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(Liebes-)Abenteuer quer durch die Tiber-Metropole

Kinostart 30.8: To Rome with Love - Woody Allens junge Liebe zur alten Welt mit dabei Penélope Cruz und Alec Baldwin

„Ist es nicht schön, mal nur so zum Vergnügen zu verreisen?“, fragt Judy Davis ihren Filmehemann Woody Allen in dessen neuer Komödie TO ROME WITH LOVE, die, wie der Titel schon erahnen lässt, in der Ewigen Stadt spielt. Und Allen antwortet in aller Bestimmtheit und Kürze: „Nein!“ Der, der da spricht, scheint das Alter Ego Allens zu sein, des ewigen Stadtneurotikers, für den es außerhalb Manhattans gar keine bewohnbare Welt gab. Und für den die Qualität einer jenseitigen Welt davon abhing, „wie weit sie von der Innenstadt entfernt“ ist. So verwundert es wenig, dass Allen für mehr als 30 Kinoprojekte − darunter die als schwarz-weiße Bildsymphonie gestaltete Liebeserklärung MANHATTAN (1979) – seinen  geliebten Big Apple kaum verließ und so zum wohl berühmtesten filmischen Chronisten seiner Heimatstadt avancierte: "Ich habe jeden Zentimeter der Stadt abgedeckt. Ich habe versucht, New York als die romantischste, wärmste, schönste Stadt der Welt darzustellen."  

 

Vor allem für die sonnige Westküste der USA hatte Woody Allen nie sonderlich viel übrig. "Los Angeles", so ließ er schon sein alter Ego Alvy Singer im STADTNEUROTIKER (1977) lästern, "ist eine intellektuelle Wüste, deren einziger Beitrag zur amerikanischen Kultur darin besteht, dass man bei Rot rechts abbiegen darf." Auch künstlerisch wahrte Allen stets große Distanz zu Hollywood, was ihn allerdings nicht davon abhielt, fast alle großen Hollywood-Stars vor seine Kamera zu holen − und andererseits Hollywood nicht davon abhielt, ihm schon viermal einen Oscar zu verleihen, den er aber nie persönlich in Empfang nahm. Nur 2002 erschien er einmal leibhaftig auf einer Oscar-Verleihung, allerdings nur, um nach den Anschlägen des 11. September Werbung für den Drehort New York zu machen.

 

Da New York eine geistig-kulturelle Übergangszone zwischen den Kontinenten darstellt, lag Europa Woody Allen aber eigentlich nie sonderlich fern. Spiegelten sich immer schon Einflüsse der europäischen Kultur − Bergmann, Tschechow, Kafka und natürlich die Psychoanalyse − in seinen Filmen wider, so kamen diese beim europäischen Publikum oft auch besser an als in den Staaten. „In Frankreich“, so Allen, „bin ich viel bekannter als hier. Die müssen großartige Untertitel haben.“ Vor diesem Hintergrund erscheint es dann nicht mehr ganz so überraschend, dass er vor einigen Jahren zu einer cineastischen Europareise aufbrach. Deren erste Station bildete 2005 das in der britischen Oberschicht angesiedelte und hoch gelobte Drama MATCH POINT, dem drei weitere in London gedrehte Filme folgten: Die Komödien SCOOP − DER KNÜLLER (2006) und ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME (2010) sowie die düstere Moralstudie CASSANDRAS TRAUM (2007).

 

Unterbrochen wurde diese "englische Serie" nur von einem Abstecher in die New Yorker Heimat (WHATEVER WORKS - LIEBE SICH WER KANN, 2009) und einem Trip nach Spanien, wo die Komödie VICKY CRISTINA BARCELONA (2008) entstand, die Penélope Cruz einen Oscar als Beste Nebendarstellerin einbrachte. Nicht nur mit dem Oscar für das Beste Originaldrehbuch, sondern auch mit dem bislang besten weltweiten Einspielergebnis seiner Karriere wurde Allen zuletzt für seine mit vielen frankophilen Klischees spielende Komödie MIDNIGHT IN PARIS (2011) belohnt: Ein schönes Reisesouvenir − und eine willkommene Aufbesserung der Reisekasse. Denn der Europa-Trip geht weiter, nämlich jetzt, mit TO ROME WITH LOVE − und Eingeweihte wissen schon: Zwischen Kolosseum und Petersdom wird es nicht nur Friede, Freude, Pizza-Essen geben, sondern auch allerhand Turbulenzen, Missverständnisse und Nervenkrisen − eine Extraportion Sole, Vino und Amore inklusive.

 

 

Woody, Oscar und die Frauen

 

In Woody Allens neuer Komödie TO ROME WITH LOVE, die komplett in der Ewigen Stadt gedreht wurde, geht es nicht zuletzt wieder einmal um die komplizierten Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die auch hier vorwiegend als EHEMÄNNER UND EHEFRAUEN (1993) auftauchen. „Die Ehe ist ein Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man alleine nie gehabt hätte“, meinte Woody Allen einmal und ist mittlerweile doch selbst schon zum dritten Mal verheiratet. Ganz so schlimm scheint er diese Institution demnach doch nicht zu finden. Mit seinen bisherigen Gattinnen oder Lebenspartnerinnen verband ihn stets auch eine sehr intensive und produktive Arbeitsbeziehung: Mit der Schauspielerin Louise Lasser realisierte er mehrere Filme, Mia Farrow brillierte in den unterschiedlichsten Rollen gleich 13-mal unter seiner Regie, und Diane Keaton avancierte durch die gemeinsame Arbeit zur Oscarpreisträgerin (Beste Hauptdarstellerin in DER STADTNEUROTIKER, 1977) und zum Hollywood-Superstar.

 

In seinen Filmen gestaltet sich die monogame Zweierbeziehung in der Regel aber tatsächlich eher problematisch bis katastrophal, denn für Allens, häufig von ihm selbst gespielten, männlichen Protagonisten scheint einmal mehr zu gelten, was er auf sich bezogen folgendermaßen formulierte: „Das Schwierigste am Leben ist, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis.“ Im Kampf mit dem Verstand siegt deshalb meistens die zerstörerische erotische Begierde, die den Testosteron gesteuerten Marionetten stets einen faulen Kompromiss ins Ohr flüstert: „Schön, wenn man die Frau fürs Leben gefunden hat. Noch schöner, wenn man ein paar mehr kennt.“

 

Und Woody Allen kennt viele und hatte sie fast alle − vor seiner Kamera. Die berühmtesten Filmdarstellerinnen aus aller Welt stehen schon seit Jahren bei ihm Schlange, um in einem seiner Filme zumindest für eine Nebenrolle besetzt zu werden. Allens Frauenfiguren entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als äußert unterschiedlich und vielschichtig, und einige seiner Filme stellen sogar ganz ernsthaft spezifische Frauenprobleme in den Mittelpunkt, weshalb sie geradezu als Emanzipationsgeschichten bezeichnet werden dürfen − man denke nur an INNENLEBEN (1978), ALICE (1990) oder EINE ANDERE FRAU (1988).

 

Doch einmal für einen Allen Film besetzt, scheint der Erfolg vorprogrammiert zu sein. Die Liste der Darstellerinnen, die für ihre Haupt- oder Nebenrollen in einem Meisterwerk des Ausnahmeregisseurs entweder mit einem Oscar nominiert oder ausgezeichnet wurden, liest sich wie das Who-is-Who der Topschauspielerinnen: Diane Keaton, Diane Wiest, Mira Sorvino, Penélope Cruz, Geraldine Page, Maureen Stapleton, Mariel Hemingway, Jennifer Tilly, Judy Davis sowie Samantha Morton.

 

An der Seite von Alec Baldwin, Roberto Benigni, Ellen Page, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig und vielen anderen treten gleich zwei dieser ausgezeichneten Damen in TO ROME WITH LOVE wieder in Erscheinung, nämlich Judy Davis und Penélope Cruz − und zwar in höchst unterschiedlichen Rollen: Die eine als Allens genervte Ehefrau Phyllis und die andere als das ebenso atemberaubende wie ungenierte Callgirl Anna. 

 

Claudius Andersen                                     
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