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thematisiert auf intelligente weise den Jugendwahn

Kinostart 20. Oktober 2011: Die Haut in der ich wohne mit Antonio Banderas - Grotesker und faszinierender Thriller von Pedro Almodóvar

 

Die bildhübsche Vera (Elena Anaya) ist die einzige Patientin einer privaten Schönheitsklinik, wo sie Tag und Nacht von dem plastischen Chirurgen Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas) überwacht wird. Er pflegt ihre Haut wie einen kostbaren Schatz und kontrolliert jeden Schritt, jeden Blick, jede Emotion. Doch wer ist Vera, die Ledgards verstorbener Frau so beängstigend ähnlich sieht? Sie hat keine Geschichte und doch scheint ihr Schicksal eng verknüpft mit dem Leben Roberts. Und welche Rolle spielen Roberts treue Haushälterin Marilia (Marisa Paredes) und der rätselhafte Mann im Tigerkostüm, der zuletzt beim Betreten der Klinik gesehen wurde?

Nach seinen Oscar-prämierten Meisterwerken ALLES ÜBER MEINE MUTTER und SPRICH MIT IHR, dem mit kaleidoskopischer Raffinesse erzählten Missbrauchsthriller LA MALA EDUCACIÓN; SCHLECHTE ERZIEHUNG, der anrührenden Tragikomödie VOLVER; ZURÜCKKEHREN, seinem erfolgreichsten Film überhaupt und der als visueller Rausch inszenierten Kinohommage ZERRISSENE UMARMUNGEN, betritt der spanische Ausnahmeregisseur Pedro Almodóvar nun erstmals neues filmisches Terrain und bleibt doch unverkennbar Almodóvar! Denn sein neuer Geniestreich, der ebenso schaurig-verstörende wie betörende Psychothriller DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE, basierend auf dem gleichnamigen Erfolgsroman des Franzosen Thierry Jonquet, besticht nicht nur durch subtil aufgebaute Spannung und eine gewohnt grandiose Bildästhetik. Vielmehr thematisiert er auf überaus intelligente Weise die Problematik der menschlichen Identität und versetzt der vom grassierenden Jugendwahn ungeniert profitierenden modernen Schönheitschirurgie; gewissermaßen subkutan - kleine kritische Nadelstiche.

Darsteller:

Antonio Banderas - Robert Ledgard
Elena Anaya - Vera
Marisa Paredes - Marilia
u.v.a.

 

Stab:

Regie, Drehbuch, Produktion - Pedro Almodovar
Romanvorlage - Thierry Jonquet
Produktion - Agustin Almodovar
Kamera - Jose Luis Alcaine
Schnitt - Jose Salcedo
Musik - Alberto Iglesias
Maske/Frisuren - Aleix Torrecillas
Casting - Luis San Narciso
u.v.a

 

Drama Spanien 2011
Laufzeit: 121 Min.
FSK: ab 16 Jahre

 

 

Rezension kino.de

 

Nicht zum ersten Mal begibt sich der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar ins Reich des Genrekinos. Schon in Filmen wie "La mala educacion" oder "Zerrissene Umarmungen" verneigte er sich vor den Meistern des klassischen Thrillerkinos und verlieh den klassischen Versatzstücken mit seinem Hang zum Melodram immer noch einen zusätzlichen Dreh. Aber noch nie ist Almodovar so weit gegangen, war er so bizarr und regelrecht grausam wie in "Die Haut, in der ich wohne", sein erster Film mit seinem ehemaligen Standardhauptdarsteller Antonio Banderas seit "Fessle mich!" aus dem Jahr 1991.

Bislang konnte man immer Brian De Palmas finstere Fingerübungen "Der schwarze Engel" oder "Dressed to Kill" als perverse Auswüchse sexuell heikler Themen aus dem Werk Hitchcocks sehen. Aber Almodóvar dreht die Schraube noch einmal gehörig an mit seiner Schauermär von einem wohlhabenden Mad Scientist, der es sich hinter den gut gesicherten Mauern seiner penibel geschmackvoll durchdesignten Villa erlaubt, eine nicht minder penibel geschmackvoll durchdesignte Frau zu schaffen. "Vertigo" lässt grüßen, und natürlich auch Franjus All-Time-Klassiker "Augen ohne Gesicht". Aber die durch und durch kranke Prämisse ist nur das Sprungbrett, von dem aus Almodóvar eintaucht in einen grotesken Albtraum aus Inzest, Vergewaltigung, Verrat und - echt! - Vasektomie.

Mitten im Film, nachdem er Figuren, Handlung und Motive ausgebreitet hat, gibt es einen furiosen Bruch, der den Zuschauer völlig desorientiert. Man fühlt sich zunächst in einem anderen Film, mit neuem Personal, anderem Look und Stil. Und dann fügt Almodóvar die disparaten Stücke zusammen in einem regelrechten Husarenritt mit einer Präzision, die an das Arbeitsethos des von Banderas gespielten und vom Wahnsinn gerittenen plastischen Chirurgen erinnert: Es ist eine der größten Schleifen in der Geschichte des Films, und wenn sich das gesamte Ausmaß der unfassbaren Tragödie zusammensetzt in dieser unfassbar durchgeknallten Ballade vom Irrsinn, der durch den Verlust eines geliebten Menschen herrührt, wird einem ganz blümerant zumute. Aber Almodóvar darf das. Denn der kann das. ts.