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Konzert Rock Pop - hr3 rockt Frankfurt - am 9. April auf zwanzig Bühnen sind viele Stars live dabei, auch Christina Stürmer

hr3@night rockt Frankfurt – und ganz Hessen feiert mit. Einer der Stars, die am 9. April live und im Radio zu erleben sind, ist Christina Stürmer. Bei einem Treffen mit hr3-Musikexpertin Lidia Antonini spricht die Sängerin über ihre Songs, über schlechte Gewohnheiten und darüber, wie es sich anfühlt, bei Madame Tussaud sich selbst gegenüberzustehen.

Schon bei unserem ersten Interview vor Jahren war mein Eindruck positiv: Christina Stürmer ist aufmerksam und offen. Sie hat eine tolle Ausstrahlung, ist direkt und positiv. Das hat sich nicht geändert. Das Gespräch mit ihr funktioniert auf Anhieb. Sie mag keinen Glitzer, sagt sie.

Und sie mochte es noch nie, wenn man ihr vorgibt, was sie sagen soll, wie sie als Popstar sein soll, wie sie sich kleiden soll, wie sie ihre Haare tragen soll. Nein, stur ist sie nicht. Gute Argumente akzeptiert sie.

Nur am Anfang ihrer Karriere – nachdem sie 2003 den zweiten Platz bei der ORF-Castingshow Starmania erreicht hatte – redeten zu viele Leute auf sie ein. Dass sie wirklich Musik machen kann, haben viele erst später begriffen. Als sie die ersten Erfolge in Deutschland feierte, sagte man in ihrem Heimatland Österreich: "Deutschland will unsere Christina?" Da war auch ihr klar: Jetzt wird sie ernst genommen.

hr-Journal: Es gibt so viele Gewinner aus Castingshows, die dann nur einen großen Hit haben. Du hast irgendetwas richtig gemacht. Habt ihr deine Karriere durchgeplant?


Christina Stürmer: Nein, wir haben immer von einem Schritt zum nächsten gearbeitet. Planen kann man im Musik-Business ohnehin nur sehr schwer – ist heute Deutsch angesagt, kommt morgen auf einmal Amy McDonald um die Ecke, und so eine Musik ist in, dann Heavy Metal oder oder ...

Bei einer Musikkarriere kann man sich was wünschen, man kann hoffen, aber so richtig planen kann man nicht. Meine Einstellung lautet: Man kann sich nie zurücklehnen. Als wir vor ein paar Jahren den Echo bekamen, haben wir am nächsten Tag einfach weitergemacht. Man muss immer neue Ziele haben.

Auf deinem aktuellen Album „Nahaufnahme“ spielt der Moment, das Leben eine zentrale Rolle.


Ja, sehr viele Songs auf dem Album drehen sich um das Thema Zeit und Vergänglichkeit. Ich finde, wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit. Jederzeit kann etwas Schlimmes passieren, wo sich plötzlich alles ändert. Dann macht man sich Vorwürfe, warum man das Leben nicht mehr genossen hat.

Man plant in die Zukunft, was mach ich morgen, was mach ich in fünf Jahren. Aber eigentlich weiß man es ja nicht. Deshalb möchte ich das Leben mehr genießen, den Moment mehr präsent haben. Mir geht’s grad so gut. Ich will das einfach jetzt genießen.

Im April wird in Wien ein Kabinett von Madame Tussaud eröffnet mit einer Figur von dir. Wie ist es dazu gekommen?


Ich wurde angefragt. Was Musik anbelangt, sind für das Wiener Kabinett Falco, Mozart und Christina Stürmer geplant. Das macht mich natürlich irre stolz. So eine Figur herzustellen, dauert drei bis vier Monate. Ich war zwei Tage in London und wurde von oben bis unten fotografiert und auf altmodische Art und Weise mit einem Greifzirkel abgemessen.

500 bis 600 Fotos wurden da gemacht. Der genaue Hautton, die Haarfarbe, die Augenfarbe, jedes kleine Fältchen im Gesicht – die sind da sehr genau. Als ich die Figur gesehen habe, muss ich gestehen, war’s ein bisschen gruselig. Man sieht sich zwar jeden Tag im Spiegel, aber das ist anders.

Wenn es mit der Karriere als Musikerin nicht geklappt hätte, wäre Christina

Kindergärtnerin geworden. Nach der Schule hatte sie eine Buchhändlerlehre gemacht. Auch das wäre eine Möglichkeit: Einfach einen Buchladen aufmachen, Christls Schmökerstube oder so.

Unabhängigkeit ist ihr wichtig. Sie will eben nicht „everbody‘s darling“ sein. Aber sie wird es, indem sie authentisch und absolut natürlich ist. Bei einem Interviewtermin ist sie beispielsweise vor Lebenslust in die Luft gesprungen, angestiftet von der Musik – zauberhaft.

Musik war schon immer das, was Christina am meisten Spaß macht. Sie wollte Rockpop mit deutschen Texten singen. Ihre Stimme ist ihr Markenzeichen. Ihre Songs haben viele Facetten und sprechen für sich.

Wie entstehen deine Songs?


Bei meiner letzten CD hatten wir zehn exklusive Songwriter. Mit denen haben wir uns im November 2009 getroffen, um uns näher kennenzulernen. Einige schreiben schon länger für uns, einige waren ganz neu im Team. Die müssen ja wissen, für wen sie schreiben, wie ich so ticke, was mir gefällt.

Danach ist vieles per Mail gelaufen. Oder die Jungs sind zu uns nach Niederösterreich gekommen. So sind die meisten Songs entstanden. Im Mai 2010 – da waren wir schon im Studio – fehlten noch ein, zwei Songs. Deshalb gab es zusätzlich noch ein Camp.

Ich höre immer öfter von diesen Camps, wo sich viele Musiker treffen. Wie muss man sich so ein Camp vorstellen?


Das war ein großes Studio mit drei, vier verschiedenen Räumen, und man hat sich dort zwei Tage lang in Grüppchen zusammengesetzt. Ich bin dann von Raum zu Raum gehuscht und habe überall meinen Senf dazu abgegeben.

So sind innerhalb von zwei Tagen sehr, sehr viele Songs entstanden und zwei davon – "Wir leben den Moment“ und "Juniherz“ – sind dann auch aufs Album gekommen.

Wie suchst du die Songs fürs Album aus?


Mich muss ein Song emotional treffen. Das ist sehr viel Bauchgefühl. Ich merke schon beim Einsingen, ob mir das Spaß macht und ob ich mir selbst abkaufe, was ich singe. Wenn ich das Gefühl habe, da passt etwas nicht zusammen, das ist nicht hundert Prozent Christina Stürmer, dann fällt ein Song komplett flach.

Christina ist ein Familienmensch.

Wenn es falsche Schlagzeilen über sie gibt, sorgt sie sich um ihre Mutter. Da berichteten beispielsweise einmal die Zeitungen von einem Zusammenbruch, dabei hatte sie sich nur im Krankenhaus durchchecken lassen.

Christina findet es schade, dass Menschen so schwer mit Lob umgehen können und es verlernt haben, "Danke“ zu sagen. Sie tut das um so öfter. Als Musikjournalistin freut man sich gigantisch, wenn sie sich einfach mal zwischen zwei Interviews meldet oder eine Weihnachtspostkarte schickt – das ist man von einem Popstar gar nicht gewohnt.

Sie ist einfühlsam: Beim "Night Of The Proms“-Konzert mit Roxette war sie sichtlich bewegt, als Marie Fredriksson nach schwerer Krankheit zum ersten Mal wieder auf der Bühne stand. Außerdem liebt sie das Schnorcheln und die Malediven und fühlt sich dort wie "Nemo“.

Was ist "typisch Christina Stürmer“?


Der Ordnungswahn. Ich bin ein kleiner "Monk“, und das kann manche Menschen, gerade den Oliver, meinen Freund, manchmal ein bisschen wahnsinnig machen.

Hast du schlechte Angewohnheiten?


Mein Ordnungswahn – manchmal mache ich mich selber wahnsinnig damit. Es muss halt alles sauber sein, und es muss alles sofort gemacht werden, sobald ein Staubwölkchen herumkugelt oder ein Socke herumliegt.

Worüber kannst du dich immer wieder ärgern?


Wenn ich auf Promoreise gehe und im Tagesplan keine Mittagspause vorgesehen ist, denn ich finde, Pausen sind sehr wichtig, und Essen ist Entspannung.

Dein Lieblingsessen?


Italienisch, alles mit Nudeln find ich großartig.

Wofür würdest du auf die Straße gehen und demonstrieren?


Kondome in Afrika

Wenn dir ein anderer Starpromi auf die Schulter klopfen würde, über wessen Lob würdest du dich freuen?


Ian Holländer, der war irre lange Staatsoperndirektor und ist knallhart. Der hat mal gesagt, dass ich sehr authentisch bin. Das ist für mich das größte Lob, das es gibt.

Am 9. April bist du bei hr3@night dabei. Worauf freust du dich?


Für mich ist es total was Neues. Es kostet kaum was, du kannst verschiedene Künstler sehen und Frankfurt noch dazu. Vielleicht habe ich selbst die Zeit, auch mal einen anderen Musiker zu erleben. Ich finde das grenzgenial.
[Lidia Antonini]

hr3@night

Am Samstag, 9. April, rockt ganz Frankfurt. Von 20 Uhr an gehen in zwanzig Locations fünfzig Acts und Partys über die Bühne. Tickets zu 12 Euro für alle Veranstaltungen und die Shuttle-Busse gibt es an allen Vorverkaufsstellen und beim hr-Ticketcenter, Tel. 069-155-2000.

Eine Broschüre zur Mega-Party liegt in Frankfurt aus und kann unter www.hr3.de vom 10. März an heruntergeladen werden. Für die Daheimgebliebenen gibt es die Sondersendung zu hr3@night live im Radio.

Einige Highlights:


Laith Al-Deen


Seit über zehn Jahren zählt Laith Al-Deen zur ersten Riege des deutschen Soul. Sein Nachname bedeutet "der kleine Herr“. Er hat einen Migrationshintergrund (Mutter Deutsche, Vater Iraner) und setzt sich für die Anerkennung der deutschen Sprache in der Pop-Musik ein.

Nach sechs Alben hat Laith Bilanz gezogen – und sich musikalisch neu orientiert. Im Frühjahr erscheint sein neues Album. Das präsentiert er bei hr3@night zusammen mit der hr-Bigband in einem extra für dieses Konzert komponierten Sound. Aber seine großen Hits gibt es natürlich auch zu hören.

Philipp Poisel


Philipp Poisel begeistert mit seinen gefühlvollen deutschsprachigen Texten, und sein französisch klingender Nachname setzt dem noch ein Tüpfelchen Romantik auf. Er wollte eigentlich Realschullehrer für Musik, Kunst und Englisch werden, wenn ihm nicht ein Plattenvertrag auf Herbert Grönemeyers Label Grönland dazwischen gekommen wäre.

Neben seinen großen Hits wie "Wo fängt dein Himmel an“ oder "Mit jedem deiner Fehler“ präsentiert Philipp Poisel bei hr3@night auch viele Songs seines aktuellen Albums „Bis nach Toulouse“.

Gentleman


Tilmann Otto – Gentleman – ist Deutschlands unermüdlicher Botschafter in Sachen Reggae. Er war einer der Ersten, der bewiesen hat, dass man nicht aus Kingston, Jamaika, kommen muss, um die Dancehall zum Kochen zu bringen. Sein Album "Diversity“, das 2010 erschien, landete sofort auf Platz eins der deutschen Charts, die Singles "To The Top“ und "It No Pretty“ wanderten geradewegs in die Top 20. Seine Live-Auftritte gelten nicht nur bei seinen Fans als legendär.

Christian Durstewitz


Als Christian Durstewitz im Halbfinale von "Unser Star für Oslo" als Drittplatzierter ausschied, war zwar noch nicht klar, dass Lena den Titel nach Hause holen würde, wohl aber, dass von "Dursti“ bestimmt noch was kommen würde.

Wer mit selbstkomponierten Songs derart gut ankommt, offensichtlich so viel Musik im Blut hat und so eine Type ist, den kann man doch nicht einfach wieder in den heimischen Keller ziehen lassen und ihn der kreativen Nacht überlassen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit "Let Me Sing“ sein erstes Album.

Redaktion: sare