Gesellschaft Freunde der Künste

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vom 18. März bis zum 23. April 2011

Kunst/Kultur - HALLELUJA … ein Fotoprojekt von Sabine Kress im Kunstverein Viernheim

Halleluja, ein Projekt der Mannheimer Fotografin Sabine Kress hat sich in eine Welt begeben, die gern verleugnet wird, über die man nicht spricht oder wenn, dann hinter vorgehaltener Hand. Aber trotzdem ist es da, das älteste Gewerbe der Welt.

In Kress’ Arbeiten gewinnt es an Profil – weil nicht zu sehen ist, was man gemeinhin erwarten würde. Nur selten sind Gesichter zu sehen, so war es abgesprochen mit den Beteiligten, nie sind die Sex-Kontakte, die eigentliche Arbeit im Bild.

Stattdessen erzählen die Arbeiten, die von Audio-Statements der Frauen ergänzt werden, vom ganz normalen Alltag der Sexworkerinnen, vom Warten auf Freier, von Hygiene und der Hoffnung, daraus ausbrechen zu können. “Halleluja” ist vom 18. März bis zum 23. April 2011 im Kunstverein Viernheim zu sehen.

Simone Kraft

Sabine Kress ist vier Jahre lang in die Lupinenstraße, Mannheims vermutlich berühmteste Straße, gegangen. Sie hat Frauen getroffen, die dort ihre Arbeit verrichten, und Bilder gemacht. Bilder, die auf den ersten Blick ganz einfach und klar sind, die jedoch umso mehr Zweifel und Fragen aufwerfen, je länger man sie betrachtet.

Kaum einmal sehen wir ein Gesicht (so war es mit den Beteiligten abgesprochen), nie erfahren wir von den Bildern etwas vom Sexualkontakt, der eigentlichen Arbeit. Dies wäre vermutlich nur in eindeutigen und bloßstellenden Bildern umzusetzen gewesen.

Doch genau dies wollte Sabine Kress nicht. Als sie vor gut vier Jahren mit ihrer Arbeit begann, warf sie erst einmal ihre vermeintlichen Kenntnisse über Huren und Prostitution über Bord und begann neben dem Fotografieren, mit den Frauen zu reden.

So erfuhr sie von der Last des Wartens, von dem überschaubaren Gewinn, von Altersschnitt und Besucherfrequenz, von Hygiene und Verzweiflung. „Um wieder anzufangen brauchst du nur ein paar Gummis, ´ne Zewarolle und ein Handtuch” sagt eine der Huren im Gespräch. Sie hat ihr Männerbild an die Kundschaft angepasst und beklagt den vergehenden Stolz ihres Gewerbes.

Am Ende dreht sich aber alles um das Warten und die Träume. Das Warten der Frauen auf die Freier, das Warten, das kein Ende hat, sondern nach den 20 Minuten mit dem Freier, aufs Neue beginnt.

Die Träume der Freier, die sich in Internetforen über die Qualitäten der Huren austauschen, über ihre angeblich geile Natur, ihre ewige Lust, ihr Aussehen und ihre Zärtlichkeit.

Sabine Kress’ Aufnahmen werden von Audio-Statements der Frauen perfekt ergänzt. Sie erzählen präzise und desillusioniert vom Alltag einer Spezialistin, die keinen Job wie jede andere hat und den Wandel des Gewerbes bemerkt.

Durch diese Worte erhalten die in ihrer Farbigkeit warmen Bilder den notwendigen kalten Unterton, der Romantik als Illusion entlarvt und von der Kraft der Träume in uns allen erzählt

Das erste Licht, das wir alle noch im Bauch der Mutter wahrnahmen, war rot, gefiltert von den Blutgefäßen und der Haut. Dieses Rot benutzt das Milieu, weil es uns in Kombination mit den dargebotenen körperlichen Reizen in eine gespannte Behaglichkeit zu versetzen vermag.

Diese Ausstellung ist an der Oberfläche warm und erzählt mit einer spürbaren Wärme von den Protagonistinnen. Doch wer genau hinsieht und sich nicht vom Schein blenden lasst, entdeckt eine todtraurige kleine Welt, deren Hoffnung es ist, aus ihr entrinnen zu können.

Text: Thomas Schirmböck (ZEYPHYR - Raum für Fotografie) 2010

18.März - 23. April 2011

Kunstverein Viernheim e. V.

Simone Kraft 

www.kunstverein-viernheim.de


http://skraft.wordpress.com/