Das Konzert des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma mit Ian Bostridge und Sir John Tomlinson unter der Leitung von Sir Antonio Pappano am 15. April ist dem erst kürzlich verstorbenen Komponisten Hans Werner Henze gewidmet. Außerdem startet mit diesem Abend die zweiwöchige Residenz von Ian Bostridge bei den Elbphilharmonie Konzerten. Bevor der britische Tenor in drei weiteren Konzerten einen besonderen Fokus auf die Musik Benjamin Brittens legt, setzt sein Residenzauftakt im Großen Saal der Laeiszhalle einen deutlichen Kontrapunkt: mit Henzes Kantate »Opfergang« und Tschaikowskys Symphonie »Pathétique«.
Hans Werner Henze, der »Poet der Menschen«, wie die Presse nach seinem Tod schrieb, gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Nachkriegszeit. Der Komponist, der lange in der Nähe von Rom lebte, hinterlässt ein gewaltiges OEuvre. In Hamburg sorgte er 1968 mit seinem NDR-Auftragswerk »Das Floß der Medusa« in Planten und Blomen für einen handfesten Skandal: Das Konzert wurde unterbrochen und endete mit einem Polizeieinsatz. »Opfergang«, der Titel des Werks, das nun Henze zu Ehren in der Laeiszhalle zur Aufführung kommt, leitet sich von einem Gedicht Franz Werfels von 1919 ab. Werfels Text, gleichermaßen surreal wie dramatisch, diente Henze als Grundlage für eine lyrisch-sarkastische Kantate. Sie handelt von einem fliehenden Kriminellen und einem entlaufenen Hündchen. Letzteres wird von Ian Bostridge selbst verkörpert, der begeistert feststellt: »Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich als Sänger in verschiedene Rollen schlüpfen kann – ohne Gefahr zu laufen, in der Psychiatrie zu landen.«
Die Uraufführung von »Opfergang« in Rom 2010 war eine Veranstaltung von nationaler Tragweite und sorgte bei Publikum und Presse für Furore. Zum ersten Mal war Henze von einer italienischen Institution beauftragt worden, eine Komposition zu verfassen. Nun bringen dieselben Interpreten sein Werk nach Hamburg, die die umjubelte Uraufführung gemeinsam gestaltet haben: Neben Ian Bostridge, dem umschwärmten Tenor mit der klaren, leichten Stimme, sind der Bass und gefragte Opernsänger Sir John Tomlinson sowie das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom unter Sir Antonio Pappano zu erleben.
Nach der Pause wird der bekennende Tschaikowsky-Liebhaber Pappano – ein Brite mit italienischen Wurzeln – dann mit seinem Orchester seine Sicht auf Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 vorstellen. Die »Pathétique« gilt als Gipfel im musikalischen Schaffen des Komponisten und gleichzeitig als dessen Abschied vom Leben: Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wechseln sich ab mit bitteren Triumphgebärden.
Gefördert durch die Stiftung Elbphilharmonie und durch den Freundeskreis Elbphilharmonie + Laeiszhalle e.V.
Mo 15.04. / 20.00 Uhr / Laeiszhalle Hamburg / Großer Saal
Nordic Concerts / Ian Bostridge:
Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma
Ian Bostridge, Tenor
Sir John Tomlinson, Bass
Sir Antonio Pappano, Dirigent
Hans Werner Henze: Opfergang (Immolazione)
Peter I. Tschaikowsky: Symphonie Nr. 6 h-Moll op. 74 »Pathétique«
€ 75 / 65 / 53 / 39 / 18 / 10
Abonnement »Ian Bostridge«: € 169 / 143 / 113 / 70 / Jugendabo: € 36
REDticket der Haspa Musik Stiftung: Die besten verfügbaren Plätze für nur € 10 ab einer Woche vor dem Konzert – für alle bis einschließlich 27 Jahre. Das REDticket ist erhältlich im Elbphilharmonie Kulturcafé, im HaspaJoker Shop / Filiale am Jungfernstieg (keine Barzahlung), an der Abendkasse und über www.elbphilharmonie.de.
ZukunftsMusik: Wer könnte Kinder und Jugendliche besser für klassische Musik begeistern als die Künstler höchstpersönlich? Im Rahmen der Musikvermittlungsinitative »ZukunftsMusik« bringt Elbphilharmonie Kompass Schüler und Schülerinnen aus Hamburg mit den Künstlern zusammen. Das sind Begegnungen, die Spaß machen, lange im Gedächtnis bleiben und ein neues Verständnis für Musik bewirken. Weitere Informationen unter: www.elbphilharmonie.de/zukunftsmusik.de.
Ian Bostridge
Der 1964 in London geborene Tenor ist einer der renommiertesten Interpreten des klassischen und zeitgenössischen Repertoires. Er begann seine Karriere als Sänger 1991. Vorher studierte er Geschichte und Philosophie in Cambridge und Oxford, wo er 1990 über Hexerei promovierte. 1993 gab er sein Debüt und 1995 sein erstes Solorecital in der Londoner Wigmore Hall. Als Konzertsänger tritt er bei internationalen Festivals sowie in allen großen Konzertsälen der Welt auf, u.a. mit den Berliner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem New York Philharmonic sowie dem Los Angeles Philharmonic Orchestra ̶ unter Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Sir Colin Davis, Riccardo Muti, Daniel Barenboim, Daniel Harding, James Levine und Sir Antonio Pappano. Sein Opern-Debüt gab er 1994 als Lysander in Brittens »A Midsummer Night's Dream« beim Edinburgh Festival, 1995 debütierte er am Covent Garden als Narraboth in »Salome«, 1996 als Tamino in Mozarts »Zauberflöte« an der English National Opera und 1997 als Quint in Brittens »The Turn of the Screw«, wiederum an Covent Garden.
Auch als Interpret zeitgenössischer Musik ist er hervorgetreten, so etwa bei der Uraufführung von Thomas Adès’ Oper »The Tempest«. Er war artist in residence am Wiener Konzerthaus, am Amsterdamer Concertgebouw, an der Carnegie Hall in New York sowie in der Saison 2011/12 an der Londoner Wigmore Hall. Für seine Aufnahmen bei EMI erhielt er zahlreiche Preise: je einen Gramophone Award 1998, 2003 und 2010, einen Grammy sowie einen Choc de l’Année du Monde de la Musique, einen Time Out Classical Music Award, einen Critics‘ Choice Classical Brit Award und einen französischen Diapason d’Or. In Deutschland wird Bostridge besonders für seine Schumann- und Schubert- Liedeinspielungen geschätzt. Zum Britten-Jahr 2013 erscheinen Einspielungen der Kammeroper »The Rape of Lucretia«, Lieder mit Sir Antonio Pappano am Klavier und das »War Requiem« mit Anna Netrebko, Thomas Hampson und dem Orchestra dell‘Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Pappanos Leitung. Ian Bostridge lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in London.
Sir John Tomlinson
Der 1946 in Lancashire geborene Bass Sir John Tomlinson gehört insbesondere auf der Opernbühne zu den weltweit angesehensten und gefragtesten Interpreten. Obwohl er 1964 zunächst ein Ingenieursstudium begann, erhielt er bald darauf ein Stipendium für ein Gesangsstudium am Royal Manchester College of Music. Vervollkommnet wurde seine Ausbildung bei Otakar Kraus. Seit 1974 singt Tomlinson regelmäßig an der English National Opera, 1977 gab er auch an der Royal Opera Covent Garden sein Debüt. Bei den Bayreuther Festspielen sang er in 18 aufeinanderfolgenden Spielzeiten die großen Wagner-Partien seines Fachs. Weitere Engagements führten in u.a. an die Opernhäuser in Mailand, New York, Genf, Lissabon, Berlin, Amsterdam, Paris, München, Wien und Dresden. Häufiger Gast ist John Tomlinson bei den Festivals in Aix-en-Provence, Salzburg und Edinburgh. In seinem breiten Repertoire finden sich große Rollen wie z.B. Baron Ochs in Strauss‘ »Rosenkavalier« sowie Orestes in dessen »Elektra«, Moses in Schönbergs »Moses und Aron«, Claggart in Brittens »Billy Budd«, Rocco in Beethovens »Fidelio« sowie Leporello und der Komtur in Mozarts »Don Giovanni«.
Ebenso breit gefächert ist sein Konzertrepertoire, das ihn zu den renommiertesten Orchestern in Europa und den USA führte. Dort arbeitete er mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Bernard Haitink, Pierre Boulez, Esa-Pekka Salonen, Sir Simon Rattle, Riccardo Muti, Sir Charles Mackerras, Sir John Eliot Gardiner, Riccardo Chailly und Giuseppe Sinopoli. Auch liegen zahlreiche Einspielungen mit John Tomlinson vor, die ihm u.a. einen Grammy einbrachten. 1997 ernannte Queen Elizabeth John Tomlinson zum Commander of the British Empire, 2005 wurde er zum Ritter geschlagen.
Sir Antonio Pappano
Der Dirigent und Pianist Antonio Pappano wurde 1959 als Sohn italienischer Eltern in Epping, England, geboren. Im Alter von 13 Jahren zog Pappano mit seiner Familie in die USA, wo er eine Ausbildung in Klavierspiel, Komposition und Dirigieren erhielt. Mit 21 wurde er Korrepetitor an der New York City Opera. Seine Fähigkeiten als Pianist und Dirigent lenkten die Aufmerksamkeit von Daniel Barenboim auf ihn, dessen Assistent er in Bayreuth wurde. Weitere Stationen waren Barcelona und Frankfurt, wo er Assistent Michael Gielens war. Seinen ersten Auftritt als Dirigent hatte Pappano an der Norwegischen Nationaloper in Oslo, deren musikalischer Leiter er 1990 wurde. 1992 trat er dieselbe Position an der Brüsseler Oper La Monnaie an, wo er bis 2002 blieb. Seit der Spielzeit 2002/03 ist er musikalischer Leiter des Royal Opera House Covent Garden, seit 2005 Chefdirigent der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom.
Weitere Tätigkeiten als Gastdirigent führten ihn unter anderem an die Wiener und die Berliner Staatsoper sowie an die Metropolitan Opera. Pappano arbeitet mit den führenden Orchestern, so den Wiener und Berliner Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Boston, dem Chicago und dem New York Philharmonic Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Philharmonic Orchestra und den Münchner Philharmonikern. Unter seinen Aufnahmen finden sich u.a. Verdis »Don Carlo«, der von dem englischen Gramophone Magazine zur »Performance of the year« gewählt wurde, »Tosca«, »Tristan und Isolde« sowie das Requiem von Verdi ebenso wie Konzerte mit Maxim Vengerov und Leif Ove Andsnes. Im Januar 2012 wurde Pappano zum Ritter geschlagen.
Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia - Roma
Das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia widmete sich als erstes Orchester in Italien ausschließlich dem sinfonischen Repertoire, mit einem Schwerpunkt auf Uraufführungen großer zeitgenössischer Werke wie z.B. Respighis »Fontane di Roma«. Die hervorragende künstlerische Stellung des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia wird ihm durch sein Ranking des Classic FM-Magazins als eines der zehn besten Orchester der Welt bestätigt. Es ist das einzige italienische Orchester, das sich unter Größen wie den Wiener Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam und den Berliner Philharmonikern wiederfindet. Zunächst war das Orchester bei seiner Gründung im legendären »Augusteo« beheimatet, erbaut auf den Ruinen von Kaiser Augustus‘ Mausoleum. Seit seiner Gründung im Jahr 1908 arbeitet es mit den bedeutendsten Dirigenten zusammen, darunter u.a. Gustav Mahler, Richard Strauss, Igor Stravinsky, Arturo Toscanini, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Carlo Maria Giulini und Carlos Kleiber sowie in heutiger Zeit Claudio Abbado, Riccardo Muti, Valery Gergiev und Christian Thielemann.
1983 bis 1990 war Leonard Bernstein dem Orchester als Ehrenpräsident verbunden. Seit Sir Antonio Pappano 2005 Musikdirektor wurde, hat sich das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia international eine Ausnahmeposition erspielt. Mit Pappano an der Spitze gastierte es bei zahlreichen renommierten Musikfestivals, wie den Londoner Proms, dem »Festival der Weißen Nächte« St. Petersburg, dem Lucerne Festival und den Salzburger Festspielen sowie in den renommiertesten Konzertsälen, darunter der Musikverein Wien, die Berliner Philharmonie, das Concertgebouw Amsterdam, die Royal Albert Hall in London, die Salle Pleyel in Paris, die Scala in Mailand, die Suntory Hall in Tokyo und die Semperoper Dresden.
Laeiszhalle Elbphilharmonie Hamburg
Die künftige Elbphilharmonie und die renommierte Laeiszhalle werden aus einer Hand geführt. Generalintendant ist seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Seit der Konzertsaison 2009/10 verantwortet er darüber hinaus ein eigenes Programm mit durchschnittlich 100 Konzerten, die neben den Veranstaltungen der privaten Konzertveranstalter in der Laeiszhalle und anderen ungewöhnlichen Orten in Hamburg stattfinden. Die Elbphilharmonie Konzerte bieten ein facettenreiches, modernes und weltoffenes Programm, welches das Publikum inhaltlich zum künftigen Konzerthaus Elbphilharmonie und die Musikstadt Hamburg in die Zukunft führt. Informationen, Karten und Abonnements erhalten Sie unter www.elbphilharmonie.de, im Elbphilharmonie Kulturcafé am Mönckebergbrunnen, Barkhof 3, 20095 Hamburg, sowie in der Konzertkasse Laeiszhalle. Tickethotline: 040 357 666 66, tickets@elbphilharmonie.de.
Nataly Bombeck und Elena Wätjen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Bild 1: Antonio Pappano © Musacchio & Ianniello/EMI
Bild 2: Ian Bostridge © Simon Fowler/EMI