Eine eigenartige Atmosphäre herrscht von Anfang an. Da übernimmt der junge Arzt François einen Job in der Provinz und verlässt ungerührt Freundin, Freunde und sein bisheriges Leben in Paris. Für eine Finanzgruppe übernimmt er die medizinische Versorgung einer Neubausiedlung. Am "Hügel von Beauval" - so der euphemistische Name für einfallslose Architektur - reiht sich ein properes Einfamilienhäuschen neben das andere, im Film untrügliches Zeichen für Unordnung hinter der Fassade. Und genau, auch hier lauert das Böse, das Unerklärliche, das Unheimliche. Eine Jugendclique folgt nächtens seltsamen Ritualen im Wald, die Jungs treiben Mädchen zu dubiosen Mutproben und markieren mit dicker Lippe coole Superhelden, lehren die Erwachsenen das Fürchten. Während die weiblichen Gangmitglieder pubertär den Arzt anhimmeln und mit vorgetäuschten Krankheiten ans Bett locken, sehen die Mini-Machos in ihm Konkurrenz, provozieren und verunsichern ihn. Als bei einem der riskanten Spiele eine Zwölfjährige von einem Auto überfahren wird und der Schuldige unerkannt entkommt, konzentrieren sich die Anführer auf den Arzt als Sündenbock. Dass die Rache nur eine Frage der Zeit ist, kapiert der Zuschauer schnell.
Bis dahin ziehen die Jugendlichen durchs Gebüsch, blitzen immer wieder Taschenlampen im Dunkeln auf, brettert der Doktor ständig über Landstraßen, steigt ins Auto und dann wieder aus, besucht den Schöpfer der sauberen Siedlung samt undurchschaubarer Gattin und schaut oft ins Leere. Zwischendurch taucht die Freundin aus der Metropole auf und fährt wieder weg. Ein bisschen Lolita-Feeling darf auch nicht fehlen, wenn ein hübsches Ding ihn aus der Reserve locken will.
Regisseurin Geraldine Bajard spielt hier mit Elementen des Genrefilms, fügt sie aber nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammen, sondern nur zu einem fragmentarischen Konstrukt. Jede kleine Einzelheit steckt bedeutungsschwanger voller Interpretationsmöglichkeiten, eine sehr gut inszenierte und fast kaum auszuhaltende permanente Bedrohung liegt über allem, die aber letztendlich nicht eingelöst wird, sondern verpufft. Und auch die psychologische Dimension verschwindet wie eine Fata Morgana.
Die Charaktere, allen voran Melvil Poupaud, der seine Qualitäten nicht ausspielen kann, bleiben trotz sukzessiver Dramatik holzschnittartig, einzig die Kamera mit oft sehr eigenwilligen Einstellungen und die Musik wecken Emotionen und Interesse. mk. Quelle: www.kino.de
Drama - Frankreich/Deutschland 2010
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren - 101 Min. - Verleih: RealFiction
Start: 28.04.2011
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