Verwirrende Liebesverstrickungen von den 1960er Jahren bis ins neue Jahrtausend mit Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni als Mutter und Tochter.
Ist Liebe eine Macht, die das Leben lebenswert macht oder uns dazu bringt, das Leben wegzuwerfen? Zwischen diesen beiden extremen Polen bewegt sich Christophe Honoré, der mit viel Chansons zu dem Schluss kommt, dass der Mensch ohne den anderen leben kann, aber nicht ohne ihn zu lieben. Das hört sich komplizierter an, als es ist. Zur Untermauerung seiner These, zieht er den Bogen von der sexuellen Revolution der 1960er Jahre bis hin zum Anfang des neuen Jahrtausends mit der Angst vor Bindung und Aids, von der "joie de vivre" bis zum Ende der Sorglosigkeit.
In der ersten Episode stibitzt eine junge Schuhverkäuferin ein Paar knallrote Highheels und wird prompt auf der Straße für eine Prostituierte gehalten. Bald verknallt sich das Mädchen für gewisse Stunden in einen jungen tschechischen Arzt und folgt ihm zur Hochzeit nach Prag. Der attraktive Typ hat nicht gerade die Treue erfunden und als dann noch die Russen 1968 einmarschieren, kehrt Madame mit Baby nach Paris zurück. 30 Jahre später - die Pariserin ist ganz bürgerlich mit einem Polizisten verheiratet, teilt aber regelmäßig das Laken mit dem Ex bei seinen Stippvisiten an der Seine - gerät die Tochter an den emotionalen Abgrund. Liebe auf den ersten Blick verbindet sie mit einem Musiker in einem Londoner Club. Eigentlich eine hoffnungslose Liebe, der Mann ist homosexuell und HIV-infiziert. Über Jahre gibt sie nicht auf, wegen des Terroranschlags am 11. September 2001 in New York treffen sie sich in Kanada, es kommt zu einer letzten tragischen Begegnung.
Honoré kombiniert perfekt Traurigkeit mit Leichtigkeit, bringt erstmals Catherine Deneuve und ihre Tochter Chiara Mastroianni als Mutter und Tochter auf die Leinwand, die eine lebens- und liebeslustig, die andere melancholisch und verzagt, mutlos und übermütig. Beide jagen einer Chimäre nach, der Erfüllung in der Liebe, erfahren große Freude und tiefes Leid. Die Chansons von Alex Beaupain (komponierte schon die Songs für "Chanson der Liebe") markieren die ambivalente Tonalität des Films, fungieren als innere Monologe und Zufluchtsorte, scheinen fröhlich und trivial und überdecken dabei nur den Schmerz, den jede auf ihre persönliche Weise bewältigt. Komplettiert wird das eindrucksvolle Duo von einem gut aufgelegten Milos Forman als Jaromil, der das Leben nimmt, wie es ist. Für Cinéasten ein ganz besonderes Vergnügen sind die Referenzen an Jacques Demy, François Truffaut oder Luis Bu?uel. Und Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" ist auch nicht weit. mk. Quelle: www.kino.de
Frankreich/Großbritannien/Tschechien 2011
Laufzeit: 139 Min.
FSK: ab 12 Jahre
Catherine Deneuve
Ludivine Sagnier
Milos Forman
Regie: Christophe Honoré
Verleih: Senator


Fotos: Senator




