Rebell, Skandalregisseur, jüngster Theaterintendant – Leander Haußmann kostet die vielseitigen Facetten des Lebens gerne aus. Aufgewachsen als Bürger der DDR in einem kommunistisch geprägten Umfeld stand er schon damals quer zu allem, was die Ideologie ihm vorschrieb. Er war aber kein sturer Revoluzzer oder Widerstandskämpfer, sondern bewegte sich mit der Klugheit und dem Witz eines Künstlers in diesem System wie ein Fisch im Wasser. Genau diese Eigenschaft überträgt er auch auf Hans Zeisig (Michael „Bully“ Herbig), den naiven, aber respektlosen Helden wider Willen in der tragikomischen Abenteuergeschichte HOTEL LUX (Kinostart: 27.Oktober).
Leander, der „Durchmacher“
Schon als Jugendlicher galt der 1959 in Quedlinburg geborene Leander Haußmann als eigenwilliger Rebell. 1976 verließ er die Schule mit einem mittelmäßigen Zeugnis und machte in Ostberlin eine Druckerlehre. Zusammen mit anderen Literaturinteressierten gründete er die Gruppe „Die Durchmacher“. Mit dem Film „Denk ich an Deutschland – Die Durchmacher“ machte sich der Filmemacher 25 Jahre später auf die Suche nach den einstigen Freunden und den gemeinsamen Erinnerungen aus dieser Zeit.
Die Bretter, die die Welt bedeuten
Nachdem Leander Haußmann bei „Die Durchmacher“ die Welt von Leonard Cohen, Bob Dylan und den Rolling Stones kennenlernte, gründete er Anfang der 1980er Jahre zusammen mit dem Theatermacher Uwe Dag Berlin das „Berliner Bohème Theater“ (BBT). Sie zogen spielend und musizierend durch Teile der DDR und protestierten mit einer anarchistischen Lebensweise gegen den Staat. Ab 1982 begann Haußmann schließlich ein Studium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.
Aufstieg zum Jüngsten Theaterintendanten Deutschlands
Bereits 1991 galt Leander Haußmann als bester Nachwuchsregisseur des Landes. 1995/1996 übernahm er schließlich als jüngster Theaterintendant die Leitung des Bochumer Schauspielhauses, die er bis einschließlich 2000 innehatte. Dort versuchte er durch Thementage und Diskussionen, Filmpremieren und Partys Möglichkeiten aufzuzeigen, das Theater aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Theater sollte nach seiner Vorstellung nicht nur Freiraum zur Identifikation geben, sondern vor allem auch Spaß und Unterhaltung bieten.
Gefeierter Skandalregisseur
Zahllose Kritiker konnten Haußmann nicht ausbremsen. Lieber schimpfte und pöbelte er zurück und löste damit so manchen handfesten Skandal aus. Mit der Ostzonen-Komödie „Sonnenallee“ gelang ihm 1999 ein erfolgreiches Kino-Debüt, das mit dem „Deutschen Filmpreis“ belohnt wurde. Es folgten aufsehenerregende Filme wie die Sven-Regener-Buchverfilmung „Herr Lehmann“, die autobiographische Militär-Komödie „NVA“, die Fernseh-Adaption von Schillers „Kabale und Liebe“ und die Rentnerkomödie „Dinosaurier- Gegen uns seht ihr alle alt aus!“.
Vom Filmregisseur zum „Wutbürger“
Neben seiner Film- und Schauspielkarriere engagiert sich der alteingesessene Friedrichshagener auch auf politischer Ebene. So unterstützt er den Widerstand der Friedrichshagener Bürgerinitiativen gegen die Pläne der Deutschen Flugsicherung, Airlines über seine Heimat fliegen zu lassen. Sein energischer Protest mündete in einem Hausverbot, das ihm Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bei einer Schlichtungsverhandlung erteilte.
Und auch in seinem neuen Film HOTEL LUX geht es politisch heiß zur Sache: Der Parodist Hans Zeisig (Michael „Bully“ Herbig) muss wegen eines Hitler-Gags aus Nazi-Deutschland der Dreißiger Jahre fliehen. In einem Exilanten-Hotel in Moskau gerät er zwischen die Fronten blutiger Intrigen in Stalins Machtapparat. Produzentin Corinna Eich sieht klare Parallelen zwischen Hans Zeisig und Leander Haußmann: „In der Hauptfigur des Films spiegelt sich Leanders eigene Biografie: ein Schelm, der sich mit Charme und Chuzpe durch Diktatur und ideologischen Irrsinn schlawinert, ohne seinen Witz und seine Würde zu verlieren.
Wer mitfiebern möchte, wie Hans Zeisig sich in HOTEL LUX aus den Klammern des Stalinismus zu befreien versucht, der sollte ab dem 27. Oktober 2011 eines der zahlreichen deutschen Kinos besuchen.
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