Mit Johann Sebastian Bach haben sich die Thüringer Bachwochen dem wohl größten Komponisten der Musikgeschichte verschrieben; von einem Blick über den Tellerrand befreit dies gleichwohl nicht. Und so ist es auch selbstverständlich, sich 2011 dem 200. Geburtstag Franz Liszts zu widmen, einem Komponisten immerhin, der Bach sehr geschätzt und viele seiner Werke bearbeitet hat. Sucht man dabei nach Gemeinsamkeiten, kommt man vor allem an einem Instrument nicht vorbei: dem Klavier, das für beide Komponisten eine herausragende Rolle gespielt hat. Grund genug also, die Festivaleröffnung einmal exklusiv einem Instrument zu widmen - und gemeinsam ein "Fest für das Klavier" zu feiern.
Dabei steht dieser Abend zunächst für etliche Superlative. Das "Fest für das Klavier" bietet sechs Solisten an einem Abend, Werke von elf Komponisten in zwölf Konzerten, gespielt an drei Flügeln und zwei Cembali, insgesamt rund 345 Minuten Musik, dazu 360 Minuten Film und kreative Gastronomie. Die Zahlen zeigen eine große Vielfalt, bezeichnen aber auch ein Risiko, denn das Konzept des Abends verlangt gleichermaßen die Mitwirkung und Flexibilität des Publikums. Warum also dieser Aufwand? Möchte man Bach und Liszt zugleich würdigen, erfordert das einen Spagat: Zwischen dem Meister der Barockzeit, der vor allem für das Cembalo komponierte und das Klavier nur in seiner frühesten Entwicklungsstufe kannte, und dem großen Romantiker Liszt, der die Klaviermusik zu virtuosen Höhenflügen führte, liegen Welten. Welten, die zuweilen unterschiedliche Instrumente erfordern - und oft auch verschiedene Interpreten. Das Programm der Festivaleröffnung stellt diese Vielfalt gezielt dar und präsentiert Bach sowohl auf dem Cembalo als auch auf dem Klavier, Bach in Bearbeitungen aus mehreren Epochen, schließlich Liszt und Schostakowitsch auf dem modernen Flügel.
Mit den sechs Pianisten gastieren jeweils die für ihr Spezialgebiet denkbaren Idealbesetzungen: Zu Gast in Weimar sind an dem Abend mit Andreas Staier und Christine Schornsheim sicherlich die besten Cembalisten Deutschlands. Hinzu kommen mit Alexander Melnikov, Ragna Schirmer und Edna Stern Pianisten von großer Perfektion. Ein echter Höhepunkt dürfte schließlich der Auftritt von Uri Caine werden, einem der besten Jazzpianisten überhaupt, der sich in mitreißender Form auch mit Arrangements klassischer Musik profiliert hat. Wen könnte man besser fragen, zum Ausklang dieses "Festes für das Klavier" über die beiden Schwergewichte Bach und Liszt humorvoll zu improvisieren?
Da dieses breite Programm nun aber auch den größten Musikfreund überfordern dürfte, funktioniert die Festivaleröffnung als eine Art Wunschkonzert. Jeder Besucher kann sich aus den zwölf kurzen Konzerten seine Favoriten heraussuchen und so seinen individuellen Konzertabend zusammenstellen. Dazwischen gibt es reichlich Möglichkeiten der Entspannung: bei der Aufführung der vierteiligen DEFA-Filmbiographie „Johann Sebastian Bach“ ebenso wie den vielseitigen gastronomischen Angeboten.
Ragna Schirmer - Klavier
Christine Schornsheim - Cembalo
Edna Stern – Klavier
Andreas Staier – Cembalo
Alexander Melnikov – Klavier
Uri Caine - Klavier
Ein Fest für das Klavier
am 16. April 2011 | 18:00 Uhr
congress centrum neue weimarhalle | Weimar
Eintrittskarten für das Konzert sind erhältlich über alle Vorverkaufsstellen des Ticketshops Thüringen, die Tourist Information Thüringen und telefonisch unter 0361 | 37 42 0 sowie 0180 | 505 5 505 (14 ct/Min, Mobilfunkpreise max. 42 ct/Min) oder die Webseite des Festivals www.thueringer-bachwochen.de.
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