Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Sonntag, 29.5.2011 - 16.00 Uhr

Kritiker und Künstler sind keine natürlichen Feinde - Quartett der Kritiker bei den Schwetzinger SWR Festspielen

Kritiker und Künstler sind keine natürlichen Feinde, auch wenn das gerne
karikaturenhalber behauptet wird. Immerhin gab es Zeiten, da spielten sie,
wie Hanslick und Brahms,  vierhändig miteinander Klavier, und es gibt
eigentlich keinen Anlass, anzunehmen, diese guten alten Zeiten seien für
immer vorbei.

Heute scheint es aber wohl noch wichtiger denn je, dass alle
diejenigen, denen die Musik eine Herzensangelegenheit ist und die ihre
Sachwalter sein wollen, sich gelegentlich zusammentun und gemeinsame Sache
machen.

Sei es, um die Wertschätzung individueller Kreativität zu
verteidigen, sei es zur Abwehr von allfälliger Kürzungs- und Sparpolitik,
oder, nicht zuletzt, um der Flut von Schimären, wie sie im Zeitalter
technischer Reproduzierbarkeit täglich neu aufgehen am Medienhimmel und
wieder untergehen, etwas Handfestes entgegenzusetzen -

zum Beispiel: durch eine "Talkshow" (neudeutsch), also ein öffentlich geführtes Gespräch zwischen "vier vernünftigen Leuten" (Goethe), die über ein Werk diskutieren, das dann anschließend live in voller Länge und Schönheit aufgeführt wird.

In einem nämlich hat sich die Musikwelt seit den Zeiten von Brahms und
Hanslick ja doch grundlegend verändert: Wir hören heute ungleich häufiger
kleingeschnittene Musikhäppchen zur Zerstreuung aus dem Kopfhörer, als ein
ganzes Werk, konzentriert und live, abends im Konzert.


Was die Musikkritik betrifft, so hat mittlerweile die Public Relation (in
Form von Porträts, Homestories, Interviews) den inhaltlichen Diskurs über
die musikalischen Werke und deren Interpretation durch die Musiker
(Rezension) in vielen Zeitungen und Zeitschriften weitgehend ersetzt oder
letztere aufs Briefmarkenformat zurückgedrängt.

(Tonträger-) Werbung ersetzt tendenziell die (Konzert-)Kritik. Da spielt eine kritische Orientierung, wie sie die Bestenlisten bieten, die der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) vierteljährlich veröffentlicht, eine wichtige
Rolle.


Eine Handvoll Musikkritiker hatte sich vor mehr als 30 Jahren
zusammengetan, um diesen Preis zu gründen mit dem Ziel, für den von PR
überfluteten Schallplattenmarkt eine zuverlässige Qualitätskontrolle zu
installieren, klare Empfehlungen zu geben und die Interpretationskunst zu
fördern.

Heute gehören rund 140 Musikkritiker aus Deutschland, Österreich
und der Schweiz zu diesem Verein, sie arbeiten ehrenamtlich und
unentgeltlich in 29 Fach-Jurys und  küren, neben den Bestenlisten, in jedem
Herbst Jahres- und Ehrenpreisträger.

In diesem Jahr 2011 wird nun erstmalig die "Nachtigall" verliehen, eine Trophäe, die der Künstler Daniel Richter für den "Preis der deutschen Schallplattenkritik" gestaltet hat.

Und neuerdings treten die Juroren des PdSK auch öffentlich auf, als Gäste der
großen Musikfestivals, und zwar in der schon von Goethe gepriesenen
Quartettformation:

Vier Juroren setzen sich jeweils zusammen zu einem "Quartett der Kritiker", um ein bestimmtes Werk zu diskutieren, das Teil des Festivalprogramms ist und am selben Tage, am besten unmittelbar nach dem Gespräch, live zur Aufführung kommt.

Es werden zu dem Gespräch CDs und Schallplatten mitgebracht, ausgewählte Interpretationen auf den Prüfstand gestellt und in Beispielen dokumentiert.
Bei den Schwetzinger SWR Festspielen geht es am 29. Mai im "Quartett der
Kritiker" um zwei Streichquartette von Franz Schubert, das in d-Moll, D 810
("Der Tod und das Mädchen") und das in G-Dur, D 887.

Die Kritiker der PdSK-Quartett-Runde sind: Ingeborg Allihn (freie Publizistin), Eleonore Büning (F.A.Z.), Thomas Rübenacker (freier Publizist) und Wolfgang
Schreiber (Süddeutsche Zeitung). Beide Werke werden am Abend um 19 Uhr im
Konzert vom Takács Quartet gespielt.

Schwetzinger SWR Festspiele GmbH
Mariam Ilbertz
Festspielbüro / Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Bredow-Straße
76530 Baden-Baden

Tel.: +49 (0) 7221 929 4989
Fax: +49 (0) 7221 929 4995

www.schwetzinger-swr-festspiele.de