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Die Künstlerin lässt das Museum in ihren Bildern lebendig werden

Karin Kneffels Spiel mit Zeit und Raum im Haus Esters

Das Museum Haus Esters in Krefeld an der Wilhelmshofallee zeigt in seiner neuen Ausstellung bis zum 17. Januar 2010 die großformatigen Bilder der Düsseldorfer Künstlerin Karin Kneffel. Gerade ist noch jemand im Raum gewesen. Nun hat ein stürmischer Wind das Fenster aufgedrückt und die Topfpflanze vom Sims gefegt. Der leichte Vorhang bläht sich über den tönernen Scherben, Regenwasser läuft in kleinen Rinnsalen die Scheibe hinab.

Der Betrachter schaut in einen leeren Raum und fühlt sich dennoch unwohl, seltsam berührt von der gespenstischen Szenerie. Er möchte sich abwenden und starrt dennoch wie gebannt in den Raum.

Die Grenze zwischen Bild und Betrachter hat die Künstlerin Karin Kneffel aufgehoben. Sie macht ihn in ihrer Ausstellung im Haus Esters zum Teil der Darstellung und weist ihm eine ganz bestimmte Rolle zu. Er ist der Spion, der mit dem verbotenen Blick in die Privatsphäre anderer eindringt und zugleich immer fürchten muss, ertappt zu werden. Die Scheibe markiert die Grenze, die er überschreitet.

 Doch sie ist gläsern, lässt den Blick hindurch und verbindet außen und innen. „Der zerbrochene Blumentopf ist ein Hinweis auf das gewaltsame Eindringen", sagte Museumsleiter Dr. Martin Hentschel bei der Eröffnung. Er deutete auf das nächste Bild. Innen die gleiche Szene, doch von außen hat der Betrachter mit dem Finger ein Gesicht auf die regennasse Scheibe gemalt, das ihm nun grimassenhaft entgegengrinst. „Es wirkt gespenstisch."

Das Gefühl vom Bild aufgesogen und zugleich ausgegrenzt zu sein, hat Karin Kneffel durch ein raffiniertes Spiel mit Raum und Zeit, Fiktion und Wirklichkeit verstärkt. In ihrem Zyklus „Haus am Stadtrand" hat sie die Räume des Hauses Esters gemalt, als diese noch bewohnt waren. Das Mobiliar hat sie den alten Fotos getreu nachempfunden und sie in Momentaufnahmen belebt. Der Betrachter steht also in dem leeren Museumsraum und schaut durch eine imaginäre Scheibe auf der Leinwand in den gleichen Raum.

 Er sieht ihn so, wie er in den 30er Jahren ausgesehen hat und hat dennoch nicht den Eindruck, in eine ferne Vergangenheit zu blicken. Alles wirkt, als geschehe es gerade jetzt. Der schlafende Hund, den der Betrachter durch das aufgeschobene Bullauge des Türspions beobachtet, könnte schon im nächsten Moment aufspringen und losbellen.

 Das Buch auf der Tischkante könnte herunterrutschen, der Teller mit der halb abgegessenen Weintraube scheint nur eben dort abgestellt zu sein. Die Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmt. Der Betrachter blickt in eine andere Zeit und merkt es nicht. Alle Räume sind menschenleer, doch die Bewohner könnten in jeder Sekunde zur Tür hereinkommen.

„Diese Anwesenheit durch Abwesenheit fand ich spannend. Alles was sie geschaffen haben, was ihnen gehört ist da, nur sie selbst nicht", berichtete Karin Kneffel. Sie hat die Familie Esters bewusst nicht porträtiert, um ihre Biographie nicht in den Vordergrund zu stellen. Nur einmal taucht ein Mitglied der Familie auf. Sein Gesicht spiegelt sich neben einem opulenten Orientteppich im gebohnerten Parkettboden. Er ist in ein Gespräch mit Museumsdirektor Hentschel vertieft.

 Etwas abseits ist der Architekt Mies van der Rohe zu erkennen. Gegenwart und Vergangenheit mischen sich, die Grenzen sind aufgehoben. „Der Teppich verweist auf das bewohnte Haus, das Parkett auf die Nutzung als Museum. Die Zusammenstellung der Personen ist irreal", erklärte Hentschel und betrachtete sich selbst amüsiert.

Den Hinweis, dass alles nur ein Spiel mit Raum und Zeit ist, gibt Karin Kneffel nur an zwei Stellen. Einmal hat sie das plüschige Mobiliar der Familie Esters mit einem dicken roten X durchkreuzt und stößt damit den Betrachter in das Hier und Jetzt zurück. „Sie wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Einrichtung ganz und gar nicht nach dem Geschmack von Mies van der Rohe war.

 Er hätte es sicher lieber so, wie es heute ist", erklärte Hentschel. In einem anderen Bild lässt sie den Betrachter in eine visionäre Traumwelt entschwinden. Eine Treppe führt nach oben zu einem Absatz mit bunter Kindertapete. „Einen solchen Raum hat es im Haus

Esters nie gegeben", betonte Hentschel. Der Blick des Betrachters folgt dennoch der Treppe nach oben. Die Neugier treibt ihn, etwas über das Leben der Anderen herauszufinden. Die Ausstellung „Haus am Stadtrand" von Karin Kneffel ist dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr im Museum Haus Esters zu sehen. Parallel dazu läuft im benachbarten Museum Haus Lange die Ausstellung mit Werken von Blaise Drummond.

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