Bent Hamer wirft mit lakonischem Humor und leiser Melancholie einen Blick auf das Fest der Liebe in einem norwegischen Dorf.
Heiligabend ist ein Fest für die Familie, für Menschen die sich lieben. Schlimm ist es an diesem ganz besonderen Abend für diejenigen, die allein sind, vielleicht umsonst auf jemanden warten.
Und von dieser Spezies gibt es in dem fiktiven Dorf genug, ein Ort enttäuschter Liebe, erloschenen Gefühlen und hochfliegender Hoffnungen. Der Schnee hüllt Häuser und Hässlichkeiten ein, im Glanz der Weihnachtsbäume hofft jeder auf die Erfüllung seiner Wünsche.
"Home for Christmas" steht auf dem Schild eines Obdachlosen, der für die Zugfahrt zu den Eltern ein paar Münzen braucht. Nach Hause möchten viele, nur haben sie kein Zuhause oder fühlen sich dort nicht wohl. Ein Arzt macht lieber Notdienst, statt mit seiner Frau zu feiern und wird zu einer Geburt geholt, eine Frau hat leidenschaftlichen Sex mit dem Liebhaber, den es dann doch zur Gattin zieht, ein von der Ehefrau vor die Tür gesetzter Familienvater lässt sich etwas einfallen, den Nebenbuhler bei der Bescherung auszutricksen, eine Christbaumverkäuferin entdeckt nachts vor ihrem Wohnwagen in einem heruntergekommenen Mann ihre alte Jugendliebe, dessen Eltern auf den einstigen Fußballstar warten und ein Christenjunge und eine Moslemin kommen sich beim Sternegucken näher.
Fein spinnt Bent Hamer, der u.a. mit "Kitchen Stories" und "O'Horten" seinen Hang zum lakonischen Humor bewies, die Schicksalsfäden dieser etwas anderen Weihnachtsgeschichte. Für einige ändert sich das Leben in dieser Nacht der Wunder, sie stehen vor einem Neuanfang, andere bleiben im Trott.
Es sind keine großen Helden, sondern unfreiwillige Versager im Alltag, die sich hier durch Eis und Emotionen kämpfen. Der leise fallende Schnee, das Firmament mit seinem leuchtenden Stern von Bethlehem, das alles dämpft den Schmerz.
Einige skurrile Szenen und komische Dialoge reizen zum Lachen, so wenn es den gemeinen Norweger bei der Vorstellung schüttelt, keinen Alkohol, sondern Limonade zum Braten zu trinken oder wenn die Geliebte in der Christmette mit dem gleichen Schal auftaucht wie die eheliche Rivalin und damit ein Zeichen setzt.
Ansonsten bevorzugt Hamer bei diesem Wintermärchen durchgehend eine leichte Melancholie, gemischt mit Zärtlichkeit für die Verzweifelten, die trotz aller Nackenschläge die Hoffnung nicht aufgeben und "Home for Christmas" sein möchten. mk. Quelle: www.kino.de
Drama/Komödie - Norwegen/Deutschland 2010
Verleih: Pandora
Start: 02.12.2010
Ein Film von Bent Hamer
mit Fridjov Såheim, Trond Fausa Aurvåg, Reidar Sørensen, Ingunn Beate Øyen,
Nina Andresen-Borud, Tomas Norström, Joachim Calmeyer, Cecile Mosli, Nina Zanjani, Igor Necemer, Morten Ilseng Risnes, Issaka Sawadogo, Levi Henriksen u.a.
Eine Produktion von BulBul Film in Koproduktion mit Pandora Film Produktion und Filmimperiet mit Unterstützung von Nordisk Film & TV Fund, Norwegian Filminstitut, Mid Nordic Film Commission, Filmstiftung NRW, DFFF, Swedish Film Institute, Eurimages
Bent Hamer wurde 1956 in Sandefjord, Norwegen, geboren. Er studierte Film- und Literaturwissenschaften an der Universität Stockholm und der Stockholm Film School. Seit 1994 ist er Inhaber seiner eigenen Produktionsfirma BulBul Film, mit der er alle seine bisherigen Filme produzierte.
Bent Hamers Filme wurden in mehr als 50 Länder verkauft, liefen auf über 80 Filmfestivals und brachten ihm ca. 30 Auszeichnungen ein, 2008 wurde sein letzter Spielfilm O'Horten als offizieller norwegischer Beitrag für die Nominierung um den besten nicht-englischsprachigen Film bei den Oscars 2009 ausgewählt. Zusätzlich zu seinen Spielfilmen realisierte Bent Hamer eine Reihe von Kurz- und Dokumentarfilmen.
Bild Nr 7: Ben Hamber
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