Es bleibt in der Familie: Als ihr Mann während der Militärdiktatur in Brasilien verschwindet, hält seine Gattin ihre Lieben zusammen.
Regisseur Walter Salles feiert eine starke Frau, von Fernanda Torres grandios verkörpert. Das Politische ist privat – und mit dem Auslands-Oscar prämiert.
Strandidylle mit Helikopter: Unbeschwert genießen Eunice Paiva (Fernanda Torres) und ihre fünf Kinder – vier Mädchen und ein Junge – Badefreuden an der Copacabana.
Nur ein am blauen Himmel knatternder Armeehubschrauber deutet an, dass ihr Dasein vielleicht nicht ganz so sorgenfrei ist, wie es scheint: 1971 herrscht in Brasilien seit sieben Jahren eine Militärdiktatur.
Davon ist erst einmal nichts zu spüren. Eunice und ihr Mann Rubens (Selton Mello) führen ein gastfreundliches Haus; in ihrer weitläufigen Villa gehen zahlreiche Bekannte ein und aus.
Er verdient als Bauingenieur gut; zugleich bleibt ihm reichlich Zeit, um sich um seine vielköpfige Familie zu kümmern. Wie seiner Gattin – den Alltagskram erledigt eine Haushälterin.
Üppige Mahlzeiten, Ausflüge, kleine Partys mit und ohne Gäste; bei den Paivas ist immer was los.
Eine halbe Stunde lang nimmt sich Regisseur Walter Salles Zeit, um glückliches Familienleben in der oberen Mittelklasse in allen Farben auszumalen.
Korrekt gekleidet zum Verhör
Dass die älteste Tochter Vera (Valentina Herszage) bei einer Autofahrt mit Freunden rüde von der Militärpolizei kontrolliert wird, scheint nur ein lästiger Zwischenfall zu sein, nichts von Belang.
Bis eines Tages hemdsärmelige Männer mit Waffen vor der Tür stehen, um den Vater mitzunehmen: für eine „Aussage“ bei der Polizei.
Der Ex-Kongressabgeordnete einer linken Partei zieht sich noch korrekt an, bevor er abgeführt wird – und nicht mehr wiederkommt.


Bitte recht freundlich: Eunice Paiva (FernandaTorres) und ihre fünf Kinder mimen eine glückliche Familie für den Fotografen eines Klatschblatts. Foto: © Alile Onawale, VideoFilms, DCM



