Zwei Königinnen im Kampf um die Krone und die Liebe eines Mannes: Elisabetta, Königin von England, hält Maria Stuarda, Königin von
Schottland, gefangen. Elisabettas Vertrauter, Lord Cecil, empfindet die allseits verehrte Maria als Gefahr für das Reich und verlangt ihre Hinrichtung.
Elisabetta selbst zerfrisst die Eifersucht, da die Liebe des Grafen Leicester Maria gilt und nicht ihr. Dennoch zögert sie, das Todesurteil zu unterschreiben. Bei einem Zusammentreffen kommt es zum Eklat.
Durch Demütigungen Elisabettas provoziert, bricht es aus Maria heraus: „Unreine Tochter der Bolena, du sprichst von Ehrlosigkeit? Unwürdige Dirne, ich schäme mich für dich! Entweiht ist der englische Thron, abscheulicher Bastard, durch dich!”. Leicester versucht noch einmal für Maria zu bitten, ihr Schicksal aber ist besiegelt, Elisabetta unterschreibt das Todesurteil. Gefasst geht Maria zum Schafott.
Auf Friedrich Schillers Trauerspiel Maria Stuart basiert dieses Aufeinandertreffen der beiden Königinnen, die sich in Wahrheit nie gesehen
haben. Gaetano Donizetti (1797–1848) interessierte sich bei seiner 1835 am Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführten Maria Stuarda vor allem für die persönlichen Konflikte der beiden Herrscherinnen, weniger für die politischen Dimensionen der Vorlage. Er schuf ein Kammerspiel rund um die Konfrontation zweier liebender Frauen und zugleich zwei der reizvollsten Rollen des Belcanto-Fachs.
Für die Regie zeichnet Olivier Tambosi verantwortlich, der zurzeit auch mit seiner schwungvollen Neuinszenierung von Emmerich Kalmans "Gräfin Mariza" auf der Bühne des Großen Hauses präsent ist.
Die Vorlage für Donizettis Belcanto-Werk liefert Friedrich Schillers Drama "Maria Stuart", das für die Oper von 21 auf 6 handelnde Personen reduziert wurde. Für Olivier Tambosi, der 2006 "Lucia di Lammermoor" in Linz inszenierte, bekommt im Belcanto "die weibliche Seele Flügel und versucht aus einer unerträglichen Realität davonzufliegen". Dies betreffe beide "Königinnen" im Werk gleichermaßen: Maria Stuarda als Gefangene von Elisabetta und Elisabetta als Gefangene ihrer eigenen Situation. In Bernhard Rehns kühlem, nicht-organischen "Einheitsraum", begegnen sich die beiden Frauen nicht nur als Gegenpole und Antipoden, sondern auch als zwei Seiten derselben Medaille. Elisabetta als die pflichtbewusste, jungfräuliche Königin, die ihr privates Glück und Bedürfnisse der Führung ihres Volkes unterordnet und Maria, die Gefühlsethikerin, die alles auslebt. Was Dennis Russell Davies (Chefdirigent des Bruckner Orchesters und musikalischer Leiter der Produktion) beeindruckt ist "die Einfachheit aber Raffinesse der Musik". Donizettis Komposition sei "virtuos, da geht die Post wirklich ab".
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