Es ist die Geschichte über eine dieser Begegnungen, die das ganze Leben verändern können: das Zusammentreffen in einem Park zwischen Germain (Gérard Depardieu), um die 50, praktisch Analphabet, und Margueritte (Gisèle Casadesus), einer kleinen alten Dame und leidenschaftlichen Leserin. Vierzig Jahre und hundert Kilo trennen sie. Eines Tages setzt sich Germain zufällig neben sie. Margueritte liest ihm Passagen aus Romanen vor und eröffnet
ihm die Welt und die Magie der Bücher, von denen sich Germain immer ausgeschlossen fühlte. Für sein Umfeld, die Freunde im Bistro, die ihn bis jetzt für einen Einfaltspinsel hielten, wechselt die Dummheit mit einem Mal die Seite ... Aber Margueritte verliert immer mehr ihr Augenlicht und aus tief empfundener Freundschaft zu dieser charmanten, verschmitzten und aufmerksamen alten Dame, übt Germain lesen und zeigt ihr, dass er in der Lage sein wird, ihr vorzulesen, wenn sie selbst es nicht mehr kann.
DAS LABYRINTH DER WÖRTER ist eine Geschichte voller Humor und Lebensfreude, mit einem bemerkenswert guten Gérard Depardieu und einer Hauptdarstellerin an seiner Seite, Gisèle Casadesus, der das Alter nichts von ihrem Charme genommen hat. Mit wunderbarem, feinem Sprachgefühl – der Originaltitel LA TÊTE EN FRICHE bedeutet so viel wie „Der brach liegende Kopf“ – ist Regisseur Jean Becker ein zu Herzen gehender, lustiger, durch und durch menschlicher Film gelungen. Zärtlich, voller Hoffnung erzählt DAS LABYRINTH DER WÖRTER davon, dass es nie zu spät ist, Neues zu lernen und glücklich zu sein.
Wie schon in „Dialog mit meinem Gärtner“ und „Ein Sommer auf dem Land“ beschwört Becker einmal mehr mit meisterhafter, auf den Punkt gebrachter Leichtigkeit sein Thema: die Menschlichkeit, den Realismus des Landlebens, den Charme und die Kultiviertheit des Herzens der so genannten „Kleinen Leute“...
„Dieser Germain, das hätte ich sein können“, so charakterisiert Depardieu eine Rolle, die ihm geradezu perfekt auf den eindrucksvollen Leib geschrieben scheint. Ihn als tollpatschigen, gutmütigen, vom Leben gezeichneten Germain zu sehen, zählt zu den großen Momenten der Filmgeschichte.
Jean Becker wurde 1938 in Paris als Sohn der Regisseurs Jacques Becker geboren. Er arbeitete als Regieassistent für seinen Vater und für Henri Verneuil. Als sein Vater 1960 plötzlich verstarb, führte Jean die Dreharbeiten von dessen Ausbruchsdrama LE TROU „Das Loch“ zu Ende. Danach blieb er dem Metier treu, drehte drei Krimis bzw. Kriminalkomödien mit Jean-Paul Belmondo (UN NOMMÉ LA ROCCA, „Sie nannten ihn Rocca“; ÉCHAPPEMENT LIBRE, „Der Boss hat sich was ausgedacht“, TENDRE VOYOU, „Geliebter Schuft“) und arbeitete fürs Werbefernsehen. 17 Jahre später feierte er mit seinem Leinwandcomeback L’ÉTÉ MEURTRIER („Ein mörderischer Sommer“) Triumphe. Der in der Provinz angesiedelte Thriller, ein großer Boxoffice-Erfolg in Frankreich, brachte Isabelle
Adjani den César als Beste Hauptdarstellerin.
Nach einer weiteren mehrjährigen Auszeit sorgte er mit ELISA („Elisa“) mit Gérard Depardieu für Furore. Der Film machte Sängerin Vanessa Paradis zum Star und wurde mit dem César in der Kategorie Beste Musik ausgezeichnet. In der Literaturverfilmung LES ENFANTS DU MARAIS („Ein Sommer auf dem Lande“) mit Gisèle Casadesus schuf er ein stimmungsvolles Porträt der „kleinen Leute“
und ein Plädoyer für Menschlichkeit. Die Drehbücher seiner Filme schreibt Becker meist selbst, häufig sind es Adaptionen von Romanen. Die Familie Becker hat sich inzwischen in der dritten Generation dem Filmemachen verschrieben: Jean Beckers Sohn Louis produzierte seit 2006 drei Filme seines Vaters,
DIALOGUE AVEC MON JARDINIER („Dialog mit meinem Gärtner“), DEUX JOURS À
TUER („Tage oder Stunden“) und DAS LABYRINTH DER WÖRTER.
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