Mit Bildern aus amerikanischen Westernfilmen im Kopf durchqueren Rob, Micha und Kati im VW-Bus die Prärie. Drei Freunde aus Berlin im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Am Stadtrand einer US-amerikanischen Kleinstadt wollen sie einen Laden anmieten, um ein Theater zu gründen. Kulturimport aus dem alten Europa, geistige Nahrung statt Fast Food, das ist ihre Geschäftsidee.
In Amerika bekäme zwar jeder seine Chance, erklärt ihnen der Immobilienmakler Ike. Aber hier regiere das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Das einzige, was in diesem Kaff funktioniert, ist eine Würstchenbude oder eine Videothek. Vom künstlerischen Anspruch kann man sich nichts kaufen. Und Ike muss Geld verdienen, um die Zähne seiner Tochter zu sanieren, „denn mit den richtigen Zähnen, kann man in diesem Land alles erreichen.“
Roland Schimmelpfennig jongliert in seiner intelligenten Komödie mit den Kinomythen und Amerikabildern in unseren Köpfen und wirft einen erfrischend unkonventionellen Blick auf die Beziehungen zwischen den USA und dem alten Europa. Das Stück konfrontiert deutsche Überheblichkeit mit amerikanischem Pragmatismus und stellt die Frage, ob nicht die Berliner Freunde mit ihrem umgekehrten Marshallplan die eigentlichen Kulturimperialisten sind.
Start Up ist als Auftragswerk für das German Theater Abroad (GTA) entwickelt worden. Es ist Teil des „Road Theater“-Projektes, gefördert aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes und dem Transatlantik-Programm der Bundesrepublik Deutschland (European Recovery Program). Uraufführung: 12. Oktober 2007, NYC, New York, USA.
Termine: 8.6. und 22.7.2009 im Nationaltheater Mannheim www.nationaltheater-mannheim.de
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Musik
Dramaturgie
Es spielen
Rob
Micha
Ike
Liz
Kati
Pressestimmen
Drei junge Deutsche fahren mit dem VW-Bus durch den Westen der USA. Irgendwo im Nirgendwo wollen sie einen leerstehenden Laden mieten und ein Theater eröffnen. Dabei würde in diesem Kaff nicht mal ein Striplokal Erfolg haben, sagt Vermieter Ike und schlägt stattdessen vor: „Warum nicht Kuckucksuhren?" Roland Schimmelpfennigs Komödie der kulturellen Kollision von Alter und Neuer Welt ist eine Auftragsarbeit des German Theatre Abroad, das die Farce „Start up" in einer Sieben-Wochen-Tournee über 6000 Kilometer von Pittsburgh bis Los Angeles in Flugzeughangars, Casinos und Lagerhallen zeigen will. Zwei Tage nach der Uraufführung in New York hat Burkhard C. Kosminski am Sonntag in Mannheim die deutschsprachige Erstaufführung herausgebracht.
Der Schauspieldirektor des Nationaltheaters setzt auch in seiner zweiten Spielzeit forciert auf neue Dramatik und hat damit weiterhin ein erstaunlich glückliches Händchen. Die fünf Schauspieler strömen mit dem Publikum ins Werkhaus-Studio, beginnen mit einer Leseprobe, entwickeln daraus eine Improvisation und steigen dann mit hübscher Ironie in ihre Rollen ein. Kosminski braucht dafür nur fünf Stühle, Perücken, einen Micky-Maus-Pappkopf, ein ferngesteuertes VW-Bus-Modell und viel Gefühl für den Rhythmus des Textes.
Reinhard Mahlberg stülpt sich graumelierte Dreadlocks über den Schöpf und spielt Ike augenzwinkernd ölig und bauernschlau. [...] Die drei Kultur-Kolonialisten (Tim Egloff, Sven Prietz und Hannah von Peinen) kommen mit ihren Perücken daher wie Rockstars der Siebziger.
Der Regisseur hat ein Gespür für den Groove dieses Textes und steigert die Komödie bis zur Party, was wiederum die Akteure mitreißt. Der Spielwitz des Quintetts blitzt in jeder Geste auf. Natürlich könnte man diese Satire stärker schärfen, aber die Mannheimer offenbaren eine derart berstende Freude an ihrem Spiel, das sich solche Bedenken umgehend erledigen.
In achtzig Minuten geht es flott vom D-Day zu 9/11, von Burritos zu Schokoriegeln, von Brangelina in Berlin zur jodelnden Gwen Stefani. Roland Schimmelpfennig lässt Vorurteile und Mythen aufeinanderprallen, und Burkhard C. Kosminski schüttelt die Klischees mit leichter Hand. Das Mannheimer Pop-Theater zeigt, dass man gar nicht quer durch die Staaten tingeln muss, denn Amerika haben wir ja alle im Kopf.
Darmstädter Echo
[…] Schimmelpfennig schickt für sein Stück ein paar idealistische und völlig abgebrannte junge Deutsche in die Wüste, ins amerikanische Herzland, durch das einst die Trecks in Richtung Wilden Westen zogen. […] Schimmelpfennig ist der derzeit international meistgespielte lebende deutschsprachige Dramatiker. […] Interessant ist Schimmelpfennigs Stück […] als Manifest einer transatlantischen Unbekümmertheitsbegeisterung, in der die Vorurteils-Raffinerie nur den Treibstoff liefert für fröhliches Entertainment. […] So erzählt „Start Up“ nicht vom Leiden junger Deutscher, sondern von ihrer Sehnsucht nach amerikanischer Leichtigkeit, vom Wunsch, endlich Teil einer großen fröhlichen Weltfamilie sein zu dürfen.
Genau in diesem Sinn […] zeigt der Mannheimer Regisseur (und Schauspieldirektor) Burkhard Kosminski „Start Up“, ein schmissiger Spaß für insgesamt fünf Schauspieler. […] Die Kulturbotschafter aus Europa scheinen in dieser Mannheimer Theaterparty wild entschlossen, sich endlich und glücklich von ihrer deutschen Verkniffenheit zu befreien. Aber Vorsicht: das Gespenst des Terrors könnte sie am Ende auch in der schönen Fremde einholen.
Spiegel online
[…] Wie das Ganze im Wilden Westen funktioniert, wissen wir noch nicht. Im Fall von Mannheim dagegen kann man jetzt schon sagen, dass Burkhard C. Kosminski keinen Fehler machte, als er „Start Up“ als Theater imTheater und als Probenprozess inszenierte […]
Theater heute

