Bei den 23. Internationalen Haydntagen der Burgenländischen Haydn Festspiele Eisenstadt steht im heurigen Jahr eine musikalische Reise in die Neue Welt auf dem Programm. Sowohl musikalisch als auch geographisch und visuell erwarten die Besucher des Festivals neue Dimensionen. Den Blick gegen Westen gerichtet, beginnt eine spannende Spurensuche, die von Amerika über Puerto Rico und Brasilien in die Karibik und wieder zurück nach Eisenstadt führt. Neue Wege beschreiten die Haydntage im kommenden Jahr aber auch bei der Präsentation der Werke. Beim Eröffnungskonzert wird die Musik nicht nur hörbar, sondern auch „sichtbar“ sein.
„Die Haydn Festspiele Eisenstadt garantieren mit ihrem Programm, dass auch 2011 zum In-ternationalen Haydn-Jahr wird und setzen in ihrer 23. Saison ihre Bemühungen konsequent fort. In all diesen Jahren ist es gelungen Eisenstadt zum weltweiten Zentrum der Haydnpflege zu machen. Kein anderer Ort verfügt über so viele Originalschauplätze zum Leben Haydns wie Eisenstadt. Ein Erlebnis für das internationale Publikum war und ist die Aufführung von Haydns Musik in dem nach ihm benannten Saal im Schloss Esterházy mit seiner besonderen Akustik", betont Helmut Bieler, Landesrat für Kultur und Finanzen im Burgenland
„... und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort“
Bereits 1766, also nur fünf Jahre nach seinem Dienstantritt als Kapellmeister am Esterházyschen Hof, wird Joseph Haydn als „der Liebling der Nation“ gefeiert. Im selben Jahr tauchen erste Spuren von ihm in der Neuen Welt auf: Seine Symphonie Nr. 17 wird in Amerika kopiert. 30 Jahre später vertont Haydn in seinem Oratorium „Die Schöpfung“ unter anderem die Textpassage „... und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort“. „Diese beiden Eckdaten geben bei den Haydntagen 2011 die Richtung vor. Wir schauen Richtung Westen in die Neue Welt des amerikanischen Kontinents und erspüren die wechselseitigen Beziehungen in der Musik“, erklärt Intendant Walter Reicher die Hintergründe zur Ent-stehung des neuen Programms. „Wir haben uns sehr intensiv mit dieser Thematik befasst und sind den Fragen nachgegangen:
- Welche Werke fanden schon zu Haydns Lebzeiten den Weg in die Neue Welt?
- Welche Vorstellung hatte Joseph Haydn von der Neuen Welt?
- Wie ist Haydn die Neue Welt in Musikstücken anderer Komponisten begegnet?
- Welche persönlichen Kontakte hatte er, bis hin zu Treffen mit Revolutionären?
- Welchen Einfluss hat Haydn bis heute auf Komponisten und Künstler aus dieser Welt-gegend?“,
beschreibt Reicher die musikalische Spurensuche, auf die sich die Haydntage 2011 gemein-sam mit ihrem Publikum begeben. Und so viel kann schon vorab verraten werden: Joseph Haydn ist überall - vom Menuett zum Tango, von der Klassik bis zum Jazz, von der Alten in die Neue Welt und wieder zurück.
„High Tech trifft auf Unplugged“
Die Haydn Festspiele nehmen „Neue Welt“ aber auch als Metapher um bei den Haydntagen Neues auszuprobieren. Für die Eröffnung der Haydntage 2011 konnte das Ars Electronica Futurelab gewonnen werden. Frei nach dem Motto „High Tech trifft auf Unplugged“ wird das Eröffnungskonzert ein Erlebnis für alle Sinne. Die Orchester Akademie Ossiach unter der Leitung von Martin Sieghart bringt Antonin Dvoraks „Symphonie aus der Neuen Welt“ und Haydns „Mit dem Paukenschlag“ zur Aufführung. Dabei werden atemberaubende Bilder in Full HD und 3D den Haydnsaal erfüllen und das Klangerlebnis noch verstärken. So wird zu Dvoraks Klängen eine Visualisierung entstehen, die das historische Amerika als Ausgangspunkt einer Reise in die heutige Welt nimmt und zeigt, wie diese im Laufe eines Jahrhunderts von Mensch und Natur gestaltet wurde.
Einen Schritt weiter gehen die Musiker und das Ars Electronica Futurelab dann bei Haydns Paukenschlagsymphonie. Exklusiv für die Haydntage bauen Künstler und Techniker - inspiriert von der Musik Joseph Haydns - in Echtzeit eine virtuelle Welt mit beeindruckenden 3D-Projektionen auf. Mittels Tonabnahme wird Haydns Musik analysiert und das Ergebnis visualisiert. Durch einen speziellen Taktstock obliegt es Dirigent und Orchester zu entscheiden, was das Publikum zu sehen bekommt. Der Musikhörende wird auch zum „Musikbetrachter“.
„Wir beschreiten 2011 neue, spannende Wege. Dennoch hat das Hörerlebnis für uns immer oberste Priorität. Daher haben wir auch wieder die besten Haydninterpreten der Welt zu uns nach Eisenstadt eingeladen“, freut sich Intendant Reicher über eine Künstlerliste, die sich sehen lassen kann: Von Sir Neville Marriner über Trevor Pinnock bis Michael Schneider und Giovanni Antonini, von Sol Gabetta bis Giovanni Sollima, vom Orchestra of the Age of Enlightenment, dem Wiener KammerOrchester über die Wiener Sängerknaben bis zur Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie unter Adam Fischer treffen sich 2011 wieder führende Künstler in Eisenstadt, die vor allem eines verbindet: ihre Liebe zu Joseph Haydn.
„Internationales Symposium“
Doch nicht nur im Rahmen der Konzerte beschäftigt die Haydntage „Haydn & Die Neue Welt“. Bei einem internationalen Symposium (13. – 15. September 2011) gehen Wissenschaftler aus den USA, Brasilien, Großbritannien, Deutschland, Ungarn und Österreich den viel-schichtigen Verflechtungen des Komponisten mit der Neuen Welt und seiner Sehnsucht nach der Ferne vertiefend nach. Dabei werden vier Schwerpunkte gesetzt:
- Welche „Bilder“ über Amerika kursierten zu Haydns Zeit in Europa und in seinem Umfeld? Tobte auf dem amerikanischen Kontinent Mitte der 1770er Jahre doch der Unabhängigkeitskrieg.
- Wie wurden Haydns Werke zu seinen Lebzeiten und bis in die heutige Zeit in Amerika rezipiert?
- Die Konstruktion eines „exotischen“ Amerikas auf der Opernbühne, besonders auf dem Esterházy’schen Hof. Haydn war etwa im Vergleich zu Mozart ein äußerst sesshafter Musiker und brach erst im Alter von knapp 60 Jahren nach London auf. Dennoch gab es stets eine innere Offenheit gegenüber Unbekanntem. Mit seinen Opern begab er sich unter anderem nach Nordamerika, Mexiko und Peru und schuf auf der Bühne exotische Welten. So etwa das orientalische Serail in „L’incontro improvviso“, die einsame Karibikinsel in „L’isola disabitata“ oder das mittelalterliche Damaskus der „Armida“.
- Der vierte Schwerpunkt setzt sich mit der Interpretation von Haydns Werken im Lichte der Amerikanischen Revolution auseinander.
Lassen Sie sich von uns ein wenig in diese neue Welt entführen und genießen Sie Konzerte mit hochkarätigen Künstlern und erstklassiger Musik. Ich freue mich, Sie bei den Haydntagen 2011 in Eisenstadt begrüßen zu dürfen.
Dr. Walter Reicher
Intendant
Haydn Festspiele Eisenstadt
Schloss Esterházy, 7000 Eisenstadt
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