Gesellschaft Freunde der Künste

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Samstag, 07.11.2009, 16.00 Uhr

Kunststück des Monats - Edgar Schmandt: Haus der Hexe (1966)

Kunstgespräch mit Anne Rittig
In den 60er Jahren versenkt sich Edgar Schmandt in die Welt der Symbole. Er reist nach Island und England und studiert die archaischen Zeichen der nordischen Mythologie. Die Bedeutung der Runenschrift und Symbole des Werdens, Seins und Vergehens. In seinem Mannheimer Atelier baut er den gesammelten Formenschatz - Sonnenräder, Spiralen und Mäander - schließlich zu verschlüsselten Motiven zusammen.

 Auf mehreren Leinwänden lässt er zeitlose Zeichen über düstere Malgründe wandern. Geheimnisvolle Bilder entstehen, die er im Mai 1966 schließlich auch in der Mannheimer Kunsthalle zeigt.

„Die Themen der Bilder Schmandts zeigen, daß sie einer sehr eigentümlichen Vorstellungswelt entstammen", schreibt Heinz Fuchs in einem Katalog über die 54 Ölbilder, die er den Mannheimern präsentiert. Der damalige Kunsthallendirektor will Schmandt, der zehn Jahre zuvor aus Berlin in die Quadratestadt gekommen ist, fördern. Er schätzt die Arbeit des Künstlers und schreibt sehr wohlwollend über ihn.

 Eines jedoch verbirgt er dabei nicht: Schmandts Symbole sind Fuchs irgendwie suspekt. „Die Deutschen hatten eine Diktatur erlebt, die archaische Zeichen diskreditierte", erinnert sich Schmandt heute. 21 Jahre nachdem das Hakenkreuz - ein von den Nazis umgedeutetes, archaisches Glückssymbol - von den Fahnenstangen verschwunden war, tut man sich in Deutschland noch schwer mit symbolhaften Darstellungen.

Das bekommt auch Schmandt zu spüren, als ihn ein Radiojournalist in seiner Ausstellungsbesprechung als „faschistischen Künstler" bezeichnet. Der überzeugte Pazifist ist am Boden zerstört. „Ich konnte wochenlang nach diesem Beitrag nicht malen", erinnert er sich heute.


Sein Bild „Haus der Hexe" aus dem Jahr 1966 kauft die Kunsthalle gleich nach der Ausstellung an. Mehr als 40 Jahre nach seiner Entstehung ist es für den Künstler immer noch aktuell. Es geht für ihn um die „Wiederkehr von den immer selben Sehnsüchten, Hoffnungen und Wahrnehmungen".

 In seiner Ausstellungsbesprechung von 1966 schreibt der „Mannheimer Morgen": „In seinen Bildern stellt der Künstler halb gegenständlich, halb phantastisch die Tragödie unserer Zivilisation dar: die Bedrohung der Menschen durch die entfesselte technische Welt, durch seine geistige Bindungslosigkeit."
Edgar Schmandt malt in dieser Zeit Symbole des Konflikts, Zeichen nordischer Kulturen in der Auseinandersetzung mit Darstellungen des Christentums.

 Die Symbole haben für ihn einen doppelten Reiz: Wegen ihrer zeitlosen Formschönheit und ihres Deutungshintergrunds, den Schmandt aber nicht als Dogma verstehen will. „Es ging damals um eine neue Freiheit der Formen und Farben", erinnert sich der heute 80-Jährige, der nach wie vor in Mannheim lebt. Schmandt mischt Farben wie Grün und Blau mit Schwarz und trägt alles lasierend auf einem hellen Grund auf, der an manchen Stellen des Bildes durchscheint.

 Damit schafft er eine Darstellung ohne Perspektive. Ein flächiges Bild, auf dem die Symbole zu schweben scheinen. „Ich wollte, dass es keine Grenzen gibt", sagt Schmandt - ähnlich dachten in den 60er Jahren auch die Künstler des Informel, in deren Tradition er sich sieht. „Ich wollte zeigen, dass man eine Welt nicht in ein Gefüge pressen kann, für das sie nicht angelegt ist." Für ihn könne das „Haus der Hexe" unendlich weitergehen. Das Bild sei nur ein Ausschnitt - und nicht beendet.

Annika Wind

Mit dem „Kunst-Stück des Monats“ stellt der „Mannheimer Morgen“ Werke aus der Sammlung vor. Weitere Informationen zum Künstler: www.morgenweb.de/go/kultur

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Foto:Edgar Schmandt: Haus der Hexe (1966)