Jonas Kaufmann schockte die New Yorker – mit künstlerischer Ernsthaftigkeit: Zunächst wagte er, dem 4.000-Plätze-Saal der Met sekundiert von nur einem Pianisten Stirn und Stimme zu bieten.
Der letzte Tenor, der sich das getraut hatte, war Luciano Pavarotti anno 1994. Dann kam er auch noch mit einem reinen Liedprogramm – ohne Bravourknaller. Gezündet hat´s trotzdem.
Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, tat Kaufmann „etwas buchstäblich Unerhörtes“.Er setzte Lieder von Liszt, Strauss, Mahler und Duparc aufs Programm und gestaltete einen „ganz und gar traditionellen, in jeder Hinsicht seriösen Liederabend. “
Im Gegensatz zu Luciano Pavarotti, der 1994 auf Nummer sicher gegangen war und zur Klavierbegleitung ein Potpourri aus beliebten Arien und italienischen Canzoni serviert hatte. Leichte Muse gab es bei Jonas Kaufmann erst in einer der vielen Zugaben, die das Met-Publikum einforderte:
Mit Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ erfüllte Kaufmann dann doch noch Wünsche, die übers rein Musikalische hinausgehen. „Der ,Observer` hat seit Franco Corelli oder Mario Del Monaco keinen so attraktiven Tenor mehr gesehen“, gab am kommenden Tag eine große New Yorker Zeitung zum besten.
Das künstlerische Wagnis hat sich für Jonas Kaufmann gelohnt. Obwohl sein New Yorker Debüt erst fünf Jahre zurückliegt, feiert die Met den Münchner Tenor als einen ihrer absoluten Superstars.
Im Festspielhaus Baden-Baden gab Jonas Kaufmann 2009 mit der exquisiten Arie des italienischen Sängers im „Rosenkavalier“ seinen Einstand. Gleich dreimal ist er in der aktuellen Saison im Festspielhaus zu Gast:
bei der Silvester-Gala 2011 gemeinsam mit Eva-Maria Westbroek, als Solist mit Orchesterliedern von Strauss und Mahler am 25. März 2012 und in einem Liederabend begleitet von Helmut Deutsch am 23. April 2012.

