zwischen Leonce und der ihm unbekannten Prinzessin Lena vom Nachbarstaat Pipi bringt Leben in den Ministaat und lässt den Prinzen mit seinem Freund und Seelenverwandten Valerio nach Italien fliehen. Auf der Flucht trifft er eine schöne Unbekannte: Prinzessin Lena, die ebenfalls vor der Hochzeit geflüchtet ist. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf und beschließen zu heiraten. Verkleidet kehren sie nach Hause zurück und merken erst nach der Trauung, dass sie genau in dem Leben gelandet sind, vor dem sie zu fliehen versuchten.
Der Revolutionär Georg Büchner, der wegen seiner Flugschrift „Der Hessische Landbote“ steckbrieflich gesucht wurde und mit nur 23 Jahren im Exil starb, hat mit „Leonce und Lena“ nicht nur eine heitere Satire auf romantische Vorstellungen geschrieben, sondern auch einen zynischen Kommentar zu den
Verhältnissen seiner Zeit: Der Absolutismus hat sich selber überlebt, das deutsche Kaiserreich zerfällt in zahlreiche Kleinstaaten, die adlige Schicht vertreibt sich die Langeweile, während das Volk Hunger leidet. „Ich glaube man muss die abgelebte moderne Gesellschaft zum Teufel gehen lassen“, schreibt er an seinen Freund und Verleger Karl Gutzkow.
Doch die Revolution ist gescheitert und eine Veränderung der Verhältnisse nicht in Sicht. Dieser Situation zwischen Stagnation, Utopieverlust und Perspektivlosigkeit verpasst Büchner die heitere Maske des „Lustspiels“, wie er das Stück nennt. Die Gesellschaft befindet sich im Kreisverkehr, einen Ausweg gibt es nicht, und die kommende Generation macht auch nichts besser ... Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!
Sabine Auf der Heyde war Regieassistentin am Deutschen Theater, vor allem bei Jürgen Gosch, und inszenierte dort auch ihre ersten eigenen Arbeiten.
Besetzung
Bühne Ann Heine
Kostüme Johanna Pfau
Musik Jacob Suske
DramaturgieFelicitas Zürcher
Thomas Braungardt (Leonce), Stefko Hanushevsky (Valerio), Ahmad Mesgarha (König Peter von Popo), Helga Werner (Hofmeister), Matthias Luckey (Rosetta), Mila Dargies (Lena), Karina Plachetka (Gouvernante)
Premiere am 19.2.2010
Weitere Aufführungen bis zum 5.3.2010
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