Gesellschaft Freunde der Künste

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Lech Majewskis Passionsgeschichte für Kunstsinnige

Kinostart 24.11: Die Mühle und das Kreuz - Kunstfilm mit Rutger Hauer und Charlotte Rampling

Flandern 1564. Schwer bewaffnete Söldner terrorisieren im Namen der spanischen Krone und Inquisition die Landbevölkerung ihrer niederländischen Kolonie und bestrafen zarte Reformationsversuche mit drakonischer Grausamkeit. Auch der Kunstsammler Nicolas Jonghelinck beklagt die gnadenlose Unterdrückung. Er hat dem Künstler Pieter Bruegel den Auftrag erteilt, die Kreuztragung Christi zu malen. Beeinflusst vom Leiden der Landsleute, verlegt dieser die Szenerie in die flandrische Gegenwart und spielt auf die haltlosen Zustände in der Heimat an.

Pieter Bruegels der Ältere berühmtes Gemälde "Die Kreuztragung Christi" wird in Lech Majewskis Passionsgeschichte für Kunstsinnige spektakulär lebendig.

Näher kann man einem Kunstwerk nicht kommen. Der polnische Filmemacher Lech Majekswi, Drehbuchautor von "Basquiat" und selbst mal bildender Künstler, hat in drei Jahren Arbeit das Gemälde eines alten Meisters mit neuester Technik im wahrsten Wortsinn zum Leben erweckt. Mehr noch als in seinem Werk über Boschs "Der Garten der Lüste" bilden computeranimierte Hintergründe nach Bruegels Motiven ein halluzinogenes Szenario, das eine Brücke zwischen Sozialrealismus und Phantastik, zwischen Leben und Bild schlägt.

Anstatt vor üblicher Historienkulisse ein Kostümbiopic über Genie und Wahn eines Künstlers auszubreiten, hat Majewski einen radikalen, bestechenden Ansatz gewählt, der einen vollendeten Kunstfilm gebiert. Von Beginn an versenkt sich die Kamera andächtig in das raue Naturidyll Flanderns anno 1564, durchmisst respektvoll Tableaus von Bauernstilleben und Nebellandschaften, beschwört eine fabelhafte Atmosphäre und genießt diese in ausführlicher Ruhe. Aus den gut 500 Gestalten des Mammutbildes wählt Majewski ein Dutzend, deren Tagwerk auf Höfen, Feldern und Märkten er in detailgenau ausgestattetem Naturalismus abbildet - unverklärt und doch lyrisch. Er evoziert eine fast handlungslose Gemäldegalerie in gedeckten Farben, viel indirektem Naturlicht und dunklen Tönen. Lange Zeit lässt er Bilder und Geräusche für sich sprechen, bis sich Kunstsammler Nicolas Jonghelinck (Michael York) über die Unterdrückung durch die Spanier, Maler Bruegel (Rutger Hauer) über Genese und Herangehensweise seines Bildes und die Jungfrau Maria (Charlotte Rampling) über Jesu Tod monologisch auslassen.

Über der nun angerissenen Passionsgeschichte, die durchaus an Mel Gibson abzüglich des Splatters erinnert, thront ein Felsmassiv, das sich zu einem gigantischen Windmühlenturm verjüngt. Die sozialkritische Nacherzählung von Jesu Kreuzestod lässt rote Waffenröcke im Namen der spanische Krone und Inquisition gegen zarte Reformationsversuche mit aller gebotenen Grausamkeit wüten, Männer aufs Rad flechten, Frauen lebendig begraben. Unter dem Vorwand der Ketzerei werden die Einheimischen im eigenen Land zu Bettlern degradiert - damit folgt Majewski der Bruegel-Interpretation Michael Gibsons, dessen Sichtweise er zu einem digitalen Bildteppich verwebt, der fasziniert, aber auch Geduld fordert. tk. Quelle: www.kino.de

 

Schweden/Polen 2011
Laufzeit: 95 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Rutger Hauer
Charlotte Rampling
Michael York

Regie: Lech Majewski
Verleih: Neue Visionen

info@neuevisionen.de