Molierès «Le Bourgeois gentilhomme» mit Musik von Jean-Baptiste Lully hatte 1670 in Paris wie eine Bombe eingeschlagen. Der Erfolg des Stücks war phänomenal und nicht zuletzt jener «Cérémonie turque» im 4. Akt zu danken, mit welcher das Autorenduo neue Maßstäbe musikalischen Exotismus setzte.
Sie steht denn auch im Zentrum des Programms, um das herum Vincent Dumestre andere Beispiele exotisierender Einbildungskraft gruppiert hat, sodass sich der Bogen dieser fantastischen Klangreise von Versailles entlang der Seidenstraße bis nach China und zurück durch die Wüsten Arabiens und Afrikas spannt.
Le Poème Harmonique
Unter dem Namen Le Poème Harmonique hat sich 1998 um den französischen Lautenisten und Dirigenten Vincent Dumestre eine Gruppe von Musikerinnen und Musikern formiert, um sich des Repertoires des 17. und 18. Jahrhunderts anzunehmen. Zu den Markenzeichen des Ensembles wurden die Interaktion zwischen unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen und gutes Teamwork, all dies wurde beispielhaft verwirklicht in der preisgekrönten Produktion von Lullys «Cadmus et Hermione» (Regie: Benjamin Lazar) an der Pariser Operá Comique, als man historische Ästhetik – Verwendung von Kerzenlicht, barocker Gestik, Dekoration und Bühnenmaschinerien – mit der Ästhetik moderner Bühnenproduktionen verband.
Das Ensemble bemüht sich außerdem, die Ursprünge der frühen französischen und italienischen Musik zu ergründen, indem es eine Verbindung zwischen traditioneller Musik und Volksmusik herstellt. Unter Le Poème Harmoniques jüngsten Bühnenerfolgen finden sich u. a. die weltweit erste Wiederaufführung von Giovanni Maria Pagliardis «Caligula» aus dem Jahre 1672 beim Festival Mondial des Théâtres de Marionnettes in Charleville-Mézières im September 2011 und die Produktion von Francesco Cavallis «L’Egisto» an der Pariser Opéra Comique im Februar 2012 sowie an der Opéra de Rouen Haute-Normandie.
In der Saison 2013/14 wird Le Poème Harmonique im Rahmen seiner dortigen Residenz Purcells «Dido and Aeneas» an der Opéra de Rouen, 2014/15 Molières «Le Malade imaginaire» mit Musik von Marc-Antoine Charpentier abermals in Kooperation mit Opéra Comique und Opéra de Rouen neu herausbringen. Von den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen, die das Ensemble für seine CD- und DVD-Produktionen geerntet hat seien nur der Grand Prix de l’Académie Charles Cros und der Premio Internazionale del Disco Antonio Vivaldi der Fondazione Giorgio Cini hier erwähnt.
Samstag, 19. Jänner 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
«Einmal um die ganze Welt»
«Von Versailles zur Verbotenen Stadt».
Der Einfluss des Exotismus auf die französische Musik im 17. Jahrhundert.
Werke von Jean Baptiste Lully, Charles Tessier, Joseph-Marie Amiot, Etienne Moulinié.
Le Poème Harmonique, Ensemble
Claire Lefiliâtre, Sopran
Marcel Beekman, Tenor
Serge Goubioud, Tenor
André Morsch, Bariton Arnaud Marzorati, Bass Vincent Dumestre, Leitung
Wiener Konzerthaus Presse
Mag. Theresa Steininger
E-Mail: presse@konzerthaus.at
www.konzerthaus.at


Le Poeme Harmonique © Guy Vivien
Marcel Beekman Quelle: Wiener Konzerthaus
Vincent Dumestre © Jean-Baptiste Milot