Gesellschaft Freunde der Künste

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von Johann Wolfgang Goethe

Konzeption für eine Tragödie. "Faust - Die Tragödie erster Teil" am Schauspielhaus Mannheim 23.2. bis 24.4.2011

Es war Schiller, der Goethe 1797 beriet und ermutigte, seinen Faust fortzuführen. Elf Jahre danach erschien 1808 Faust – Erster Teil. Schon als 24-jähriger hatte Goethe sich mit dem mittelalterlichen Sagenstoff von dem erkenntnishungrigen Gelehrten, der einen Bund mit dem Teufel schließt, beschäftigt und eine Konzeption für eine Tragödie erstellt, die erst 60 Jahre später mit dem Faust – Zweiter Teil, kurz vor seinem Tod, zum Abschluss kam.

In der Goethezeit stand der Faust mit seinem Wissensdurst und Tatendrang für die bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen in einer vom Feudaladel beherrschten Gesellschaft. Im Zeitalter von Gentechnologie und selbstverschuldeten Naturkatastrophen erscheint das faustsche Streben nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, in einem anderen Licht.

Wissenschaftlicher Fortschritt und globaler Gestaltungswille werden zunehmend unberechenbar. Doch bleibt die Erkenntnis, dass das Schicksal des Menschen der Mensch selber ist und das Leben sich im Augenblick transzendiert: „Man halte sich ans fortschreitende Leben und prüfe sich bei Gelegenheiten; denn da beweist sich’s im Augenblick, ob wir lebendig sind, und bei späterer Betrachtung, ob wir lebendig waren“ (Goethe).

Regie führt der österreichische Regisseur Georg Schmiedleitner, der mit Maria Stuart.

Pressestimmen

Spannende Momente sind Schmiedleitner […] gelungen, etwa im erfreulichen und undiabolischen Pakt zweier Win-Win-Player, der gerade in seiner Pragmatik besonders teuflisch wirkt. Dicht ist auch die Kästchenszene Gretchens, die mit Nadine Schwitter ideal besetzt ist. Weder Lolita noch dumme Gans: Schwitter gelingt das seltene Kabinett-Stück, eine aufrecht Naive ohne Kitsch und Peinlichkeit zu geben.

Mannheimer Morgen

Erstaunlich viel von Goethes Text bleibt erstens erhalten im dreistündigen Mannheimer „Faust“ und wirkt zweitens relativ unabgenützt. Zur mephistophelischen Kabaretteinlage wird der Prolog. Ralf Dittrich bleibt im Folgenden eine überzeugende Mischung aus Animateur und Mafioso. […] Dieser Mannheimer Faust braucht keine forcierten Aktualisierungen. Er ist auch so nah genug am Leben. Frankfurter Rundschau 

Mephisto, ganz klar, hat es in Goethes „Faust“ faustdick hinter den Ohren. Schon im „Prolog im Himmel“ schlawienert sich das intellektuelle Schlitzohr in die Herzen des Mannheimer Nationaltheater-Publikums, wenn der teuflisch-gute Mephisto-Darsteller Ralf Dittrich auf die Bühne kommt und meint, „nö“, das könne er nicht. Natürlich kann er’s! Und weil er es so gut kann, spielt er diese erste „Nummer“ wie ein Stand-up-Comedian. […] Aber „Faust – Der Tragödie erster Teil“ als Comedy, geht das überhaupt? Wenn man es so macht wie der Regisseur Georg Schmiedleitner, den sich Mannheims Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminski als Mann fürs literarisch Anspruchsvolle ins Haus geholt hat, dann funktioniert es sehr gut, weil Schmiedleitner die von Goethe vorgegebene Komödiantik des Dramas herausgearbeitet hat und trotzdem dem tiefschürfenden Geist der Dichtung seine Referenz erweist. […] Publikumsliebling ist ganz eindeutig Ragna Pitoll als erstklassig verluderte Kupplerin Marthe.

Rhein-Neckar-Zeitung

Schmiedleitners „Faust I“ ist auf moderate drei Stunden eingestrichen, erzählt aber fast die ganze Geschichte mit den wichtigsten Figuren. Dennoch ist dem Regisseur der Text kein Heiligtum, es wurde gekürzt, umgestellt, montiert, anderen Figuren zugeordnet, Passagen in Gegenwartssprache eingefügt. Vor allem aber hat der Regisseur dieser Tonspur eine fast filmische Bilderfolge hinzu erdacht, die eine eigene Faust-Geschichte erzählt, manchmal ein paar Gedankensprünge weit weg von Goethe, dafür gegenwärtig und jederzeit nachvollziehbar.

Die Rheinpfalz

Kontakt

Sandra Strahonja

Pressereferentin Oper und Schauspiel

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