Der Preis der Kunsthalle Wien ergeht jährlich an eine/n AbsolventIn der Universität für angewandte Kunst Wien (Institut für Bildende und Mediale Kunst). Den diesjährigen Preis erhält Corina Vetsch (*1973) für ihren Bilderzyklus Zur Eutopie im Blasendiagramm. Zudem empfahl die Jury, die skulpturale Arbeit Ohne Titel von Sophie Hirsch (*1986) gleichfalls auszustellen. Die Arbeiten beider Künstlerinnen weisen inhaltliche Parallelen auf und ergänzen sich zugleich formal im Ausstellungskontext.
Corina Vetsch beschäftigte sich während ihres Studiums immer wieder mit Fragen nach ihrer Zukunft als Künstlerin in einer stark ökonomisch orientierten Gesellschaft sowie mit dem Themenbereich Arbeit, Lebensgestaltung, Wirtschaft, Zeit … im Allgemeinen. Ihre mehrteilige Serie mittel- und großformatiger Papier- und Leinwandarbeiten (Mischtechnik und Collage) handelt von Möglichkeiten, Ideen und Visionen der Gestaltung lebenswerter Bedingungen im privaten, urbanen, sozialen und öffentlichen Feld. Corina Vetsch bedient sich hierzu unterschiedlicher Möglichkeiten der Visualisierung von Daten und ihren Zusammenhängen (Dia- und Piktogramme, Tabellen, Datenbäume etc.), kombiniert sie mit Bild- und Textausschnitten von Printmedien, mit eigenen Zeichnungen und Malereien, um auf diese
Weise eigenwillige Bild- und Text-Welten zu generieren, die zwischen Wissenschaft, Philosophie, persönlichem Tagebuch, Fantasy, Comic und Popkultur changieren. Dabei kommt das „Ich“ der ihre Wünsche und Visionen
äußernden Künstlerin ebenso zur Sprache wie eine Vielzahl anderer Stimmen, das Poetische ebenso wie das Statistische, das Utopische wie das Humoristisch-Groteske … Ihre Bildhintergründe bestehen zumeist aus „Minimal-
Landschaften“, aus Himmel und Erde, um, wie die Künstlerin sagt, „dem Möglichen einen Ort zu geben“.
Corina Vetsch spricht mit dieser Arbeit wesentliche Fragen und Probleme unserer Zeit und Zivilisation an. Dabei scheint sie zunächst vorbehaltlos zuzulassen, was ein Potenzial von Veränderung verheißen kann. Der von ihr zitierte Satz des Astrophysikers Robert Goddard könnte wie ein „Motto“ über ihrer Bilderreihe stehen: „Es ist schwer zu sagen, was unmöglich ist, denn der Traum von gestern ist die Hoffnung von heute und die Wirklichkeit von morgen.“
KUNSTHALLE wien, Preis der Kunsthalle Wien 2011, November 2011
Sophie Hirschs skulpturale Installation Ohne Titel besteht aus gebrauchten Plastikfolien, die zur Entsorgung vorgesehen waren. Sie fertigte mit diesem Material ein großformatiges Objekt aus geflochtenen Schnüren, Seilen und
Tauen, das den skulpturalen Raum definiert, indem es durch eine gegen die Wand gerichtete Konstruktion in Balance gehalten wird. Die Künstlerin schärft mit dieser Arbeit zugleich den Blick dafür, „wie formalästhetische und soziopolitische ökologische Fragestellungen sich im künstlerischen Prozess gegenseitig durchdringen können. Die Präsentation im Raum erzeugt gleichzeitig eine körperliche Wucht. […]. Die räumliche Präsenz der Skulptur bildet ein spannendes Gegenüber zur Malerei von Corina Vetsch. Obwohl hier ebenfalls dringliche politische und ökologische Themen anklingen, werden von Sophie Hirsch andere ästhetische Mittel angewendet, um das komplexe Spektrum gegenwärtiger künstlerischer Praxis aufzuzeigen.“ (Ursula Maria Probst)
Der 2002 ins Leben gerufene Preis der Kunsthalle Wien ergeht seither jährlich an AbsolventInnen der Universität für angewandte Kunst Wien. Eine mehrköpfige Jury unter dem Vorsitz von Rektor Gerald Bast ermittelt aus den am
Institut für Bildende und Mediale Kunst positiv begutachteten Diplomarbeiten den oder die PreisträgerIn. Neben einem Preisgeld erhalten die jeweiligen Preisträger eine Ausstellung im project space der Kunsthalle Wien, die von
einem von der Universität für angewandte Kunst herausgegebenen Katalog begleitet wird.
Rahmenprogramm
Freitag, 16. Dezember 2007, 19.00 Uhr, project space: Künstlergespräch mit Statements von Katharina Kronsteiner (GWÖ-Referentin/Beraterin) und Gerald Nestler (Künstler und Forscher) zur Gemeinwohlökonomie, Kunst und
„Econociety“ mit Publikumsdiskussion. Moderation: Lucas Gehrmann, Kunsthalle Wien.
Corina Vetsch, geboren 1973 in St. Gallen/CH, lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte an der Universität für Angewandte Kunst Wien Malerei bei Prof. Johanna Kandl. Seit 2006 Ausstellungsbeteiligungen u. a. in A und D,
zuletzt z.B.: Akademie-Galerie, Nürnberg; Künstlerhaus Wien; Galerie .Z, Hard (2010), Akademie der Künste, Vilnius; Kunsthalle Wien project space (2009).
Sophie Hirsch, geboren 1986 in Wien, lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte 2004-06 an der School of the Art Institute of Chicago und 2006-11 an der Universität für Angewandte Kunst Wien bei Prof. Erwin Wurm. Seit 2007
Ausstellungsbeteiligungen u. a. in A und D, zuletzt z.B..: Galerie beim Engel, Luxembourg (2011); Stadtmuseum St. Pölten (2010); das weisse haus, Wien (2009).
Zusatzinfos
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Pressekontakt:
Katharina Murschetz
+43-1-52189-1221
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