Am 9. Juni 2009 wird Enrico Centonze eine riesige Leinwand mit der goldenen Aufschrift KUNST IST SUPER an der Messe Basel hängen.
Die Aktion findet um 11 Uhr zur Eröffnung der 40. ART Basel statt.
Seit der Ankündigung der Finanzkrise im September 2008 hat sich einiges verändert. Es fährt in Island keine Limousine mehr, die Chinesen kaufen keine Kunst mehr, Auktionskataloge werden dünner, Sponsoren wie UBS kürzen ihre Gelder für Kulturprojekte, Künstler stehen allein in ihrem Atelier und Kunstmesseorganisatoren rennen zu Galerien, um ihre Existenz zu sichern.
Die Kunst der Super(re)lative!
Die Finanzkrise ist stark in den Kunstmarkt eingebrochen, auch wenn dies eher ignoriert bleiben will.
Mit den Messen wurde das Kommerzielle in den Vordergrund gestellt. Mit dem ununterbrochen Wachstum des Kunstmarktes seit dem 80er Jahren wurde die Kunst immer mehr zur Spekulationsanlage: Die Qualität der Kunstwerke wurde von ihrem Wert bestimmt. In diesem Kontext steht Duchamps Anleitung: „Man nehme einen Gebrauchsgegenstand und verändere seine Aura, indem man ihn in ein Museum stellt, dann wird er zur Kunst. Wir haben Kunst genommen und die Aura verändert, indem wir sie in eine Messehalle gehängt haben. Wir haben Kunstwerke zur Ware gemacht.“ So hat sich der Kunstmarkt langsam vom Finanzsystem abhängig gemacht.
Gleichzeitig wurde Kunst zur Mode. Bei der letzten Biennale in Venedig hatten plötzlich Modemagazine wie Vogue ihre Korrespondenten vor Ort. Es wurde einfach extrem populär, bei Kunstereignissen dabei zu sein - der hysterischen Partystimmung wegen.
Krise oder Jubel?
Am Tag der Eröffnung der Art Basel, zwischen VIP Publikum und der Dachterrasse City Beach wird Enrico Centonze seine Leinwand mit der goldenen Aufschrift KUNST IST SUPER hängen. Art Basel ist insofern der ideale Ort, weil da die Spannung und Ambivalenz zwischen Kunst und Kunstmarkt am besten dargestellt wird. An der Art Basel, dieser Übermutter aller Kunstmessen, sind alle darauf gespannt, mit eigenen Augen zu sehen wie weit die Finanzkrise in den Kunstmarkt eingebrochen ist. Gleichzeitig, und trotz Umsatzeinbrüchen an Auktionen, Messen und bei den Galerien, wird Hoffnung vermittelt mit dem Argument, dass jetzt die Spekulanten raus sind, dafür die wahren Kunst-Liebhaber zurückkehren. Die Kunstmarktkrise als Katastrophe oder als die Rettung für die Kunst. Somit Hoffnung auf weitere Erfolgsverkäufe, auf weitere Kunst-Parties?
Oder liegt die Problematik nicht woanders? Geht es schlussendlich um Kunst oder Party? Ist Kunst gleich wie die Mode? Mit seiner freien Aktion möchte Enrico Centonze eine Auseinandersetzung über den Wert und den Status der Kunst auslösen.
Enrico Centonze ist ein junger Künstler aus der Schweiz. Seit 2005 arbeitet er im öffentlichen Raum.
Mit seinen Aktionen möchte der Künstler jeweils auf einen aktuellen Krisenzustand hinweisen, um Reaktionen und Bewusstsein für öffentliche Themen zu wecken. Bereits im Oktober 2008 reagierte Enrico Centonze mit der Aktion „Everybody wants Gold – Rettung in Sicht” auf die Ankündigung des Rettungspakets über 500 Milliarden Euro für deutsche Banken durch die Bundesregierung. Auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag installierte er für jede Milliarde 500 mannshohe Fahnen, hergestellt aus goldenen Aluminium-Rettungsdecken. Die Aktion ist festgehalten unter www.enrico111.com/page29/page12/page12.html
Mit seinem Team interviewt und filmt Centonze in der Rolle des Vermittlers während der Aktion die Auseinandersetzung der BürgerInnen mit seiner Kunstinstallation und dem Auslöser dieses Ereignisses. Nach Zürich, London, Prag und Berlin wird nun Basel zu seinem neuen Aktionsfeld.
www.enrico111.com
Dokumentation der Kunstaktion an der Art Basel am 9. Juni 2009 unter www.kunstistsuper.com

