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Kleinlautes Essen: Ex-Indentant Kaufmann bleibt als Berater

Anscheinend hat die Stadt Essen inzwischen doch kapiert, dass sie durch den Fall des gefeuerten Intendanten Michael Kaufmann ihrem Image einen beachtlichen Schaden zugefügt hat. Nun darf der geschasste Intendant der Ruhrmetropole doch als Berater der Philharmonie erhalten bleiben und wird bei den Planungen für das Kulturhauptstadt-Jahr mitwirken. Damit ist Kaufmann rehabilitiert und von den Vorwürfen, er habe das Etat um fast zwei Millionen überzogen spricht nun kein Mensch mehr.

 

Wenn es an die Kohle geht…

So kann man es also auch machen. Erst wird Kaufmann für seine Arbeit, dass er das Konzerthaus in vier Jahren zu einer der ersten Adressen der Region gemacht hat, hoch gelobt. Sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung erhielt der Ex-Intendant. Doch dann hat sich Essen für das Kulturhauptstadtjahr 2010 umorientiert: Das ursprüngliche Motto "Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur" wich dem Plan, ein massenkompatibles Programm auszurichten. Diesem Vorsatz sollte anscheinend auch die Philharmonie zum Opfer fallen. So gab es seitens der Stadt schon seit Februar Bestrebungen, den Konzertbetrieb einerseits zu reduzieren und den Saalbau kommerzieller zu vermarkten. Dazu wurde Kaufmann, anstatt der ursprünglich ausgeschriebenen Stelle einer "Assistenz der Intendanz", ohne dass er gefragt wurde, ein technischer Berater zugeordnet. Und damit nicht genug. Als es darum ging, dass Kaufmann sein erfolgreiches Programm stabilisieren wollte, herrschte plötzlich ein anderer Wind, denn beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf. Ein Vorwurf musste her: Natürlich, er habe das Etat überzogen.

 

Viel Lärm um nichts

Glücklicherweise hatte Kaufmann zahlreiche Sympathisanten, die die Anschuldigungen nicht glaubten und auf die Stadt Essen Druck ausübten. So war in Essen mehrfach zu hören, dass Berthold Beitz intern erklärt habe, dass sich die Krupp-Stiftung über die 55 Millionen Euro hinaus, mit denen sie dem Museum Folkwang einen Neubau spendiert, nicht an der Kulturhauptstadt beteiligen werde, bis Michael Kaufmann rehabilitiert sei. Auch der Dirigent Kurt Masur drohte, nicht eher wieder in der Essener Philharmonie aufzutreten, bis Kaufmann auf den Intendantenstuhl zurückkehre. Nachdem das Kuratorium der Philharmonie in einem „Memorandum“ darlegen konnte, dass nicht Kaufmann, sondern die Geschäftsführung der Theater und Philharmonie (TuP) für den überzogenen Etat verantwortlich sei, wurden die Vorwürfe immer unglaubwürdiger, was auch der Medienöffentlichkeit nicht entging.

 

Ende gut alles gut?

Jetzt darf der Ex-Intendant der Essener Philharmonie als Berater doch bleiben. Seine fristlose Kündigung wurde zurückgenommen, was Kaufmann selbst als Beweis dafür sieht, dass die Vorwürfe falsch gewesen seien. Sein Posten ist selbstverständlich wieder besetzt. An Kaufmanns Stelle ist seit Anfang Dezember Dr. Johannes Bultmann getreten, der in den 1990er Jahren mehrere internationale Musikfestivals in Nordrhein-Westfalen organisierte und zuletzt zehn Jahre lang Direktor für den künstlerischen Bereich am Festspielhaus Baden-Baden war. Für die Philharmonie ist das sicherlich ein Zugewinn, immerhin hat sie nun zwei kompetente Größen auf einen Schlag. Aber leider nicht für einen Preis. Und wer soll das nun bezahlen?

 

Wie das bei den Nachbarn in Bonn läuft

Übrigens: Erst im Oktober hat das Oberlandesgericht in Köln über einen ähnlichen Fall, den von Dr. Wenzel Jacob, entschieden. Auch er wurde aufgrund des Vorwurfs, Steuergelder verschwendet zu haben, entlassen. Der Kunsthistoriker war ab 1989 geschäftsführender Direktor und hat durch publikumswirksame Attraktionen wie etwa Freiluftkonzerte, entscheidend dazu beigetragen, dass die Museumsmeile von Besuchern über die Region hinaus bevölkert wurde. Weil die Touristen natürlich auch insgesamt Geld in die Stadt brachten, haben Politiker den ehemaligen Intendanten zunächst hoch gelobt. Als aber heraus kam, dass sich eben durch diese Investition in Freiluftkonzerte binnen vier Jahren Schulden in Höhe von sechs Millionen Euro angesammelt hatten, da war das Geschrei natürlich auch in Bonn groß.

Nun hat das Gericht die ordentliche Kündigung Jacobs für unrechtmäßig erklärt, weil er nach über 15 Dienstjahren ohnehin unkündbar war. Die Kunsthalle ist jetzt verpflichtet, Jacob die rückständigen Gehaltsbeträge in Höhe von knapp 70 000 Euro zu zahlen und ihn in einer – seiner früheren Tätigkeit als Intendant und Direktor – vergleichbaren Position weiter zu beschäftigen. Der Haken an der Sache ist nur der, dass es diese Position nicht gibt. Für Wenzel Jacob ist das sicherlich ein Erfolg mit Wehrmutstropfen. Ob die Steuergelder nun besser investiert sind, sit außerdem mehr als fragwürdig. Was bleibt, ist nur die Hoffnung, dass früher oder später auch von Seiten der Politik begriffen wird, dass „Kunst und Kultur“ unverzichtbare Bestandteile der alltäglichen Orientierung sind und nebenbei auch "Hartwährung" sein können. Die Voraussetzung ist aber, dass man ab und zu auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus schaut.