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Kunst zur Wahr(nehm)ung der Menschenrechte

Kunsthalle Mannheim: „Landscape of Transformation“ imposante Großinstallationen der tschechische Künstlerin Magdalena Jetelová

In einer Zeit, in der Kunst vor allem als zuverlässige Kapitalanlage an Bedeutung gewinnt, setzt die tschechische Bildhauerin Magdalena Jetelová (*1946) auf grundlegende Werte. Eigens für die Kunsthalle Mannheim entwickelte die international renommierte Künstlerin mit ihrer neuesten Arbeit „Landscape of Transformation“ eine interaktive Großinstallation zum Thema Menschenrechte.

Bis zur Ausstellungseröffnung, am 16. Juli 2010, entsteht in der Kunsthalle Mannheim auf einer Ausstellungsfläche von 800qm und über mehrere Räume hinweg, eine anregende, dramaturgisch durchkomponierte, multimediale Wahrnehmungslandschaft. Ein Erfahrungsraum, der die Ausstellungsbesucher aktiv einbindet und dazu auffordert eigene Wahrnehmungsmuster zu überprüfen.

Für Jetelová steht bei dem Mannheimer Ausstellungsprojekt „primär das Verhältnis zwischen Recht und Ungerechtigkeit im Zentrum, mit dem man von Kindheit an konfrontiert wird und das sich auch im Verhältnis von Recht und Moral widerspiegelt.“

Um das abstrakte Thema der „Menschenrechte“ in den Kunstkontext zu überführen arbeitet die Künstlerin auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen und spricht mit „Landscape of Transformation“ verschiedene Sinne ihrer Ausstellungsbesucher an.

So setzt sie beispielsweise Schwarzlichteffekte ein um Informationen sichtbar zu machen oder verschwinden zu lassen und kleidet einen Ausstellungsraum komplett mit dynamischen Spiegelflächen aus. Sobald die Besucher sich den Spiegeln nähern vibrieren diese und verzerren die Selbst- und Raumwahrnehmung des Betrachters.

So werden gängige Orientierungsmuster beim Ausstellungsbesucher außer Kraft gesetzt.

Durch Kunstgriffe wie Verfremdung überlistet Jetelová unsere Wahrnehmung, die durch die permanente Flut medialer Schreckensbilder längst abgestumpft ist. Beispielsweise werden über Lautsprecher Kinderstimmen in einen Ausstellungsraum eingespielt, die Nachrichten aktueller Menschenrechtsverletzungen von Amnesty International lesen.

Die Irritation zwischen Form und Inhalt führt dazu, dass die Besucher aufhorchen und gängige Verdrängungsmechanismen nicht mehr funktionieren. „Landscape of Transformation„ ist ein Appell an das Bewusstsein des Betrachters:

„Es geht mir primär um den Moment des Vergessens, der durch die steigende Rasanz, die Gleichgültigkeit, die Vertuschung der Geschichte und die Gewöhnung an Schreckensbilder erzeugt wird. Was insgesamt betrachtet heute schon fast zu einer Unterhaltung wird“, so Jetelová.

Jetelová, als Bildhauerin eine der wenigen weiblichen Größen der internationalen Kunstszene, kam Mitte der 80er Jahre nach Deutschland. Unter Verwendung immer neuer Materialen und Ausdrucksformen entwickelte sie den Begriff der zeitgenössischen Plastik in ihrem Werk kontinuierlich weiter.

Aus der Zeit der anfänglich eher gegenständlichen Formensprache der Künstlerin sind insbesondere ihre aus den Fugen geratenen Stuhlmonumente im öffentlichen Raum bekannt.

Seit den 90er Jahren machte die Künstlerin mit außergewöhnlichen Raum- und Wahrnehmungstransformationen auf sich aufmerksam. Spektakulär beispielsweise die Ausstellung Domestication of Pyramides, bei der sie das MAK in Wien bis an die Decke mit einer Pyramide aus roter Erde auffüllte.

In der jüngsten Vergangenheit wird Jetelovás Schaffen zunehmend abstrakter. Die Verwendung von Lichteffekten und Schriftelementen kennzeichnen ihre neusten Arbeiten.

Das Mannheimer Projekt wird nicht nur ein neuer Meilenstein im Werk von Magdalena Jetelová, es kann auch als mehrdeutiges Statement einer hoch engagierten Konzeptkünstlerin unserer Tage gelesen werden.

Informationen zur Ausstellung:

Ausstellungseröffnung:

Freitag, 16. Juli 19.30 Uhr

Laufzeit der Ausstellung:

17. Juli bis 10. Oktober

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog:

Landscape of Transformation

Magdalena Jetelová

Hg. Ulrike Lorenz

Mit Beiträgen von Susanne Altmann, Boris Groys, Thomas Köllhofer und Ulrike Lorenz

deutsch/englisch, gebunden

Preis ca. 30 €

ISBN 978-3-86832-030-5

Wienand Verlag, Juli 2010    

Ausstellungen:

Fremde Heimat. Kunst in Baden-Württemberg

28.03.2010 bis 20.06.2010

Kunst bewegt

17.04.2010 bis 2012

Arche Noah. Tierplastiken von Philipp Harth

17.04.2010 bis 05.09.2010

Birgit Scheidecker
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