Mit den letzten drei Streichquartetten beendet das ECHO Klassik prämierte Jerusalem Quartet am 22. April im Kleinen Saal der Laeiszhalle seinen Schostakowitsch-Zyklus bei den Elbphilharmonie Konzerten. Bereits seit November 2013 stellen Alexander Pavlovsky, Sergei Bresler, Ori Kam und Kyril Zlotnikov gemeinsam das Quartett-Schaffen des berühmten russischen Komponisten vor.
Im Gegensatz zu seinen Symphonien spiegelt sich im Kosmos der 15 Quartette die vielschichtige Persönlichkeit des Komponisten selbst wider. Statt eines Paukenschlags hat er mit seinen letzten Quartetten hochintensive, in sich gekehrte Werke geschaffen.
Als echte Bekenntniswerke ihres Schöpfers gelten Schostakowitschs letzte Streichquartette. Das Quartett Nr. 13 entstand 1970 als Geburtstagsgeschenk für Wadim Borisowski, den Bratscher des Beethoven-Quartetts, das fast alle Streichquartette von Schostakowitsch uraufgeführt hat. Doch so freudig der Anlass, so verzweifelt klingt die Musik, die bleich und geisterhaft zwischen Tonalität und Atonalität changiert. Schläge mit dem Bogenholz auf die Instrumente werden oft als Verweis auf Foltermethoden des Gulag interpretiert. Heiter mutet im Vergleich das 14. Streichquartett an, das Schostakowitsch ebenfalls einem Gründungsmitglied des Beethoven-Quartetts widmete: dem Cellisten Sergeij Schirinski.
Konzert in Deutschland
Das finale 15. Streichquartett, 1974 komponiert, ist Ausklang und Abgesang von Schostakowitschs eigenem Leben – ein Jahr später starb er in Moskau. Für dieses Werk griff er zu einer radikalen Formlösung: Sechs Adagio-Sätze reihen sich zu einem großen Trauerstück, von dessen erstem Teil der Komponist selbst sagte, er sei so zu spielen, »dass die Fliegen in der Luft tot herunterfallen und das Publikum aus reiner Langeweile den Saal verlässt« ... Eine rätselhafte Aufforderung eines rätselhaften Mannes, dessen Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts nicht genug gewürdigt werden kann! Und eine Aufforderung, die im krassen Gegensatz zur fesselnden Intensität all seiner Werke steht.
Konzert in Hamburg
Di 22.04. / 20.00 Uhr / Laeiszhalle Hamburg
Kleiner Saal
Jerusalem Quartet: Schostakowitsch V
Alexander Pavlovsky, Violine
Sergei Bresler, Violine
Ori Kam, Viola
Kyril Zlotnikov, Violoncello
Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 13 b-Moll op. 138 Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 14 Fis-Dur op. 142 Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 15 es-Moll op. 144 € 39 / 33 / 25 / 11
REDticket der Haspa Musik Stiftung: Die besten verfügbaren Plätze für nur € 10 für alle bis einschließlich 27 Jahre. Das REDticket ist erhältlich im Elbphilharmonie Kulturcafé, im HaspaJoker Shop / Filiale am Jungfernstieg (keine Barzahlung), an der Abendkasse und online.
Jerusalem Quartet
1996 als junges, dynamisches Ensemble angetreten, haben die israelischen Musiker des Jerusalem Quartet einen Reifeprozess durchlaufen, der ihnen erlaubt, auf ein breites Repertoire und eine entsprechende klangliche Tiefe zurückzugreifen, ohne dabei auf ihre Energie und Neugier zu verzichten. Auch in der Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlerpersönlichkeiten wie Alexander Melnikov, Lawrence Power und Sharon Kam wird deutlich, wie sehr die Musiker voneinander profitieren und wie sehr jeder Gast integraler Teil des homogenen Ensembles wird. Das Jerusalem Quartet ist regelmäßiger Gast auf den großen Konzertbühnen dieser Welt. Hohes Ansehen genießt es besonders in Nordamerika, wo das Quartett regelmäßig in Städten wie New York, Chicago, Los Angeles, Philadelphia, Cleveland und Washington auftritt. In der vergangenen Spielzeit gab es zwei ausgedehnte Tourneen durch die USA.
Aber auch in Europa trifft das Jerusalem Quartet auf ein begeistertes Publikum und tritt in den wichtigsten Sälen auf, u.a. in der Tonhalle Zürich, dem Herkulessaal in München, der Wigmore Hall in London und der Salle Pleyel in Paris sowie bei Sondergastspielen im Auditorium du Louvre Paris, beim Festival »Hamburger Ostertöne« in der Laeiszhalle Hamburg und bei der Schubertiade Schwarzenberg. Das Jerusalem Quartet nimmt exklusiv bei Harmonia Mundi auf.
Seine Aufnahmen, im Besonderen von Haydns Streichquartetten und Schuberts »Der Tod und das Mädchen«, wurden mit zahlreichen Preisen, wie etwa dem Diapason d'or, dem BBC Music Magazine Award in der Kategorie Kammermusik und dem ECHO Klassik, ausgezeichnet. 2003 war das Quartett Preisträger des ersten Borletti-Buitoni Trust Awards, und von 1999 bis 2001 Teil der neugeschaffenen Reihe BBC New Generation Artist. In der Spielzeit 2013/14 setzt das Jerusalem Quartet einen Schwerpunkt auf die Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch. Es präsentiert den gesamten Streichquartett-Zyklus in der Wigmore Hall London, der Laeiszhalle Hamburg und im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Zudem stehen u.a. Werke von Mozart, Haydn und Brahms sowie eine Uraufführung von Brian Elias auf dem Programm. Im Januar 2014 erschien die neue CD mit den Streichquartetten von Leoš Janáček und Bedřich Smetana. Damit festigt das Jerusalem Quartet seine Stellung auf Weltrangniveau – und feiert dann in der Saison 2015/16 sein bereits 20-jähriges Bestehen.
Laeiszhalle Elbphilharmonie Hamburg
Die künftige Elbphilharmonie und die renommierte Laeiszhalle werden aus einer Hand geführt. Generalintendant ist seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Seit der Konzertsaison 2009/10 verantwortet er darüber hinaus ein eigenes Programm mit durchschnittlich 100 Konzerten, die neben den Veranstaltungen der privaten Konzertveranstalter in der Laeiszhalle und anderen ungewöhnlichen Orten in Hamburg stattfinden.
Die Elbphilharmonie Konzerte bieten ein facettenreiches, modernes und weltoffenes Programm, welches das Publikum inhaltlich zum künftigen Konzerthaus Elbphilharmonie und die Musikstadt Hamburg in die Zukunft führt. Informationen, Karten und Abonnements erhalten Sie unter www.elbphilharmonie.de, im Elbphilharmonie Kulturcafé am Mönckebergbrunnen, Barkhof 3, 20095 Hamburg, sowie in der Konzertkasse Laeiszhalle. Tickethotline: 040 357 666 66, tickets@elbphilharmonie.de.
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Nataly Bombeck und Elena Wätjen
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Das Jerusalem Quartet feiert in der Saison 2015/16 sein bereits 20-jähriges Bestehen. Bild 1+2 © Felix Broede
