Mit der Urfassung der Märchenkantate „Das klagende Lied“ eröffnet das Staatstheater Kassel am Samstag, 14. Mai, die Gustav-Mahler-Festtage 2011. „Das klagende Lied“, Mahlers Opus 1, führt in die wilde Legendenwelt des romantischen Märchens: Mahler hat den Text nach verschiedenen Märchenvorlagen, unter anderem von den Brüdern Grimm, selbst geschrieben. Frappierend ist, wie deutlich sich schon hier die Besonderheiten Mahlerscher Musik – die Doppelgesichtigkeit von Vergangenem und Zukünftigem, von Heiterkeit und Ernst – erkennen lassen.
„Mein erstes Werk, in dem ich mich als 'Mahler' gefunden“ - mit diesen Worten äußerte sich Gustav Mahler in einem Brief an den Komponisten und Musikkritiker Max Marschalk über sein Jugendwerk, das ihn zeitlebens immer wieder beschäftigte. Wegen seiner riesigen Besetzung ist das Klagende Lied nur selten im Konzertsaal zu hören – zumal in der klanglich kompromisslosen Urfassung. Beim Eröffnungskonzert der Gustav-Mahler-Festtage 2011 spielt das Staatsorchester Kassel unter der Leitung von Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, verstärkt vom Heeresmusikkorps 2 Kassel.
Prominente Gastsänger übernehmen die solistischen Partien: die Sopranistin Alexandra Coku, die Altistin Dagmar Pecková, der Tenor Christian Elsner – er singt in der nächsten Spielzeit am Staatstheater Kassel den Parsifal - und der Bariton Tobias Schabel. Darüber hinaus wirken Knaben des Knabenchors der Chorakademie Dortmund sowie der Opern- und der Extrachor des Staatstheaters Kassel mit.
Richard Strauss‘ Tondichtung für großes Orchester „Tod und Verklärung“ steht als weiteres Werk auf dem Programm des Eröffnungskonzerts.
Beginn ist um 20 Uhr in der Stadthalle Kassel, um 19.15 Uhr gibt Orchestermanagerin und Konzertdramaturgin Insa Pijanka eine Einführung im Gesellschaftssaal.
Die Gustav-Mahler-Festtage wurden 1989 vom damaligen Kasseler GMD Adam Fischer ins Leben gerufen und finden seit 2005 nach längerer Unterbrechung wieder alle zwei Jahre statt. Sie erinnern an Mahlers Zeit in Kassel: 1883, mit gerade 23 Jahren, trat er hier die Stelle des Zweiten Kapellmeisters, Musik- und Chordirektors an. Die Stelle des Ersten Kapellmeisters blieb ihm jedoch verwehrt, und die unglückliche Liebe zu der Sängerin Johanna Richter stürzte ihn zusätzlich in eine Krise. Seine damalige Stimmung spiegelt sich in den „Liedern eines fahrenden Gesellen“, deren Klavierfassung in Kassel entstand. Erste Skizzen zur 1. Sinfonie stammen ebenfalls aus Mahlers Kasseler Zeit. 1885 bat Mahler um vorzeitige Auflösung seines Vertrags und ging als Kapellmeister nach Prag.
Gemäß dem Konzertsaison-Motto „Cantus“ bilden Vokalwerke Mahlers einen Schwerpunkt der Festtage. Auf dem Programm stehen u. a. Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ bei einem Recital mit Dagmar Pecková am 19. Mai und – die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ mit dem Bariton Michael Nagy beim Abschlusskonzert am 27. Mai mit dem hr-Sinfonieorchester. Unter der Leitung von Marc Piollet, GMD in Wiesbaden und früherer Erster Kapellmeister in Kassel, spielt das Staatsorchesters außerdem am 23. Mai Mahlers Sinfonie Nr. 9 D-Dur.
Eröffnungskonzert
Richard Strauss: Tod und Verklärung, Tondichtung für großes Orchester op. 24
Gustav Mahler: Das klagende Lied (Urfassung)
Solisten: Alexandra Coku, Sopran, Dagmar Pecková, Alt, Christian Elsner, Tenor, Tobias Schabel, Bariton, sowie Solisten des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
Dirigent: Patrik Ringborg
Samstag, 14. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Kassel (Konzertführer - live um 19.15 Uhr im Gesellschaftssaal)
Karten für die Konzerte sind erhältlich an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter www.staatstheater-kassel.de.
Gustav-Mahler-Festtage 2011, das weitere Programm
Liederabend mit Dagmar Pecková und Vojtech Spurny
Gustav Mahler: Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“
Richard Wagner: Wesendonck-Lieder
Gustav Mahler: Rückert-Lieder
Richard Strauss: Heimliche Aufforderung op.27/3
Donnerstag, 19. Mai, 20 Uhr, Opernfoyer
8. Sinfoniekonzert
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Dirigent: Marc Piollet
Montag, 23. Mai, 20 Uhr, Stadthalle Kassel
Abschlusskonzert
mit demhr-Sinfonieorchester
Alexander Skrjabin: Rêverie
Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen
Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 8 c-Moll op. 65
Solist: Michael Nagy, Bariton, Dirigent: Teodor Currentzis
Freitag, 27. Mai, 19 Uhr, Opernhaus
Juliane Clobes
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