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Kommentar: Medienkonzerne zwischen Radikal-Diät und Monopolisierung

Welche Überraschungen bescheren uns die Medien denn wohl in diesem Jahr: Mehr Stellenabbau innerhalb der Redaktionen oder Wachstum der Mächtigen durch weitere Fusionen? Im vergangenen Jahr nagten auf der einen Seite etliche Verlage am Existenzminium, das sie durch Stellenabbau und Verkäufe zu sichern suchten. Auf der anderen Seite gab es aber auch Verlage, welche andere fleißig aufkauften und trotzdem Mitarbeiter entließen. Warum also nicht gleich beides: Seine Monopolstellung ausdehnen und dabei überflüssige Arbeitskräfte einsparen. Denn die Hauptsache ist ja schließlich, dass die Kassen voll werden, oder?

 

Bauer sucht Gewinne im Ausland

Werfen wir mal einen Blick zurück auf die vergangenen Monate. Im Dezember kündigte der Hamburger Bauer-Verlag ("TV Movie", "Bravo") an, dass er im Inland mehr Stellen abbauen werde und sein Geschäftsinteresse zunehmend auf seine Auslandstöchter verlagern werde. Wie der Verlag auf einer Bilanzpressekonferenz mitteilte, stieg der Gesamtumsatz um 1,3 Prozent auf 1,81 Millionen Euro. Der Inlandsumsatz fiel jedoch um sieben Prozent auf 910 Millionen Euro. Grund genug für Bauer, das Personal im Inland um rund fünf Prozent auf 3322 Mitarbeiter zu reduzieren, wohingegen die Mitarbeiterzahl im Ausland kräftig anstieg. Weitere Stellenstreichungen sind angekündigt.

 

Stellenstreichung auch bei der WAZ-Gruppe

Im gleichen Monat meldet auch die "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen Abbau von insgesamt 260 Stellen. Betroffen sind vor allem die Lokalredaktionen. Als Grund für die Streichungen gibt die Mediengruppe Defizite an, welche die vier Titel "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ"), "Neue Ruhr/Neue Rhein- Zeitung" ("NRZ"), "Westfälische Rundschau" ("WR") und "Westfalenpost" ("WP") zusammen erwirtschafteten. Schuld daran seien die Auflagenrückgänge und ein Anzeigenverlust, der laut Geschäftsführer Hombach im Vergleich zum Vorjahr rund 30 Prozent beträgt. Zusätzlich zum Stellenabbau sei geplant, die Mantelredaktionen von drei der vier Titel in Nordrhein-Westfalen zusammenzulegen. Kritik an der Umstrukturierung kommt besonders von Seiten Michael Konken, dem Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Schließlich könne bei einem gleichförmigen Einheitsblatt unter vier verschiedenen Titeln keine journalistische Qualität erbraucht werden. Ob die WAZ-Gruppe dann ihre Rendite steigern könne, ist ebenfalls fragwürdig.

 

DuMont Verlag will mehr

Verhandlungen laufen derzeit außerdem zwischen dem Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und dem britischen Investor David Montgomery über den Verkauf der "Berliner Zeitung". Sicher ist: Seine Mecom-Gruppe befindet sich in einem verzweifelten Überlebenskampf. So steht einem Börsenwert von umgerechnet rund 18 Millionen Euro ein Schuldenberg von 605 Millionen Euro gegenüber. Von dem Absturz des mit 300 Zeitungen starken Imperiums ist in Deutschland neben der "Berliner Zeitung" auch die "Hamburger Morgenpost" betroffen. Dass der DuMont Verlag Interesse anmeldet, ist nicht verwunderlich. Schließlich hat er sich bereits einige Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau und der Kölner Stadt-Anzeiger einverleibt.

 

Qualitätsjournalismus durch Fusion?

Angesichts dessen sind es noch fast milde Nachrichten, wenn Holtzbrinck ankündigt, dass die Online-Ausgabe des Hamburger Wochenmagazins "Die Zeit" ab 1. Februar zur bundesweiten journalistischen Onlinevorzeigemarke der Verlagsgruppe werden soll. Dazu sollen die Online-Portale "zeit.de", "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" in einer neuen, 75 Mitarbeiter starken Einheit "Zeit Digital" gebündelt werden. In Berlin werde eine große Hauptstadtredaktion unter der Leitung von "Zeit Online" entstehen, von deren Inhalten nach eigenen Angaben auch "tagesspiegel.de" und "zoomer.de" profitieren sollen. Vom "Qualitätsjournalismus" ist die Rede. Ob damit auch journalistische Vielfalt gewährleistet bleibt und ob bei dieser internen Umstrukturierung alle Mitarbeiter der drei Redaktionen langfristig ihren Arbeitsplatz behalten werden, bleibt abzuwarten.

 

Leider nichts Neues

Dabei ist die Pressekonzentration längst eine gängige Praxis. Auch die Tatsache, dass die meisten auflagestarken Tageszeitungen und Zeitschriften von den vier großen Konzerne Bertelsmann, Springer, Bauer und Burda stammen, ist ein alter Hut. Diese vier sind es auch, die zusammen mit der Kirch-Gruppe, der WAZ-Gruppe und der Holtzbrinck-Gruppe den privaten Hörfunk- und Fernsehmarkt beherrschen. Die Monopolisierung der Medien ist ein schleichender Prozess und der Ökonomisierungstrend zieht noch ganz andere Folgen als Stellenstreichungen mit sich: eine zunehmende Boulevardisierung der Presse im Allgemeinen und der politischen Berichtserstattung im Besonderen. Bereits 2007 hat eine Studie der Universität Jena ergeben, dass Themen für Nachrichtensendungen im Fernsehen immer mehr am Kundenwunsch orientiert seien anstatt nach journalistischen Kriterien wie Aktualität ausgewählt würden. Nachrichten ohne Bilder hätten kaum noch eine Chance auf einen Platz in Sendungen. Die Folge sei, dass TV-Nachrichten immer unpolitischer würden, weil relevante Themen ohne ansprechende Aufmachung den Geschichten mit einer menschlichen Note oder Angstthemen weichen müssten.

Auch in der Medienbranche bestimmen die Nachfrage das Angebot, sowie der Kunde die Einschaltquoten und Verkaufszahlen. Doch die Ökonomisierung in der Mendienbranche wird spätestens dann bedenklich, wenn dabei "die Achtung der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit" als die obersten Gebote des Pressekodex auf der Strecke bleiben. Dann besteht die Gefahr, dass dem Krawalljournalismus nach dem Motto "Schlechte Presse ist auch Presse" Tür und Tor offen gehalten werden.