Mit welchem Text die Kunsthalle Wien für ihre Ausstellung wirbt:
Porno, sagt man, ist das, womit und wobei wir uns nicht erwischen lassen wollen. Und doch ist Porno überall. Pornografie infiltriert den Mainstream und boomt in den Nischen. Sie findet sich im Alltag, im Pop und in der Kunst. Die "Pornetration" durchflutet die Medien, die in ihrem voyeuristischen Charakter und ihrer Gier nach Zeichen von Erregung selbst latent pornografisch agieren – immer auf der Suche nach Tabus, die es auszureizen, zu brechen und zugleich doch zu erhalten gilt.
Im Windschatten des trüben Glamours der Porno-Oscars mobilisieren sich in letzter Zeit "postpornografische" Gegenbilder zu Sexismus und heteronormativen Nummernrevuen, während KünstlerInnen das Verhältnis von Macht, Blick und Körper mit Bezug auf pornografische Szenarien untersuchen. The Porn Identity konfrontiert diesen Wildwuchs der Pornografie mit Laufbildern, Skulpturen und Installationen, die das sexuelle Begehren reflektieren. Der Transfer der schamlosen Bilder in den kunstinstitutionellen Raum durchbricht nicht nur den pornotypischen Zusammenhang von marktorientierter Veröffentlichung und reprivatisiertem Konsum, sondern stellt auch die Frage nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Kunst und der visuellen Kultur der Stimulation.
Versprechungen nicht eingelöst
Während das Museum ankündigt, dass in der Ausstellung das "sexuelle Begehren" reflektiert werde und "KünstlerInnen das Verhältnis von Macht, Blick und Körper mit Bezug auf pornografische Szenarien untersuchen" würden, bemängeln KritikerInnen der Ausstellung, dass genau diese Refexion fehle. So heißt es etwa im Art-Kunstmagazin, dass es am künstlerischen Beitrag von heterosexuellen Frauen zum Thema Porno ermageln würde, denn "wenn hier Gegenbilder, "postpornografische" Ansätze vorkommen, geht es meistens um schwule oder lesbische Varianten." Und dann stellt sich außerdem die Frage, ob diese Varianten wiederum tatsächlich homosexuellen Fantasien entsprechen oder nicht doch eine Übertragung von patriarchalen Männerfantasien auf Lesben und Schwule sind.
Porno = Kunst, Gewalt oder Erotik?
Wenn es in der Ausstellung somit tatsächlich an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Pornografie fehlt, dann ist es um so dringlicher, sich als BesucherIn vorab damit auseinanderzusetzten, was denn der Begriff Pornografie eigentlich bezeichnet. Ist Pornografie tatsächlich nur die "direkte Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualakts", wie es bei Wikipedia harmlos formuliert ist oder erkennen wir sie vielmehr "an der Verknüpfung von sexueller Lust mit der Lust an Erniedrigung und Gewalt - und zwar für Täter wie Opfer", wie Alice Schwarzer den Begriff definiert? Aus diesem Blickwinkel ist Pornografie nämlich "das Gegenteil von Erotik, bei der es keine Hierarchie gibt", führt Schwarzer weiter aus. Bei einer verantwortungsvollen Ausstellungskonzeption sollte das eigentlich auch aus dem Inhalt hervorgehen.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Wien ist ab 18 Jahren und dauert bis zum 1. Juni 2009.

