In der französischen Hafenstadt Le Havre lebt Marcel Marx, ein früherer Bohemien und Schriftsteller, mehr schlecht als recht vom Schuheputzen. Doch er hat eine gütige und leider auch schwerkranke Frau und viele Freunde. Obgleich er bei Bäckerin, Gemüsehändler und Barwirtin tief in der Kreide steht, helfen sie ihm, als er einen afrikanischen Flüchtlingsjungen vor den Behörden versteckt und auf ein Schiff zu dessen Mutter nach England schummelt. Sogar der knurrige Polizeiinspektor drückt ein Auge zu.
Ein traumhaft schönes Sozial-Märchen vom finnischen Pessimisten Aki Kaurismäki, das einfach rundum glücklich macht und an der Croisette die Herzen eroberte.
Minutenlanger tosender Applaus in Cannes für Aki Kaurismäki, der dann leider doch keinen Preis erhielt. "Le Havre" ist ein Sehnsuchtsort und ein menschlicher und wunderbarer Film, in seiner Gesamtheit einfach unwiderstehlich und nicht nur für Akiphile ein Muss! In der französischen Hafenstadt lebt der Schuhputzer Marcel Marx, ein früherer Bohemien und Schriftsteller, er hat nicht viel Geld aber eine gütige und leider auch schwerkranke Frau (Kati Outinen) und viele Freunde. Obgleich er bei Bäckerin, Gemüsehändler und Barwirtin tief in der Kreide steht, helfen sie ihm, als er einen afrikanischen Flüchtlingsjungen vor den Behörden versteckt und auf ein Schiff zu dessen Mutter nach England schummelt. Sogar der knurrige Polizeiinspektor (Jean-Pierre Darroussin in einer Reminiszenz an Jean Gabin) drückt ein Auge zu und hält seine Häscher in Schach, während Jean Pierre Léaud den intriganten Nachbarn gibt. Mit großer Zärtlichkeit und leiser Heiterkeit betrachtet der sonst so pessimistische Finne seine lieben Melancholiker, wie sie sich durchbeißen und zusammenhalten, lakonische Dialoge aufsagen, mit altmodischen Autos durch die Gegend kutschieren und mit Little Bob, dem kleinwüchsigen Elvis Presley von Le Havre, ein Benefizkonzert für den Flüchtenden auf die Beine stellen.
Nach fünf Jahren Leinwandabstinenz lässt Kaurismäki in einer kalten kapitalistischen Welt Solidarität und Subversion blühen, verzaubert mit ungewohnter Leichtigkeit und poetischem Realismus, verbeugt sich vor dem Werk von Jean-Pierre Melville und dem französischen film noir. Souverän balanciert er zwischen Realismus der Außen- und Stilisierung der Innenszenen unterstützt von Timo Salmines sorgfältiger Kamera, die gedämpfte Rot- und Blautöne einfängt. Der Humor ist an Absurdität kaum zu übertreffen, ob Darroussin nun mit einer Ananas Farbe in die triste Kneipe bringt oder Hauptdarsteller André Wilms bei der Lagerleitung sich als Onkel des schwarzen Jungen einführt und seine weiße Hautfarbe damit erklärt, er sei der Familien-Albino. Ohne Angst vor Sentimentalität zieht der wortkarge Regisseur das Herz-Ass und gewinnt die Herzen mit dem "happiest Ending in filmhistory", wie er den fantasievollen Schluss augenzwinkernd nennt. mk.
Komödie Finnland/Frankreich/Deutschland 2011
Laufzeit: 93 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)
André Wilms
Jean-Pierre Darroussin
Kati Outinen
Regie: Aki Kaurismäki
Verleih: Pandora

