Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Politisch, packend und provozierend

Kinostart 22.12: The Ides of March - Tage des Verrats - Packendes Drama von und mit George Clooney

George Clooney entlarvt in seiner vierten Regiearbeit Zynismus und Skrupellosigkeit eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten

Der perfekte Eröffnungsfilm nach Maß für die 68. Mostra. Italien-Liebhaber George Clooney und einer der Lieblinge des Festivals kann nicht von der Politik im weitesten Sinne lassen. Leichter zugänglich als "Good Night and Good Luck" entwirft er in "The Ides of March" in Assoziation an die Jahreszeit, in der Brutus seinen Ziehvater Cäsar verriet, ein Panoptikum des Vorwahlkampfes in den USA, der einen seiner Höhepunkte in Ohio findet.

Clooney ist der charmante demokratische Kandidat, der seine Anhänger durch Integrität mitreißt. Er will ein neues Amerika, ein besseres Amerika und eine Regierung, die sich für alle verantwortlich fühlt, nicht nur für die Reichen, sondern auch die sozial Schwachen - fast O-Ton Obama. Als Gouverneur Mike Morris steht er für Gerechtigkeit und Moral. Nur ist er nicht der erste, der Wasser predigt und Wein trinkt. Sein junger und idealistisch gesonnener Pressechef unterstützt ihn und kämpft für den Sieg seines Idols. Bis er eine Affäre mit einer 20jährigen Praktikantin beginnt und merkt, dass er nicht der Einzige ist und in ein gefährliches Netz aus Lüge, Korruption und Skrupellosigkeit gerät, aus Ehrgeiz in die Falle des Gegners tappt.

Star des bis in die letzte Nebenrolle brillant besetzte Dramas ist der Kanadier Ryan Gosling, der als enttäuschter Idealist am Ende eiskalt seinen Weg geht und seine Karriere vorantreibt, seinen Gegenspieler Philip Seymour Hoffman ausbootet und bar jeglicher Illusion wahrscheinlich so wird wie die anderen. Nach Beau Willimons Theaterstück "Farragut North" inszeniert Clooney Politik als schmutziges Geschäft und den Sieg von Zynismus über Moral stilsicher, wenn auch etwas konventionell und mit kraftvollen und eindringlichen Bildern, wirft Fragen auf, ohne sie beantworten zu wollen und verkörpert den janusköpfigen Mann mit Verve. Zwischen dem charismatischen Bewerber mit netter Ehefrau an seiner Seite und dem machtgierigen Demokraten, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, liegt oft nur ein Wimpernschlag. Eigentlich war der Film, dem man das geringe Budget von zwölf Mio. Dollar nicht ansieht, schon für 2007 geplant. Aber ein Start kurz nach Obamas Wahl wäre wohl prekär gewesen. Für den kommenden US-Wahlkampf kommt "The Ides of March" aber genau richtig. mk. Quelle: www.kino.de

 

USA 2011
Laufzeit: 101 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Ryan Gosling
George Clooney
Evan Rachel Wood

Regie: George Clooney
Verleih: Tobis Pressekontakt E-Mail: claudia.kettner@tobis.de